Arendsee l Die Welt ist im Jugendwahn, heißt es. Doch in dieser Beziehung stand am Sonnabend in Arendsee die Welt auf dem Kopf. Denn dort war es ein Treffen der Schönen und Alten. Zumindest was die Kraftfahrzeuge anging. Denn am Sonnabend war es Zeit für die 7. Altmark Classic Rallye.

Der Tourismusverein Arendsee und Umgebung, unter der Federführung von Gebhard Wolf, hatte eingeladen. Und wieder waren sie, aus vielen Teilen der Republik nach Arendsee gekommen. Vom Arendseer Marktplatz ging es zunächst nach Döbbelin im Landkreis Stendal, dann nach Kalbe und über Kläden wieder zurück in die Seestadt.

Angereist war auch das sächsische Ehepaar Kerstin und Steffen Melzer aus Dresden mit ihrem BMW Cabrio, Baujahr 1934. Die Dresdner hatten den Oldie 2010 erworben und wollten etwas mehr über dessen Vergangenheit in Erfahrung bringen und recherchierten in Richtung der Vorbesitzer. Wie sie den Unterlagen zu dem Wagen entnehmen konnten, wurde das Automobil 1934 in München verkauft. Das dortige Autohaus wechselte in den Jahrzehnten zwar die Marke, ist aber nach wie vor noch in den Händen der Familie, dem es bereits 1934 gehörte.

Altmark-Classic-Rallye 2018

Arendsee (ds) l Die 7. Ausgabe der Altmark-Classic-Rallye führte von Arendsee aus wieder quer durch die Altmark. 90 historische Fahrzeuge waren unterwegs.

  • Kurz vor dem Start. Foto: Oliver Becker

    Kurz vor dem Start. Foto: Oliver Becker

  • Bei offenem Verdeck ist ein Sonnenschirm sinnvoll. Foto: Oliver Becker

    Bei offenem Verdeck ist ein Sonnenschirm sinnvoll. Foto: Oliver Becker

  • Die karierte Fahne darf natürlich nicht fehlen. Foto: Oliver Becker.

    Die karierte Fahne darf natürlich nicht fehlen. Foto: Oliver Becker.

  • Amerikanische Autos waren auch am Start. Foto: Oliver Becker

    Amerikanische Autos waren auch am Start. Foto: Oliver Becker

  • Ein bisschen Militär-Nostalgie. Foto: Oliver Becker

    Ein bisschen Militär-Nostalgie. Foto: Oliver Becker

  • Schöner geht es fast nicht. Foto: Oliver Becker

    Schöner geht es fast nicht. Foto: Oliver Becker

  • Sportlich kam dieses Gefährt einher. Foto: Oliver Becler

    Sportlich kam dieses Gefährt einher. Foto: Oliver Becler

  • Stilechter geht es nicht: Foto: Oliver Becker

    Stilechter geht es nicht: Foto: Oliver Becker

  • Volle Pferdestärken voraus. Foto: Oliver Becker

    Volle Pferdestärken voraus. Foto: Oliver Becker

  • Mopeds durften natürlich nicht fehlen. Foto: Oliver Becker

    Mopeds durften natürlich nicht fehlen. Foto: Oliver Becker

  • Eine amerikanische Schönheit. Foto: Oliver Becker

    Eine amerikanische Schönheit. Foto: Oliver Becker

  • Im Buggy macht die Rallye auch Spaß. Foto: Oliver Becker

    Im Buggy macht die Rallye auch Spaß. Foto: Oliver Becker

Auto erst zerlegt, dann eingemauert

Der bayrische Besitzer verkaufte das Fahrzeug 1939 an den Berliner Gastronomen Oskar Uhlmann. Dieser wiederum zerlegte das schöne Stück kurze Zeit darauf, damit es nicht für den Krieg zweckentfremdet wurde. Er lagerte es in einer Garage ein, die er zudem noch zumauern ließ. Irgendwann wurde das Fahrzeug aus seinem Verließ befreit, bot aber bedingt durch den langen Zeitraum einen eher traurigen Anblick.

Uhlmanns Enkelin Claudia Busse war inzwischen Eigentümerin des Automobils und ihr damaliger Ehemann hatte damit begonnen, den Oldtimer wieder aufzubauen. Doch nach der Scheidung fand Claudia Busse für den Wagen keine Verwendung mehr. Sie verkaufte das Automobil 2008 an einen Oldtimerhändler. 2010 traten dann die Melzers in das Leben des automobilen Veterans und ließen ihn fachgerecht aufbauen.

Bei ihren Recherchen konnten sie ermitteln, dass die Vorbesitzerin nun im niedersächsischen Oetzen lebt und nahmen Kontakt zu ihr auf. Inzwischen hatte das Automobil seine alte Schönheit wiedererlangt, was auch die Enkelin rührte, als sie es auf Fotos sah. Aus Dank erstellte sie ein Album mit historischen, aber auch sehr familiären Fotos rund um das Fahrzeug und sandte es nach Dresden.

Ein bewegender Moment

Von den Melzers hatte sie erfahren, dass diese an der Classic-Rallye teilnehmen werden und sich kurzerhand mit ihrer Tochter Alina Trapp ins Auto gesetzt und war nach Arendsee gefahren.

„So dicht vor der eigenen Haustür“, sagte sie „das wollte ich mir nicht entgehen lassen. „ Für Claudia Busse war es ein bewegender Moment, das Fahrzeug ihres Großvaters in diesem exzellenten Zustand wiederzusehen.

Aber es waren an dem Tag nicht die einzigen Augen die mit dem Chrom und dem Lack um die Wette glänzten. Es waren auch die Augen der Besitzer, wenn sie ihre Geschichte erzählten und die der zahlreichen Besucher, wenn sie die einzelnen Fahrzeuge der Rallyeteilnehmer begutachteten.

Angemeldet waren ursprünglich 94 Fahrzeuge, informierte Gebhard Wolf vor der Rallye. Bevor es auf die rund 150 Kilometer weite Tour durch die Altmark ging, war auf dem Marktplatz die erste Aufgabe zu bestehen. Hier musste gekegelt werden. Am Schloss in Döbbelin war ein Labyrinth zu absolvieren und eine bestimmte Zangenart musste erraten werden. In Kalbe dann eine Prüfung der willkommeneren Art. Bei fast 30 Grad war dort eine Eissorte zu erschmecken. Und in Kläden mussten die Teilnehmer ein Feuer mit einer Handdruckspritze löschen. Für jede absolvierte Aufgabe gab es Punkte.

Ältestes Fahrzeug ist ein Dodge Brothers

Das Startzeichen zu der mehrstündigen Rundfahrt gab anschließend Jens Reichardt mittels einer Startflagge. Als erstes Fahrzeug ging der Triumph Spitfire, Baujahr 1980, mit Ingrid und Hans-Joachim Subke aus Porritz auf die Rundreise. Ein besonders schöner Blickfang war das älteste Fahrzeug der diesjährigen Rallye. Es war ein Dodge Brothers der Serie 126 aus dem Jahr 1925. Grit und Andreas Pollehn aus Kemnitz hatten ihn erst im März aus einer Auflösung eines privaten Museums in den Niederlanden erworben. Das Automobil birgt einen 3,5 Liter Hubraum fassenden Motor unter der Haube und leistet 35 PS.

Größe einer ganz anderen Art zeigte Frank Friedrichs aus Salzwedel, als er mit seinem Ford Pickup der Serie F350 vorfuhr. Zwei Meter breit, zwei Meter hoch und sechseinhalb Meter lang und zudem eines der meist verkauften Autos der Welt. Etwas enger ging es dagegen im Austin Seven, Baujahr 1930, des Ehepaares Sieglinde und Alfred Klepel zu. Doch, das störte die beiden überhaupt nicht, und so rückten sie zusammen und schützten sich standesgemäß mit einem Sonnenschirm vor der gleißenden Hitze. Flach wie eine Flunder und brummig wie ein hungriger Bär präsentierte sich dagegen der Pontiac „LeMans“ mit seinen acht Zylindern und 5,7 Liter Hubraum des Salzwedelers Jörg-Peter Schmidt. Von dieser Baureihe wurden nur 2860 Stück produziert, informierte er.