Salzwedel l Ihr größter Luxus ist ihr Haustier. Als sie davon spricht, huscht Cornelia F. (Name von der Red. geändert) ein Lächeln übers Gesicht. Das kleine Wesen sorgt für Freude im Alltag. „Tiere sind unvoreingenommen, sie nehmen einen so wie man ist“, sagt sie. Was an Tierarztkosten anfällt, kann sie allerdings nicht aufbringen. „Das übernehmen meine Kinder“, erzählt die 68-Jährige.

Keinen Urlaub

700 Euro bekommt sie an Rente. Davon muss sie alles bestreiten. Miete, Heizung, Strom, Nebenkosten, Versicherung, Rundfunk, zählt sie auf. Je nachdem, welche der Zahlungen gerade anfällt, bleiben ihr 100 bis 200 Euro im Monat. Für Essen, Trinken, Hygieneartikel, Kleidung. Große Sprünge sind da nicht drin. Urlaub? Sie schüttelt den Kopf: „Verreisen kann ich schon lange nicht mehr.“ Das gleiche gilt für Essen gehen. Oder im Sommer mal ein schöner Eisbecher? „Da kaufe ich mir lieber eine Packung im Supermarkt.“ Mehr für weniger Geld eben. „Ich muss schon ständig rechnen, dass ich über den Monat komme“, fasst die alleinstehende Seniorin zusammen.

Der Gang zur Tafel

Als sie zum ersten Mal zur Tafel gegangen ist, fiel ihr das ziemlich schwer. „Es kostete Überwindung. Ich hatte das Gefühl, ich stehe am Rand der Gesellschaft“, blickt sie zurück. Das änderte sich. Alle Mitarbeiter dort seien ausgesprochen nett, ließen niemanden spüren, dass er arm ist und hätten auch sie „liebevoll aufgenommen“. Da war die Hemmschwelle, dort hinzugehen schnell weg. „Ich bin so froh, dass es die Tafel gibt, sie hilft einem ein großes Stück weiter. Da muss ich mal nicht auf jeden Cent gucken und kann auch mal was ins Sparschwein stecken“, sagt sie mit aufrichtiger Dankbarkeit. Grundnahrungsmittel, wie Brot, Gemüse, Obst oder wenn vorhanden, Wurst oder Käse, die sie dort erwirbt, reichen manchmal die ganze Woche.

Harter Kampf

Im pädagogischen Bereich tätig, erging es ihr nach der Wende wie vielen Kollegen. Mit befristeten Verträgen, in Urlaubs- und Schwangerschaftvertretungen arbeitete sie in ihrem Beruf. Bis zu einem schweren Unfall vor 16 Jahren, der ihr Leben komplett umkrempelte und einen bleibenden Körperschaden hinterließ. Sieben Jahre habe sie gekämpft, wurde von einem Gutachter zum nächsten geschickt, musste zwischenzeitlich von Hartz-IV-Leistungen leben. „Bis endlich meine Erwerbsunfähigkeitsrente durch war“, erinnert sie sich.

Den Kopf ließ sie trotzdem nicht hängen. Sie engagiert sich ehrenamtlich, mindestens zweimal die Woche. „Ich bin halt sozial eingestellt und helfe gern“, begründet sie.

Nun steht die Weihnachtszeit bevor. Über Geschenke für ihre erwachsenen Kinder, die alle in der Ferne leben, braucht sie angesichts ihrer finanziellen Situation nicht nachzudenken, wie sie abwinkend meint. Da ist höchstens eine Kleinigkeit drin. „Das macht aber nichts, wir haben ja uns und das ist das Wichtigste“, konstatiert sie lächelnd und mit Vorfreude auf das Wiedersehen.

Grundrente

Wenn sie die Grundrente bekäme, würde sie sich freuen. Sie hofft, dass mit dem Einrechnen der Kindererziehungszeiten die Voraussetzungen erfüllt sind.

Wie Helmut Harzer, Leiter der Salzwedeler Tafel berichtet, sei die Zahl der Rentner, die zu den Ausgabezeiten vor der Tür stehen, kontinuierlich gestiegen. Auf schwankend zwischen 40 bis 50 Prozent der Menschen, die das Angebot nutzen dürfen. Wer dort einkaufen will, muss seine Bedürftigkeit nachweisen. Für die ältere Generation heißt das, den Rentenbescheid vorzulegen. Die Grenze liegt bei 900 Euro. Viele, die er kennt haben aber deutlich weniger, weiß der Tafelleiter und erzählt von alten Menschen, die allein leben und bei Wind und Wetter mit dem Rad aus den Nachbardörfern kommen. „Altersarmut ist bei uns sehr präsent“, schätzt er ein.