Gardelegen l „Ich möchte mit meinen Kindern wieder ohne Angst zusammenkommen können. Deshalb stand für mich gleich fest, dass ich mich impfen lasse“, erzählte Friedrich Drebenstedt aus Jerchel am Dienstag (12. Januar) auf Nachfrage der Volksstimme. Der rüstige 84-Jährige gehörte am Vormittag mit zu den ersten, die einen Termin im Gardelegener Impfzentrum hatten. Das öffnete erstmals seine Türen für die Impfungen der über 80-Jährigen gegen Corona.

Wie Drebenstedt sagte, habe seine Enkeltochter den Termin für ihn über das Internet gebucht, was innerhalb einer Viertelstunde erfolgt sei. Da habe es wohl keine Probleme gegeben. Die gab es auch nicht bei der Anmeldung von Eduard Kämpfer aus Güssefeld, der sich ebenfalls die erste Impfdosis abholen konnte. Für ihn hatte der Sohn den Termin über die Internetplattform vereinbart. Auch für den 82-Jährigen stand außer Frage, dass er sich impfen lässt. „Was soll ich sonst machen? Besser wird es von alleine nicht.“

Terminvergabe schwer zu händeln

Wer für die Terminvereinbarung auf die Hilfe von Kindern und Enkelkindern zurückgreifen kann, ist gut beraten. Denn dass es da Schwierigkeiten gibt, bestätigte auch Yves Müller, der Leiter des Impfzentrums. Kurz vor dem Volksstimme-Gespräch hatte er, wie er berichtete, an einer Videokonferenz mit der Koordinierungsstelle in Magdeburg teilgenommen, um die die Zuständigen der Impfzentren im Land gebeten hatten.

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„Es sind noch viele Sachen zu klären“, so Müller. Und dazu gehöre auch die Terminvergabe, die gerade für die über 80-Jährigen schwer zu händeln sei. Das gelte vor allem für die Hotline 116 117. Das funktioniere nicht immer. Es gebe Zuordnungsschwierigkeiten zu den zuständigen Impfzentren, manche Anrufer würden in einem anderen Teil des Callcenters landen, wo ihnen nicht weiter geholfen werden könne, oder die Verbindung breche ab. Die Probleme seien, so Müller, bekannt. An Lösungen werde gearbeitet. Es sei aber keine Lösung, einfach zum Impfzentrum zu kommen. „Wir können vor Ort keine Termine vereinbaren“, machte er deutlich. Termine gebe es nur übers Internet unter www.impfterminservice.de oder die Hotline 116 117.

Der erste Impftag im Gardelegener Zentrum sei gut angelaufen, schätzte er ein. Es habe für Dienstag und Mittwoch jeweils 60 Anmeldungen gegeben. Dieselbe Anzahl an Terminen werde fortlaufend auch für die folgenden Wochen für diese beiden Tage vergeben. Mehr sei im Moment nicht möglich. „Die geringe Impfstofflieferung bremst uns aus“, machte Müller deutlich.

Unterstützung von Stadt und Bundeswehr

Ansonsten sei man im Impfzentrum selbst materiell und personell gut aufgestellt, so dass mehr Termine möglich wären. Es gebe große Unterstützung von Seiten der Stadt und von der Bundeswehr, von der acht Soldaten vor Ort seien. Sie sollen auch bei administrativen Aufgaben helfen. Denn während die eigentliche Impfung „vom Vorgang her ein Klax ist“, so Müller, würden die Aufklärung der Impfwilligen, die Anamnese, also die Erfragung von medizinisch relevanten Infos, sowie die Dokumentation der Impfung Zeit brauchen.

Auf die gelieferte Menge an Impfstoff habe man vor Ort keinen Einfluss, machte Müller deutlich. Die Impfdosen würden jedem Landkreis prozentual nach der Einwohnerzahl zugewiesen. Für den Altmarkkreis bedeutet das 975 Impfdosen in der Woche für die erste und die zweite Impfung. Mit dieser wird laut Müller am 18. Januar begonnen. Das sind dann 21 Tage nach der ersten Impfung am 28. Dezember. Geimpft wird in den Pflegeeinrichtungen in der gleichen Reihenfolge wie beim ersten Mal. Sieben Tage nach der zweiten Impfung ist der volle Impfschutz gegeben. Die Dosen für die zweite Impfung werden nach der Lieferung im Tiefkühler eingelagert. Man hoffe darauf, dass der zweite Impfstoff bald verteilt werde.

Impfstrategien weiterentwickeln

War die Impfbereitschaft anfänglich noch zögerlich, „so hat sie gefühlt stündlich zugenommen“, schätzte Müller ein. Wenn es, nannte er ein Beispiel, 50 Anmeldungen aus einer Pflegeeinrichtung gab, kam eine Stunde vor dem Termin die Info, dass es nun 75 seien. Am Ende des Vor-Ort-Termins waren dann 100 Personen geimpft.

Ziel sei es, dass jeder geimpft werde, der impfwillig sei, so der Leiter des Impfzentrums. Aus diesem Grund arbeite der Pandemiestab des Altmarkkreises intensiv an der Weiterentwicklung seiner Impfstrategie, um noch mehr Menschen erreichen zu können – auch diejenigen, die nicht mobil seien. So werde derzeit eine Außenstelle des Gardelegener Impfzentrums in Salzwedel eingerichtet, in dem ein mobiles Impfteam tätig sein werde. Und auch die über 80-Jährigen, die zu Hause gepflegt würden, sollen, sobald das Impfen in den Einrichtungen erfolgt sei, ihre Impfung bekommen. Dafür gebe es mehrere Ideen für die mobilen Impfteams und die Hinzuziehung der Pflegedienste.