Arendsee l Am 29. September 1990, vor 30 Jahren, war das Motorschiff „Seeadler“ auf dem Arendsee unterwegs. Eigentlich etwas Normales. Doch die Passagiere um Olaf Meußling hatten ihre Blicke nicht in die Ferne sondern nach unten gerichtet. Mit einem Echolot ermittelten sie die Seetiefen. Für den Altmärker, der Arendsee einst verließ und seine berufliche Heimat in Ansbach fand, war dieses Thema immer spannend. Daran erinnerte sich seine Schwester Christine Meyer im Volksstimme-Gespräch. Während andere Jugendliche Bücher von Karl May lasen, interessierte sich ihr Bruder für die wissenschaftlichen Arbeiten von Professor Dr. Wilhelm Halbfaß. Dieser unternahm ab 1895 umfangreiche Untersuchungen und erstellte eine Tiefenwasserkarte.

Als 19-Jähriger wollte es Olaf Meußling, der sich den Namen „Falo“ gab, im März 1955 ganz genau wissen. Der See war zugefroren, präzise Standorte konnten von der Eisdecke aus markiert werden. Auf vier Routen wurden rund 280 Löcher in das Eis geschlagen. Es folgten Lotungen. Olaf Meußling gelang es mit seinen Mitstreitern erstmals die maximale Tiefe von 52 Metern zu finden. Diese wurde später „Falo´s neue Tiefe“ genannt. Vorher waren 49,5 Meter maßgeblich.

Dem See auf den Grund gehen

In den Jahren und Jahrzehnten danach war es für Olaf Meußling, der sich in Ansbach eine neue Existenz aufbaute, nicht mehr möglich, solche Untersuchungen umzusetzen. Christine Meyer weiß aber: Die Heimat zog ihn immer wieder an. Regelmäßige Urlaube an der „blauen Perle“ gab es und der Wunsch, noch einmal dem See auf den Grund zu gehen, wurde nie ganz abgeschrieben. Nach der Grenzöffnung erarbeitete der Altmark-Freund sofort einen Plan. Und so ging es am 29. September 1990 auf das Motorschiff „Seeadler“. Dieses steht inzwischen ausgemustert an der Arendseer B190-Kreuzung. Mit einem englischen Echolot wurden Tiefenmessungen vorgenommen.

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„Selbstverständlich fanden die alten Strategen von 1955 ihre 52 Meter wieder“, heißt es in den Aufzeichnungen von Olaf Meußling, die von Christine Meyer aufbewahrt werden. Ihr Bruder hat später die Arbeitsgemeinschaft „Der Arendsee“ gegründet und über die Jahre mehrere Symposien sowie weitere Veranstaltungen organisiert. Dabei ging es immer wieder um die „blaue Perle“ in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft.

Kuriose Überlieferungen

Was die Vergangenheit angeht, beschäftigte sich „Falo“ Meußling auch mit Menschen, die bereits vor ihm den Einbruchsee intensiv erkundeten, und er fasste deren Erkenntnisse schriftlich zusammen. Manche Überlieferung wirkt dabei heutzutage kurios.

Ein Beispiel: Albert Ritter vermutete als Professor in Halle 1744, es müsse unterirdische Verbindungen zur Elbe und zur Ostsee geben. Darauf kam er mit Blick auf den Wasserstand und die Wasserfarbe des Arendsees. Diese Vermutung hat sich aber nicht bestätigt. Christian Fricke, einst Pastor im nahen Sanne, wirkte an der Festschrift „Erste tausendjährige Jubelfeier der Gestaltung des merkwürdigen Landsees bei Arendsee in der Altmark“, die 1823 in Stendal erschien, mit. Wissenschaftliche Aussagen nehmen darin aber keinen Raum ein, dafür gibt es romantische Jubelgedichte.

Erste richtige Messungen ab 1768

Georg Christoph Silberschlag, Generalsuperintendent der Altmark, unternahm 1768 einige Tiefenmessungen, wohl als erster. Er wurde dabei von Baron Hayl, königlicher Kammerdirektor, unterstützt. Es gab neun Lotungen. Die tiefste gefundene Stelle lag bei damals 125 rheinländischen Dezimalfuß (47,8 Meter). Professor Dr. Wilhelm Halbfaß nahm dann ab 1895 insgesamt 1208 Lotungen vor. Heraus kam die erste Tiefenkarte des Arendsees. Seine tiefste Stelle: 49,5 Meter. Schließlich widmete sich Olaf Meußling dieser Thematik und konnte sich mit den Orientierungsmessungen vor 30 Jahren einen persönlichen Traum erfüllen.