Salzwedel l „Die Uhr kommt hier hin“, sagt Gerald Jericke und platziert eine DDR-Kommodenuhr auf einem noch älteren Schrank. Viele Uhren hat er nicht mehr, genauso wenig andere Antiquitäten. Beim Brand in der Silvesternacht in seinem Trödelladen im historischen Fachwerkhaus in Salzwedels Holzmarktstraße sind seine Waren verbannt. Teils auch nicht mehr zu beschaffen.

„Es sind Werte verloren gegangen“, sagt er traurig. Eine altmärkische Postenkartensammlung beispielsweise, mit Ansichten vor mehr als 100 Jahren aus der Region. Historische Unterlagen über Salzwedel. Alte Bücher, ob aus Vor- oder Nachkriegszeit. Dinge aus der Kaiserzeit. Briefmarken und Münzen, die schwer bis gar nicht mehr zu beschaffen sind.

Neueröffnung

Doch Gerald Jericke gibt nicht auf. „Ich bin gerade dabei, die ehemalige Ausstellungsfläche als kleinen Laden herzurichten.“ Doch einfach sei das nicht. War sein altes Geschäft noch von voluminösen alten Deckenleuchten gekennzeichnet, muss Jericke nun auf einiges verzichten. Auch schwere Regale könne er nicht mehr einfach an die Wand schrauben. Das gebe die Bausubstanz wohl nicht her. „Jetzt heißt es improvisieren.“ Viel Zeit bleibt nicht mehr. Schon am Donnerstag, 9. Januar, will der Antiquitätenhändler seinen neuen Laden öffnen. Er schiebt Möbel umher, dekoriert und entstaubt. „Ich fange damit an, was mir bleibt.“ Ob er je wieder so ein breites Sortiment zusammen bekommt, weiß er noch nicht.

Bilder

Es ist ein harter Schnitt im Leben des 65-Jährigen. Seit rund 20 Jahren ist er vielen Salzwedelern und Kunden aus allen Teilen Deutschlands als Antiquitätenhändler ein Gesicht. Sogar eine Postkarte mit seinem Antlitz als Motiv gibt es. Die ging aus einer Kunstaktion hervor, bei der Salzwedeler Persönlichkeiten zu sehen sind. Neben Buchhändlerin Helga Weyhe auch Gerald Jericke, der von vielen nur „Jesus“ gerufen wird.

Dank an Wehren und für die Anteilnahme

Trotz alledem ist der Salzwedeler dankbar. „Ich möchte mich für die große Anteilnahme bedanken“, sagt er, „und natürlich bei den Feuerwehren.“ Ohne sie stünde wohl kein Balken mehr in der Straße. Und auch bei der Volksstimme meldeten sich Anrufer. Auch um zu fragen, ob es ein Spendenkonto gibt.

Das abgebrannte Fachwerkhaus war nicht im Besitz des Händlers, stellt er klar. „Ich war Mieter.“ Anders ist das im jetzigen Geschäft, der ehemaligen Ausstellungsfläche. Dies gehöre seiner Frau, auch die Wohnung darüber. Doch es sei nur eine Nebenwohnung, seine ursprüngliche gemietete im Haus in der Kramstraße sei nicht mehr bewohnbar. „Nun sind wir auf wenige Quadratmeter zusammengepfercht“, sagt Jericke. Aber auch dort werde das Beste daraus gemacht. Anders gehe es auch nicht. „Die Rente als Selbstständiger ist nicht gerade hoch“, verrät er. Die Waren im alten Laden seien seine Altersabsicherung gewesen. „In der Antik-Branche ist es nicht möglich, das Geschäft zu versichern.“ Die jährlichen Kosten der Versicherung würden das Geschäft bei den geringen Einnahmen unrentabel machen. „Ich habe zwar noch eine Kassette retten können, doch die hatte nur Papiere als Inhalt, statt Geld.“ Daher wird es ein kompletter Neustart. Nur die Waren im Ausstellungsraum sind ihm geblieben.

Traurig blickt Gerald Jericke auf seinen alten Laden zurück. „Das war mein kleines zu Hause.“ Das rustikale Ambiente werde ihm fehlen. „Das bekomme ich hier nicht mehr hin.“

Ermittlungen laufen

Noch immer laufen die Ermittlungen zur Brandursache. Ob das Feuer im ehemaligen Antiquitäten-Geschäft durch Feuerwerkskörper, Brandstiftung oder einen anderen Auslöser verursacht wurde, muss noch geklärt werden. Hinweise rund um den Brand in der Silvesternacht nimmt die Polizei in Salzwedel entgegen: 03901/8480.