Salzwedel l Bei Dunkelheit gehen die Laternen an, bei Tageslicht wieder aus. Eine simple Grundregel, so alt wie die elektrische Straßenbeleuchtung. Doch nicht jede Lampe will sich diesem Licht-Druck beugen. Der Revoluzzer unter den Laternen steht an der Treppe im Salzwedeler Burggarten und hält wenig von gängigen Ein- und Ausschaltzeiten.

Holpern und stolpern

Denn während in der Winterzeit schon gegen 16 Uhr alle Laternen ihrem Auftrag nachgehen und den Menschen Licht schenken, denkt die Rüpel-Laterne nicht annähernd daran, sich dem Zwang zu unterwerfen. Auch noch gegen 19 Uhr, wenn der Burggarten so finster ist wie die Seele des Teufels, stellt die Lampe auf stur. Menschen stolpern die Treppe hoch und holpern sie runter. Hunde finden ihren Lieblingsbaum nicht mehr, der Uhu muss aufs Nachtsichtgerät umstellen.

Wer nun aber glaubt, das Leuchtmittel sei kaputt: mitnichten. Denn wenn die Pforten des Burggartens längst geschlossen sind, sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen: Dann schlägt ihre Stunde. Weit nach 21 Uhr – die Tore sind bereits seit Stunden geschlossen – strahlt die Laterne mit voller Kraft in die Nacht. Gewissermaßen der Kevin unter den Leuchteinrichtungen.

Nun fragen sich manche Besucher, was hat es damit auf sich? Macht diese Laterne, was sie will, leuchtet sie gegen den Trend oder hat sie es einfach nur faustdick hinter den Lichtern? Vielleicht will sie sich von der schnöden Straßenbeleuchtung abheben? Immerhin fußt sie auf historischen Grund.

Lichtspielerei

Im Salzwedeler Rathaus weiß man sich zumindest auch keinen Rat. „Vielen Dank für den Hinweis“, heißt es freundlich aus der Stadtverwaltung. Doch die Zeiten der Revoluzzer-Laterne sind gezählt. Vorbei die Abende, wenn Spaziergänger mit Kopflicht durch den finsteren Park wandeln und man den Haufen nicht einmal sieht, in den man tritt. Denn nun weiß man im Rathaus von der Lichtspielerei. Die Beleuchtung werde überprüft, droht man der aufmüpfigen Lampe.