Salzwedel l „Es ist ganz einfach“, sagt Cathleen Hoffmann vom Bündnis/90 Die Grünen und zückt ihr Handy. Sie steht auf dem Innenhof des Hanseats und eines Bioladens in Salzwedel, wenige Meter weiter parkt ein schwarzer Volkswagen. Nach wenigen Klicks auf dem Smartphone leuchten die Blinker des Autos auf. Nun ist das Fahrzeug fahrbereit. „Und das kann jeder nutzen“, sagt sie.

Schon um das Jahr 1990 entstanden in Deutschland die ersten Carsharing-Projekte. Carsharing, zu deutsch Auto-Teilen oder besser Gemeinschaftswagen, erinnert etwas an Mietwagen, unterscheidet sich von diesen jedoch grundlegend. Denn entgegen gängiger Mietwagenpraxis großer Unternehmen, können die Gemeinschaftswagen auch in einem sehr kurzen Zeitraum gebucht werden. Als Beispiel für die Fahrt zum Baumarkt. Gerade in Metropolregionen, in denen häufig ein breites öffentliches Verkehrsnetz aus Bus, U- und S-Bahn besteht, ist ein eigenes Auto für viele nicht nötig. Und sollte doch eines benötigt werden, bilden Carsharing-Modelle eine Alternative.

Mobiltät auf dem Land

Mit Blick auf den Klimaschutz und vor allem der Mobilität auf dem Land ist ein solches Projekt am 1. Januar 2019 mit der Samtgmeinde Lüchow und dem Verein „Carsharing im Wendland“ entstanden. Heute stehen bereits Autos in weiten Teilen des Nachbarkreises, unter anderem in Lüchow, Hitzacker und Wustrow. Und seit dieser Woche auch im Altmarkkreis, in Salzwedel.

Die Autos selbst, die zu diesem Zweck genutzt werden können, werden von Dritten gestellt. „Das sind Menschen, die vielleicht einen ungenutzten Zweit- oder Drittwagen haben“, erzählt Cathleen Hoffmann weiter. Die laufenden Kosten wie Hauptuntersuchung, Steuern und Versicherung würden vom Verein getragen werden. Obendrein bekomme der Fahrzeughalter 30 Prozent der Einnahmen mit dem Auto. „Ein Auto kostet 1 Euro die Stunde und 35 Cent pro Kilometer.“ Theoretisch könne auch ein Verein ein solches Fahrzeug nutzen und die Mitglieder als Fahrer registrieren. Die Möglichkeiten seien vielfältig.

Weitere Autos benötigt

Damit das Angebot auch im Altmarkkreis weiter wächst, würden weitere Autos benötigt, so Hoffmann. In Salzwedel habe sich die Avacon angeboten, einen Standort auf ihrem Parkplatz am Bahnhof in der Hansestadt bereitzustellen.

Wer sich für dieses Angebot interessiert, kann sich auf der Internetseite https://www.carsharingimwendland.de/ belesen und auch registrieren lassen. Dort wird das Projekt erläutert und unter der Rubrik Standorte gezeigt, wo sich derzeit Carsharing-Fahrzeuge befinden. Um das Angebot zu nutzen, müssen potenzielle Nutzer Mitglied werden. Eine Mitgliedschaft kostet 5 Euro im Monat und berechtigt die Fahrer zur Nutzung aller Fahrzeuge des Carsharing-Vereins.

Öffnen mit der App

Wer einmal registriert ist, kann das gewünschte Auto mit seinem Smartphone freischalten. Dazu wird die App „mobilityHQ“ benötigt. Diese ist sowohl im App-Store von Apple als auch im Playstore für Android-Geräte kostenlos zu bekommen. Dann heißt es nur noch, die gewünschte Zeit einzugeben und schon öffnen sich die Türen des Autos. Eine kleine Box auf dem Armaturenbrett gibt dann den Schlüssel zum Fahrzeug frei.

Den schwarzen VW in Salzwedel stellt Dana Howald zur Verfügung. Sie brauche das Auto nur zweimal im Monat. Dafür kann sie es weiter nutzen. Das werde vorab in einem Vertrag vereinbart und sei auch für jeden anderen, der ein Auto stellt, möglich. In Lüchow hat übrigens die Verwaltung der Samtgemeinde das Fahrzeug gestellt. Vielleicht auch ein Weg für andere Städte.