Salzwedel l Kaum Gäste, kaum Geld in der Kasse. Die Hotel-Branche leidet unter der Pandemie. Mit dem Beherbergungsverbot von Menschen aus Risikogebieten spitzt sich die Lage von Hotelbetreibern in der Region weiter zu.

80 Prozent Einbruch

Seit April 2020 sei der Umsatz in den Hotels Katharinenhöfchen und Königsbrücke in Salzwedel massiv zurückgegangen. „Um 80 Prozent“, rechnet Hotelier Roland Stoltenberg vor. Das Beherbergungsverbot verschlimmere die Situation weiter. Erschwerend komme hinzu, dass manche Stadtteile in Berlin zum Risikogebiet gehören, andere wiederum nicht. „Wenn sich ein Gast meldet und den Straßennamen sagt, weiß ich ja noch nicht, ob das in Spandau oder Pankow liegt.“ Dann seien Recherchen erforderlich. Denn während beispielsweise im Stadtteil Neukölln die Zahlen nach oben schnellen, halten sie sich in Marzahn noch stabil auf einem weitaus niedrigeren Wert.

Von 30 bis 50 Prozent Rückgang bei den Gästen seit Ausbruch der Corona-Pandemie spricht Norbert Schilling, Chef des Hotels An der Warthe vor den Stadttoren Salzwedels. „Das trifft uns alle in der Branche“, sagt er, „aber wir müssen ja irgendwie damit Leben.“

Bilder

In seinem Hotel seien vorwiegend Montagearbeiter untergebracht. Diese kämen immer aus den gleichen Regionen und nun eben mit einem negativen Corona-Test. „Ich hoffe, dass die ganze Sache bald aufhört“, sagt er mit Blick auf die Einschränkungen in seiner Branche.

Vielen Gästen abgesagt

Touristen würden ohnehin selten im Hotel Union einkehren, sagt dessen Hotelleiter, der namentlich nicht genannt werden möchte. Vielmehr seien es Geschäftsleute, die untergebracht werden. „Aufgrund dessen, dass wir Wirtschaftsreisende haben, trifft uns das alles vielleicht nicht ganz so hart, wie manchen Kollegen.“ Trotzdem: Es könne besser sein, so Unions Hottelleiter.

Ganz anders steht es um den Tourismus im Deutschen Haus in Arendsee. Inhaber Burghard Bannier musste am Wochenende 15 Gästen aus Berlin absagen. Weitere aus dem Ruhrgebiet haben sich gemeldet und ihre geplanten Übernachtungen storniert. Sie alle wollten ein Theaterdinner erleben und einen entspannten Aufenthalt am Areendsee genießen. Die Gage für die Theatercrew muss der Hotelinhaber nun trotzdem zahlen. Für ihn ist das Beherbergungsverbot nicht nachvollziehbar. „Die Hotelerie ist ja keineswegs Auslöser von Neuinfektionen“, sagt er. Es handele sich um eine schwerwiegende Krankheit und er tue alles, um seine Gäste davor zu schützen, aber Hotels seien keine Hotspots.

Gewollt, aber nicht gekonnt

Was für ihn auch widersinnig ist: Er muss beispielsweise einem Gast aus Köln absagen, aber ein Pharmavertreter, der nur unweit entfernt wohnt, darf anreisen, weil er beruflich unterwegs ist. „Das ist doch totaler Schwachsinn. Gewollt, aber nicht gekonnt“, befindet er. Die Hoteliers würden „ins Feuer geschickt, um ein Problem zu lösen, mit dem Politik und Behörden nicht fertig werden“. So findet er es schlimm, dass immer montags niedrige Infektionszahlen verkündet werden, die dann in der weiteren Woche nach oben schnellen. „Weil die Gesundheitsämter genau wie die Ordnungsämter am Wochenende nicht arbeiten. Das kann doch in dieser Situation nicht sein“, sagt er verärgert.

Manfred Hippeli, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststätten-Verbandes (Dehoga) Stendal, spricht ein weiteres Problem an, mit dem sich die Hoteliers konfrontiert sehen. Sie müssen kontrollieren, woher ihre Gäste kommen und ob es sich um ein Risikogebiet innerhalb Deutschlands handelt. Fakten, die sich tagtäglich ändern könnten. Eine Ungerechtigkeit, wie er findet. Immerhin müssten in Gaststätten keine Kontaktdaten mehr aufgenommen werden. Das sei eine Erleichterung. Auch er sei strikt gegen das Beherbergungsverbot. Hoffnung setzt er deshalb auf die Klage eines Vermieters von Ferienwohnungen aus Naumburg. Entgegen anderen Ländern hält Sachsen-Anhalt am Verbot fest.