Salzwedel l Wie bestellt und nicht abgeholt, so stand er da. Zwei Wochen parkte kürzlich ein herrenloser Einkaufswagen neben dem Kunsthaus an der Neuperverstraße in Salzwedel. Im Laufe der Zeit füllte er sich mit Müll. Dann lag er ein paar Meter weiter im Dreck. Die Volksstimme informierte schließlich den Eigentümer. Große Freude beim Salzwedeler Kaufland-Markt. „Wir werden ihn sofort abholen“, versicherte der zuständige Mitarbeiter. Klar: Die Wagen kosten schließlich eine Menge Geld.

Kunden sollen mit einem Einkaufswagen ihre gekauften Waren besser transportieren können. Im Geschäft und auch auf dem Weg von der Kasse zum Auto. Danach muss der Wagen aber wieder zurückgestellt werden. So mancher Kunde hält sich daran aber nicht. Einkaufswagen abseits der Geschäfte sind auch in Salzwedel kein seltenes Stadtbild.

Technische Hilfsmittel

Aber was tun die Handelsketten, um Diebstähle zu verhindern? Die Volksstimme fragte nach. Das Ergebnis: viele Unternehmen nutzen bereits technische Möglichkeiten, um den Diebstahl zu verhindern, allerdings eher in größeren Städten.

„Die Anschaffungskosten für Einkaufswagen sind sehr hoch und wir möchten diese unseren Kunden gerne in ausreichender Menge zur Verfügung stellen“, teilt zum Beispiel Aldi-Unternehmenssprecher Axel vom Schemm der Volksstimme mit. Ein größerer Umfang von Diebstählen sei für das Unternehmen zwar generell nicht zu verzeichnen. Dennoch setzt man beim Discounter seit geraumer Zeit präventiv auf verschiedene Sicherungssysteme. Diese seien aber nicht flächendeckend im Einsatz. Somit auch nicht bei beiden Aldi-Filialen in Salzwedel.

Wegfahrsperre für Einkaufswagen

Auch nicht in Salzwedel, aber an einigen deutschen Standorten von Lidl kommen ebenfalls technische Vorkehrungen zum Einsatz. Sonja Kling von der Pressestelle der Supermarktkette sagt gegenüber der Volksstimme: „Um zu verhindern, dass Einkaufswagen von unseren Grundstücken gefahren werden, setzen wir an vereinzelten Filialen eine Einkaufswagensperre ein. Bei dieser technischen Lösung blockiert eine Magnet- oder Induktionsschleife beim Verlassen eines festgelegten Bereichs die Räder an den Einkaufswagen.“

Ähnlich hält es Kaufland. „An einzelnen Standorten haben wir ein elektronisches Blockiersystem im Einsatz. Dieses verhindert, dass die Einkaufswagen von unserem Gelände entfernt werden können“, erklärt Anna Münzing aus der Unternehmenskommunikation. Hier sieht man bei der Entwendung der Wagen nämlich nicht nur einen Diebstahl, sondern auch eine Gefahrenquelle, wenn diese stehengelassen werden. Erste Erfolge habe man schon feststellen können. „Dadurch hat sich die Situation mit den verschwundenen Einkaufswagen deutlich verbessert“, betont Münzing.“ In der Regel benötigen Kunden für die Wagennutzung einen Euro. Nach ihrem Einkauf beim Zurückstellen bekommen sie diesen wieder. Für Händler ist die Anschaffung eines solchen Pfandsystems ein großer Kostenfaktor. „Wir verzichten darauf aber auch aus Gründen der Kundenfreundlichkeit“, sagt Salzwedels Edeka-Marktleiterin Daniela Felter. Die Zahl der Wagen, die vom Marktgelände mitgenommen werden, ist allerdings auch erheblich. Immer wieder müssen diese zurückgeholt werden. „Einmal sogar aus einen Graben in der Nähe.“ Froh ist Felter deshalb über die Mithilfe aufmerksamer Kunden. „Viele rufen uns an, wenn sie einen Wagen gefunden haben. Manche stellen sie sogar bei sich zu Hause sicher, sodass wir sie da abholen können.“ Immerhin koste so ein Wagen rund 400 Euro, beziffert die Marktleiterin.

Manchmal erlaubt

Auch im Salzwedeler Kauflandmarkt freut man sich, wenn Kunden den Standort von mitgenommenen Wagen melden. Im Gegenzug – allerdings auch nur in Ausnahmefällen – bekämen Kunden, wenn sie nachfragen auch schon mal die Erlaubnis, den Wagen zum Ausladen mitzunehmen. In allen anderen Fällen ist eine solche Mitnahme nämlich tatsächlich kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat. Und die wird, wenn der Täter ermittelt werden kann, deutlich teurer als der Pfand von einem Euro.