Salzwedel l Einige Passanten blieben am Montag (11. Januar) am Modegeschäft Weiland in Salzwedel stehen und schauten verwundert auf die dort aushängenden Plakate. „Wir machen auf ...merksam“ stand dort, wobei der erste Teil des Satzes so groß geschrieben war, dass er als erstes ins Auge fiel. Diese Gestaltung sei bewusst so gewählt worden, damit die Fußgänger „aufmerksam werden auf die aktuelle Notlage des Einzelhandels“, sagt Inhaberin Delia Weiland. Sie beteiligt sich damit an einer bundesweiten Aktion der Modehändler.

Ins Leben gerufen haben es Uwe Bernecker vom Frankfurter Modelabel Funky Staff und Günter Nowodworski, Inhaber der Agentur Now Communication, erzählt die Salzwedelerin. Ziel sei es, dass möglichst viele Leute die Plakate fotografieren und in den sozialen Netzwerken posten, um so die missliche Situation, vor allem kleinerer Geschäfte, präsent darzustellen und auch die Politik zu erreichen.

Dabei fordern die Initiatoren eine Gleichbehandlung der Geschäfte mit der Gastronomie und somit angemessene Entschädigungszahlungen für entgangene Einnahmen. „Wir erhalten keine Informationen dazu und bekommen keine Hilfe“, sagt Delia Weiland. Sie sei verzweifelt, weshalb sie sich an der Aktion beteiligt habe. Bis Ende Januar könne sie noch durchhalten, aber alles darüber hinaus sei nicht mehr zu stemmen. Dann seien die Läden bereits seit sieben Wochen geschlossen. Das komme einer „staatlichen Hinrichtung des Einzelhandles gleich“, zitiert sie einen der Initiatoren. Weiland befürchtet verödete Innenstädte, wenn die Geschäfte nicht bald wieder öffnen können. „Ich habe keine Rücklagen, um so eine lange Zeit zu überstehen“, betont sie. Es gebe keine Einnahmen. Miete und weitere Aufwendungen oder auch Steuern seien aber weiter zu zahlen.

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Lokale Einzelhändler fordern finanzielle Hilf

Sie sei ja nicht die einzige, der es so gehe, schätzt die Geschäftsfrau ein. Wenn es kein baldiges Ende des Lockdowns oder eine finanzielle Unterstützung vom Staat für die Einzelhändler gebe, würde das für einige Läden in Salzwedel und in anderen Städten das Aus bedeuten. Sie hofft deshalb auf Zuspruch auf die Aktion, damit ein Umdenken in der Politik einsetze und Hilfen gezahlt würden.

Auch das Schuhhaus Düster hat ähnliche Plakate mit der Aufschrift „Gemeinsam machen wir AUF_merksam“ in seinen Läden in der Burgstraße aufgehängt.

„Wir können die lokalen Einzelhändler nicht im Regen stehen lassen“, sagt Jost Fischer von der Salzwedeler Werbegemeinschaft. Der Vorstand wolle sich mit in die Initiative einklinken und einen Brief an die Politik verfassen, in dem auf die prekäre Lage aufmerksam gemacht wird und Hilfen eingefordert werden. Er verstehe nicht, warum die Händler, die keine Waren des täglichen Bedarfes anbieten würden, anders behandelt würden als die Gastronomie. Sie hätten ebenso weiter Fixkosten, wie Miete oder Energie.