Diesdorf/Hohenböddenstedt l „Ich habe schon lange darauf hingewiesen, dass die Scheune kurz vorm Einsturz steht. Jetzt ist es passiert“, sagte der Hohenböddenstedter Jürgen Neuling am Mittwochabend während der Sitzung des Diesdorfer Bauausschusses im Rathaus. Er wolle nun wissen, wie es von der Gemeinde aus bezüglich der Räumung gesehen werde.

„Wir haben von einer Abrissfirma einen Kostenvoranschlag eingefordert. Da stehen unterm Strich 18 000 Euro mit Steuern“, antwortete Ausschussvorsitzender Daniel Rieck. Etwa ein Drittel des Gebäudes würde noch stehen. Der übrige Teil sei zusammengefallen. Asbest, Stroh und Holz müssten beräumt werden. Ob der Auftrag vergeben wird, blieb während der Sitzung unbeantwortet.

Gespräche laufen seit drei Jahren

Zumal sich auf dem Grundstück, das der Gemeinde von der Treuhand übertragen worden sei, mit einem Wohnhaus und einem Stallgebäude weitere Objekte befinden, die „in einem desaströsen Zustand sind“, wie Daniel Rieck sagte. Das Wertgutachten, das erstellt werden sollte, habe bis Mittwoch leider noch nicht vorgelegen, bedauerte er.

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Seit etwa drei Jahre gibt es Gespräche zwischen der Gemeinde und Jürgen Neuling, der die Hofstelle gepachtet hat. „Warum hat ein Verkauf noch nicht stattgefunden, wenn schon so lange darüber geredet wird“, fragte Ausschussmitglied Harald Peggau. Er habe, so antwortete der Hohenböddenstedter, schon vor längerer Zeit festgestellt, dass die Scheune instabil sei. Deshalb habe er Abstand vom Kauf genommen.

Der Abriss werde wohl teurer sein als die Fläche wert sei, warf Daniel Rieck ein. Deshalbkönne er sich durchaus mit anfreunden, das Grundstück an Jürgen Neuling zu veräußern, zumal dieser signalisiert habe, bei der Beräumung zu helfen.

Riesen-Loch befürchtet

Bürgermeister Fritz Kloß warf ein, dass nach dem Abriss der Gebäude ein Riesen-Loch in Hohenböddenstedt entstehe. Sein Vorschlag: Als Gemeinde die Scheune beräumen lassen, im nächsten Jahr das Wohnhaus, dann alles blank machen und zur Wohnbebauung anbieten. „Dann wäre der Dorfkern wieder geschlossen“, merkte er an. Drei mit Wasser und Strom erschlossene Grundstücke könnten angeboten werden. Dann wären die Kosten für die Beräumung wohl wieder reinzukriegen. „Hohenböddenstedt ist wohl nicht so lukrativ für Bauwillige. Die Möglichkeit, hier Leute hinzukriegen, sehe ich als sehr schwierig an“, machte Daniel Rieck deutlich. Man müsse abwägen, ob das Grundstück dem Nachbarn, der es haben möchte, zugesprochen werde oder die Gemeinde damit spekuliere, dass dort mal einer bauen würde. „Wir suchen aber ständig nach Bauflächen. Dann hätten wir es in der Hand, was anzubieten. Und so weit ist der Weg nach Diesdorf auch nicht“, sagte Fritz Kloß. Der Bauausschussvorsitzende verwies darauf, dass es kaum Bauanträge für die kleineren Ortsteile gebe und bekräftigte noch einmal, dass er „Hohenböddenstedt nicht als begehrtes Baugebiet“ sehe. Ausschussmitglied Sabine Allnoch sprach sich fürs Behalten des Grundstückes aus. „Jeder Ort ist schön. Die, die hier leben, fahren mit dem Auto zur Arbeit und können unterwegs einkaufen“, sagte sie und fragte die Ausschussmitglieder: „Wollt Ihr 18 Ortsteile platt machen und Diesdorf erweitern, weil alle nur dort bauen wollen?“ Die kleineren Ortsteile dürften ihrer Meinung nach nicht aussterben, auch wenn dort Häuser leer stehen würden. „Wenn wir den Versuch nicht wagen, dann wissen wir auch nicht, ob es vielleicht doch Leute gibt, die dort bauen wollen“, erklärte Fritz Kloß.

Daniel Rieck beendete die Diskussion und schlug vor, weitere Angebote zum Abriss abzuwarten und das Thema erst einmal zu vertagen. „Vielleicht können wir uns dann auch vor Ort treffen, damit jeder ein Bild davon hat“, schlug Ausschussmitglied Florian Fischbeck vor. Der Vorsitzende unterstützte die Idee.