Salzwedel l Die Liebe zum heimischen Bier und das Interesse an der Geschichte der Bergschlossbrauerei ist Enrico Dannies schon in die Wiege gelegt worden. Immerhin war bereits sein Vater Ingo 15 Jahre lang in der Bergschlossbrauerei tätig und fühlte sich der Firma sehr verbunden. Klar, dass der bekennende Perveraner sich schon seit zehn Jahren mit dem Wunsch trägt, endlich wieder ein heimisches Bier für Salzwedel zu brauen.

Ein Vorbild hat der Westaltmärker dabei auch: den Stendaler Taubentanz. Zudem gibt es gute Kontakte nach Tangermünde zu Schultze‘s Brauerei.„Und die Kollegen hatten einige gute Tipps für mich“, freut sich Dannies. „Konkurrenzdenken liegt uns allen fern. Unser gemeinsames Ziel ist vielmehr eine lebendige Brauszene in der ganzen Altmark.“ So legte er motiviert los.

Steiniger Weg

Doch trotz fachlicher Unterstützung und der Familientradition erwies sich der Weg zum eigenen Bier dann doch als durchaus schwierig. Da war zunächst die Namenswahl. Enrico Dannies wollte sich natürlich gern die Namensrechte einer heimischen Traditionsmarke sichern. Doch dafür musste er zunächst den Besitz einer professionellen Brauanlage nachweisen.

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Für den Erwerb der Markenrechte am „Soltmann“-Bier kam der Kauf der geforderten Anlage dann aber leider letztlich zu spät. Ein anderer Interessent war schneller.

Dafür sicherte sich Dannies aber nun den Markennamen „Bergschloss“ – samt Logo und Schriftzug. Seit dem 15. Juni 2018 hat er damit offiziell das Recht Bergschloss-Bier zu brauen.

Doch dann kam die Frage: Was macht ein Bergschloss-Bier eigentlich aus? „Eine spezielle Rezeptur gibt es nicht“, weiß Dannies nach Recherche. Die Zutaten gibt das deutsche Reinheitsgebot zwar vor: Hopfen, Malz, Wasser, Hefe. Doch in welchen Verhältnis sollten sie stehen? Welche Note soll das Bier haben? Da half am Ende nur zu probieren, und jeden Versuch sorgsam zu protokollieren. Und natürlich zu kosten ...

Öffentliche Verkostung

Am Ende haben sich die Mühen gelohnt. Nach etlichen Versuchen konnte Dannies vor einigen Tagen die erste größere Menge Bergschloss-Bier abfüllen. Rund 200 Flaschen sind es geworden. Gedacht sind sie zunächst für Freunde, Bierliebhaber und Gastronomen.

Von letzterem Personenkreis verspricht sich Dannies, der in seiner One-Man-Brauerei alle Jobs vom Braumeister bis zum Flaschenwäscher und Vertriebsleiter selber ausübt, nun Tipps zur weiteren Verbesserung und Entwicklung seines Gerstensaftes, bevor er in größerer Menge hergestellt wird. Erst dann soll die Öffentlichkeit in den Genuss des nach langer Zeit ersten Salzwedeler Bergschloss-Bieres kommen.

Doch wann wird das sein? Die öffentliche Vorstellung des ersten Bergschloss-Bieres sollte es ursprünglich zum Salzwedeler Hansefest geben, verrät der Brauer. Da dieses aber aufgrund der Corona-Krise leider abgesagt werden musste, liegt die Hoffnung des Hobby-Brauers nunmehr auf dem Tag des offenen Denkmals.

Am 12. und 13. September will Enrico Dannies in das von ihm erworbene Wandesche Eck in die Altperverstraße einladen und Führungen mit Bierverkostung durch die einstige Brauerei und Brennerei anbieten. Gegen eine Spende für einen guten Zweck kann das Bergschloss-Bier auch mit nach Hause genommen werden – und wenn alles gut geht, sogar in Flaschen, die aussehen wie die Originale aus DDR-Zeiten.