Salzwedel l Er ist bekannt als Glücksbringer, aus zahlreichen Kinderliedern und vom Kartenspiel „Schwarzer Peter“, das mit Oma gespielt wurde: der Schornsteinfeger. Ihm zu begegnen, soll Glück bringen – so sagt man schon seit dem Mittelalter, als der Beruf entstand. Denn bevor es ihn gab, kam es häufig zu Hausbränden und Rauchvergiftungen, weil die Kamine nicht regelmäßig gereinigt wurden. Der Besuch des Kaminkehrers brachte also Glück ins Haus, die Familie war vor Bränden geschützt. Wie heute noch – außer, dass Aufgaben dazugekommen sind.

„Guten Tag, hier ist der Schornsteinfeger“, spricht Jens Krüger in die Sprechanlage seiner Kundin aus Salzwedel. Nach einer knappen Begrüßung macht er sich an die Arbeit: Der Schornsteinfeger aus Arendsee wird heute verschiedene Messungen an der Heizungsanlage seiner Kundin vornehmen. Er prüft die Heizung zum einen auf Basis der Bundeskehr- und Überprüfungsordnung (kurz: „Bundes-KÜO“), zum anderen werden die Emissionen gemäß der Bundes-Imissionsschutzverordnung kontrolliert.

„Das Wichtigste ist, dass die Abgase vernünftig über den Schornstein abgeleitet werden“, erklärt Jens Krüger. Um das sicherzustellen, prüft er mit Hilfe eines Winkelspiegels den gesamten Weg von der Abgasleitung bis hin zur Schornsteinmündung. Der Weg ist sauber. Dann misst Jens Krüger den Kohlenmonoxidgehalt der Abgase, der einen bestimmten Grenzwert (1000 Parts per Million) nicht überschreiten darf.

Etwa 25 Termine mit Kunden am Tag

Über eine Sonde schließt er sein Messgerät an die Abgasleitung an und betätigt die „Schornsteinfeger-Taste“, die sofort die volle Leistung der Heizung abruft. Im selben Zug prüft Jens Krüger, ob die Heizungsanlage genug Luftzug für die Verbrennung bekommt. Als letzter Schritt wird der Abgasverlust, also wie viel Leistung der Heizung über die Abgase verloren geht, gemessen. Die Werte dokumentiert der Schornsteinfeger. „Schönen Tag noch“, ruft die Kundin Jens Krüger hinterher, dann ist er raus – und fährt zum nächsten seiner etwa 25 Termine pro Tag. Mit der Beratung in feuerungs-, umwelt-, und klimatechnischen Fragen bestimmen solche Messungen und Kontrollen etwa 70 Prozent der Gesamtaufgaben eines Schornsteinfegers. 30 Prozent seiner Arbeitszeit verbringt er auf dem Dach – mit Schornsteinfegen.

„Als Einziger über die Dächer der Stadt zu sehen, ist ein tolles Gefühl“, beschreibt Jens Krüger die Tätigkeit auf dem Dach. Dafür müsse man aber schwindelfrei sein und dürfe auch kein Problem mit Schmutz haben. Vor dem gröbsten Dreck und Ruß sei man aber durch die traditionelle Bekleidung geschützt, die hier zum Einsatz kommt. Dazu gehören Kehranzug, Mundtuch und Zylinder. Zum Reinigen des Schornsteins werden außerdem eine Kehrleine sowie ein Stoßbesen gebraucht.

Jens Krüger erklärt, dass die Messtätigkeiten erst mit dem Mauerfall und dem zunehmenden Einsatz von Heizöl und Erdgas dazugekommen sind. Auch gab es fortan neue Vorschriften zum Schutz der Umwelt. So nehmen die Arbeiten im Keller heute deutlich mehr Raum als die auf dem Dach ein. „Das macht den Beruf aber auch sehr abwechslungsreich. Mir machen beide Arbeiten Spaß“, sagt Krüger.

Allgemein wird bei den Tätigkeiten der Schornsteinfeger zwischen „hoheitlichen“ und „freien Tätigkeiten“ unterschieden. Sogenannte hoheitliche Tätigkeiten sind solche, die der „bevollmächtigte Schornsteinfeger“ in dem Kehrbezirk, den ihm das Landesverwaltungsamt oder die zuständige Behörde zugeteilt hat, ausführen muss. Dazu gehört unter anderem die „Feuerstättenschau“, bei der alle Feuerungsanlagen zum vorbeugenden Brandschutz begutachtet und auf Mängelfreiheit untersucht werden.

Für die Ausführung freier Tätigkeiten kann sich jeder Hausbesitzer seinen favorisierten Schornsteinfeger aussuchen. Dazu gehören zum Beispiel das Kehren des Schornsteins, das Kontrollieren von Lüftungsanlagen, oder Mess- und Überprüfungsarbeiten nach der „Bundes-KÜO“.

Seit acht Jahren selbstständig

„Für mich ist das der allerschönste Beruf“, sagt Bernd Raffel, stellvertretender Obermeister der Schornsteinfegerinnung Altmark. Schon 33 Jahre übt er seinen Beruf aus, seit acht Jahren ist er selbstständig. Jens Krüger gehört als Geselle mit zum Team.

Alle drei Jahre gehört in der Regel auch ein Auszubildender dazu. Einer von ihnen war Felix Raffel, Bernd Raffels Sohn. Und auch Florian Raffel übt denselben Beruf wie sein Vater aus. Nachwuchs zu finden, sei aber leider nicht ganz einfach, erzählt Bernd Raffel. Und das, obwohl nur alle drei Jahre neu ausgebildet wird. Auf der anderen Seite bieten trotz des Mangels nur vereinzelte Schornsteinfegerbetriebe überhaupt eine Ausbildung an.

Schornsteinfeger werben für ihren Beruf

Um diese Betriebe aber zu fördern, gibt es die „Ausbildungskostenausgleichskasse“ („AKS“), in die jeder Schornsteinfegerbetrieb einzahlen muss – und von deren Mitteln die Betriebe finanziell unterstützt werden.

Wieso es so ein Nachwuchs-Problem gibt? Bernd Raffel ist sich sicher, dass zwei Faktoren dazu beitragen: „Das erste Problem ist, dass – auch von Seiten der Eltern – zu wenig unternommen wird. Schüler müssen Praktika machen, um eine Idee vom Beruf zu bekommen. „Handwerk muss man ausprobieren!“ Das zweite große Problem sei, dass viele junge Leute in Großstädte abwandern.Um dem entgegenzuwirken, wurde aber schon viel unternommen. So sind die Schornsteinfeger auf Ausbildungsbörsen und Messen unterwegs. Auch eine neue Image-Kampagne („Ich-will-hoch-hinaus“) soll dabei helfen, Lehrlinge zu finden. Und laut Bernd Raffel immer noch die beste Erfolgsstrategie: Kontakte – vor allem die zu seinen Kunden.