Arendsee l So schnell „dreht der Wind“ am Arendsee: Am Montag noch herrschte höchstes Badevergnügen im Strandbad und Besucherrekorde. Es gab Lobe für die erstklassige Wasserqualität. Am Dienstag gab es schon Badeverbot.

Was war passiert? Mittags bedeckten die grünen Blaualgenteppiche die ganze Wasseroberfläche. „Betroffen ist eine Hälfte des See vor Zießau und vor der Stadt“, erklärte Geschäftsführer Michael Meyer von der Luftkurort GmbH der Volksstimme.

Deshalb musste in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt Salzwedel das Baden sofort verboten werden. Auf einem Info-Blatt, das am Kassenhäuschen am Eingang ausliegt, warnt das Amt vor dem Betreten des Wassers wegen der Algen. Besonders badende Kinder seien gefährdet.

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„Blaualgen können Giftstoffe bilden, die zur Gefahr für Badende werden können“, heißt es da. Es können Beschweren wie Übelkeit, Erbrechen, Hautrötungen, Durchfall und Atemnot auftreten. Dann solle ein Arzt aufgesucht und das Gesundheitsamt informiert werden (Telefonnummer: 03901/84 05 70.) „Wir haben alle gewarnt, haben betroffenen Gästen, die gerade kamen und vom plötzlichen Badeverbot überrascht wurden, einen Bonus mitgegeben“, so Meyer. Auch die Riesenrutsche und die Wasserspielgärten mussten ausgestellt werden, denn sie werden mit Seewasser betrieben.

Katastrophaler Zustand

Meyer hatte sich nach der ersten Information durch Ralf Porath, Kapitän der „Queen Arendsee“, und Schwimmmeister Danny Weber im Motorboot zusammen mit Ordnungsamtsleiterin Annette Wolter selbst ein Bild von dem katastrophalen Wasserzustand gemacht. Nicht betroffen davon sei der Bereich vor Schrampe. Am Schramper Eck und der Kaskade sei das Baden möglich.

Am späteren Nachmittag war das Gesundheitsamt dann vor Ort und nahm Wasserproben. Bei dem Badeverbot bleibt es aber vorerst, hieß es. „Aber wir hoffen stark, dass das nicht von langer Dauer ist“, so Meyer. Denn der Algenteppich sei abhängig vom Wind, der ihn vom Strandbad wegtreiben könnte. Und wenn es einmal stark regne, sei auch eine Verbesserung in Sicht, meinen die Verantwortlichen.

Doch ob dieser Wunsch in Erfüllung geht, bleibt abzuwarten. Entstanden ist der Algenteppich wegen der lang anhaltenden Hitze einhergehend mit der intensiven Sonneneinstrahlung. Das war in den vergangenen Sommern nicht der Fall gewesen.

Darum war zwar ständig die Alge vorhanden, trat aber nie so wie jetzt in Erscheinung. Doch die Seenforscher und Wissenschaftler sorgen sich seit Jahren wegen der hohen Phosphorbelastung, die das Algenwachstum begünstigt. Eine Sanierung mittels Phosphorfällung wird angestrebt. Favorisiertes Mittel ist Poly-aluminiumchlorid. Damit war vor fast 30 Jahren auch der Barleber See bei Magdeburg saniert worden. Jetzt ist die Wirkung ausgereizt. Der See wurde komplett für Badegäste gesperrt. Erneut ist eine Sanierung im Gespräch.