Altmarkkreis l „Die Altmark befindet sich seit Jahren in einer positiven Entwicklung, was die Übernachtungszahlen betrifft. Dazu trägt nicht zuletzt das intensive Marketing des Tourismusverbandes Altmark bei. Unser Konzept mit den drei Themensäulen Aktiv-Kultur-Genuss werden wir auch künftig weiter entwickeln.“ Das sagt Mandy Hodum, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Altmark mit Sitz in Tangermünde. Die Zahlen für das erste Halbjahr 2016 von Januar bis Juni scheinen ihr Recht zu geben.

Sattes Plus bei Übernachtungen

Zwar verzeichnet der Altmarkkreis im Juni bei den Ankünften (11.533) gegenüber dem Vorjahresmonat ein Minus von 6,8 Prozent, allerdings stieg die Zahl der Übernachtungen um satte acht Prozent auf 39.679. Die Aufenthaltsdauer in Beherbergungsbetrieben und auf den Campingplätzen lag im Juni bei 3,4 Tagen.

Anders sieht es im Nachbarlandkreis Stendal aus. Dort sind im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat die Ankünfte um mehr als 16 Prozent auf 16.133 gesunken. Einbußen musste diese Touristikregion auch bei den Übernachtungen hinnehmen. Dort standen 30.328 zu Buche, 13,2 Prozent weniger im Vergleich zu 2015.

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Weniger Ankünfte (42.057), dafür aber deutlich mehr Übernachtungen (151.429) – das entspricht einem Plus von drei Prozent – kennzeichnen im Altmarkkreis den Zeitraum von Januar bis Juni 2016. Durchschnittlich 3,6 Tage bleiben die Urlauber im Altmarkkreis.

Kleinere Brötchen dagegen muss der Landkreis Stendal backen. Im ersten Halbjahr zählten die Touristiker 62.052 Ankünfte – 5,3 Prozent weniger gegenüber dem Vorjahr. Um 3,9 Prozent sanken die Übernachtungen (118.046). Und die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liegt mit 1,9 Tagen deutlich unter dem Wert des Altmarkkreises.

Insgesamt ist Mandy Hodum mit der bisherigen Bilanz zufrieden, denn die Altmark bleibe auch nach dem Gästeboom durch die Bundesgartenschau (BUGA) in der Havelregion bei den Besuchern beliebt. Nachdem die Ferienregion 2015 mit rund 630.000 Übernachtungen ein Rekordergebnis verbuchte, setze sich die hervorragende Entwicklung in diesem Jahr fort. So sei in den ersten drei Monaten 2016 an Anstieg der Übernachtungszahlen von 12,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum verzeichnet worden. „Das ist erneut der Spitzenwert in Sachsen-Anhalt“, sagt Hodum nicht ohne Stolz.

Rückgang nicht verwunderlich

„Es ist eine große Überraschung und Freude, dass auch nach der BUGA das Interesse an der Tourismusregion Altmark fast gleich geblieben ist.“ Der Rückgang bei den Ankünften um vier Prozent sei für das Nach-BUGA-Jahr nicht verwunderlich. „Wenn man die Übernachtungszahlen den Ankünften gegenüberstellt, zeigt sich aber, dass die Gäste ihre Aufenthaltsdauer verlängert haben, was für eine nachhaltig wachsende Tourismusregion eine sehr gute Entwicklung darstellt“, meint die Geschäftsführerin.

Deutlicher ist das Minus beim Tourismusverband Havelland. Von Januar bis Juni wurden 167.666 Gäste gezählt – das sind 8,8 Prozent weniger als 2015. Auch bei den Übernachtungen (441.880) sieht es im Jahr nach der BUGA nicht besser aus. „Das entspricht einem Minus von acht Prozent“, sagt Carina Sanders auf Anfrage der Volksstimme.

Laut einer Studie habe sich der Altmark-Tourismus zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. Zudem sei die Branche ein wichtiger Arbeitgeber. Durch touristische Umsätze in der Altmark könnten rein rechnerisch 5.000 Menschen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Zwar sei die Altmark die kleinste der fünf Reiseregionen in Sachsen-Anhalt, aber eine überdurchschnittlich dynamische. „Der Positivtrend ist – mit Ausnahme des Flutjahres 2013 – seit vielen Jahren ungebrochen“, heißt es in der Studie der Münchner dwif-Consulting GmbH.

Jeder Übernachtungsgast in der Altmark gibt durchschnittlich 83,50 Euro pro Tag aus. „Das ist ausbaufähig“, sagt Mandy Hodum. Sie wolle in Zukunft weiter darauf setzen, die Vielzahl und die Qualität der Angebote und die Gästezufriedenheit zu verbessern. Ein wichtiges Element sei dabei die Klassifizierung von Hotels, aber auch von Ferienwohnungen, Ferienhäusern und Privatzimmern.

Wirtschaftsfaktor und Arbeitsplatzgarant

Aber Mandy Hodum hat auch einen kritischen Ansatz. Denn trotz aller Erfolge und Anstrengungen habe der Altmarktourismus noch nicht überall den Stellenwert, den er verdient, meint die Verbandschefin. In vielen Kommunen werde die Bedeutung des Tourismus als freiwillige Aufgabe weiterhin unterschätzt. Nur mit fachlich versierten Mitarbeitern und einem funktionierenden Netzwerk könne es aber gelingen, im Konkurrenzkampf der Branche mitzuhalten und Maßstäbe zu setzen. Damit könne sich der Tourismus als Wirtschaftsfaktor und Arbeitsplatzgarant in der Altmark erfolgreich entwickeln.

Gleichgültig, ob Gastgewerbe, Einzelhandel, Dienstleister oder Zulieferer wie regionale Produzenten und Handwerksbetriebe: Laut Studie gibt es kaum einen Wirtschaftsbereich, der nicht vom Tourismus profitiert. Rund 83,5 Millionen Euro des touristischen Gesamtumsatzes in der Altmark entfallen direkt auf das Gastgewerbe. Mit 64,1 Millionen Euro bekommen aber auch der Einzelhandel und mit 36,1 Millionen Euro das Dienstleistungsgewerbe ein großes Stück vom Umsatzkuchen ab.