Salzwedel l Schon seit Längerem wollen Cathleen Hoffmann von Bündnis 90/Die Grünen und Felix Neumann Carsharing in Salzwedel etablieren. Doch die Firma, die sie dafür im Visier hatten, zeigte nur begrenztes Engagement bei der Umsetzung. „Und dabei war ich schon sehr geduldig“, sagte Cathleen Hoffmann. Dann wurde sie auf eine nicht kommerzielle Initiative ganz in der Nähe aufmerksam.

Im Nachbarlandkreis Lüchow-Dannenberg gibt es einen Verein, der das Projekt „Dörfliches Carsharing im Wendland“ erfolgreich in die Tat umgesetzt hat. Anderthalb Jahre mit Unterstützung der Kommune und Fördergeld aus einem Bundesprogramm, inzwischen eigenständig mit sieben Autos und zahlreichen Mitgliedern.

Vertrag unterzeichnet

Vor ein paar Tagen haben die Salzwedeler einen Vertrag mit den Wendländern unterzeichnet. „Der Standort Salzwedel passt super, weil wir hier ja auch den Bahnhof haben“, schätzt Cathleen Hoffmann ein. Gestartet wird mit einem Auto, einen kostenlosen Stellplatz stellt Felix Neumann an seinem Bioladen an der Chüdenstraße zur Verfügung.

Ein Wagen ist auch bereits gefunden. Die Firma Howald gibt einen Caddy für das Carsharing ab. Ein Prinzip, das der Verein verfolgt, ist, dass Autos, die ihre Besitzer kaum oder gar nicht nutzen, für die Allgemeinheit eingesetzt werden. Dabei übernimmt der Verein alle Kosten wie Versicherungen, Steuern, TÜV oder Reparaturen für das Fahrzeug und der Eigentümer erhält ein Drittel der Einnahmen aus dem Carsharing. Dabei darf er wählen, wann er sein Auto selbst nutzen möchte, so beispielsweise immer freitags von 8 bis 18 Uhr. Dann wird es in dieser Zeit nicht an andere vermietet.

Nutzung mit Handy-App

Der Verein bietet an, für fünf Euro im Monat Mitglied zu werden. Dann sind die Gebühren, die für die Nutzung anfallen, geringer, als bei Gastnutzern. Bei Familien, Unternehmen oder Vereinen sinkt der Mitgliedsbeitrag bei mehreren Nutzern. Unterschieden wird nach Kilometer- und Zeittarif. Als ein Beispiel gibt der Verein an, dass eine insgesamt 18 Kilometerfahrt bei anderthalb Stunden Nutzung 7,80 Euro kosten würde. Um mit den Autos auf Tour gehen zu können, ist eine Handy-App erforderlich, mit der eine Schlüsselbox geöffnet werden kann.

Die Grünen-Politikerin sieht neben dem Aspekt des Klimaschutzes auch Potenzial für den Tourismus in dem neuen Angebot. „Es hat einen großen Mehrwert für unsere Stadt“, sagt sie. Sie freue sich sehr, dass es geklappt hat, diese moderne Form des Autofahrens nach Salzwedel zu holen. Selbst könne sie sich vorstellen, das Carsharing für Fahrten zu auswärtigen Sitzungen des Stadtrates, Kreistages oder auch dienstlich zu nutzen, wenn beispielsweise zu bestimmten Zeiten oder auf Strecken das Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) eingeschränkt ist. Angesprochen seien ausdrücklich auch Firmen, darauf zurückzugreifen.

Was sie ebenfalls bemerkenswert findet: „Dass sich ein zunächst kommunales Projekt der Stadtverwaltung Lüchow erfolgreich über einen Verein verstetigt hat.“ Sicher gebe es auch in der Hansestadt Leute, die sich kein eigenes Auto anschaffen können oder wollen und wiederum andere, die eins haben, aber nur selten damit unterwegs sind. So könne das Carsharing Kosten sparen und die Umwelt schonen.