Salzwedel l Es war noch stockdunkel draußen, als eine Erzieherin am Montagmorgen gegen 6 Uhr die Tür zur städtischen Kindertagesstätte „Spatzennest“ aufschloss. Das Gebäude, in dem tagsüber mehr als 50 Kinder durch die Räume toben, liegt etwas am Rande des Pervers, direkt gegenüber der Werkseinfahrt der Firma Deba. „Als sie drin war, hat meine Kollegin gesehen, dass einige Schränke offen stehen“, berichtet Kita-Leiterin Bianka Bastian im Gespräch mit der Volksstimme. Irgendetwas stimmte also nicht.

Was da nicht passte, das fand die Erzieherin an diesem Morgen schnell heraus. Einbrecher stiegen am vergangenen Wochenende (Volksstimme berichtete) in die Kindertagesstätte ein. Dazu hebelten sie das Fenster zum Leitungsbüro auf. Der Raum liegt auf der Rückseite des Gebäudes mit Blick auf den Spielplatz. Schwer einsehbar und von Gärten umgeben. Dort müssen sich die Täter unbeobachtet gefühlt haben.

Einbrecher gehen vorsichtig vor

„Hier war jetzt keine totale Verwüstung“, ist die Kita-Leiterin froh, dass die Einbrecher wohl vorsichtig vorgingen. Noch am Morgen rief sie die Polizei, die auch mit der Spurensicherung anrückte. So bekamen auch die Kinder mit, dass in der Kita etwas Ungewöhnliches passiert war. „Wir haben das natürlich kindgerecht erklärt“, berichtet Bastian. „Denn wenn die Kinder einen Polizisten sehen, dann haben sie Fragen.“

Der Einbruch hat sich für die Unbekannten indes nicht gelohnt. Gestohlen wurde nichts. „Wir bewahren hier keine Wertsachen auf“, betont Bianka Bastian. Wenn Geld, zum Beispiel für Getränke eingesammelt werde, dann zahle sie alles sofort ein. Und dann erinnert sie sich an den Einbruch am letzten Wochenende vor Weihnachten. „Auch da ist nichts weggekommen“, schüttelt die Erzieherin den Kopf und wundert sich darüber, was die Einbrecher in der Kita wohl vermutet haben. Nach beiden Einbrüchen schaute Bastian auch sofort in den Schlüsselschrank. Glücklicherweise wurde keiner entwendet.

Was bleibt, bei Erzieherinnen und Kindern, ist ein „komisches Gefühl“, meint Bastian. Jetzt gehe es darum, dem normalen Alltag nachzugehen und „den Kindern das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu geben.“ Bastian berichtet aber auch, dass es für die Erzieherinnen der Frühschicht – „gerade als Frau“ – nicht so einfach sei. Das schwingt auch die Sorge mit, dass ein Täter vielleicht noch im Gebäude ist.

Sachschaden ist größer als die Beute

Doris Gensch, Leiterin des Kita-Eigenbetriebes der Hansestadt Salzwedel, ärgert sich sehr über den Einbruch. „Was denkt so einer, was hier zu holen ist“, fragt sie sich. Die Kitas seien nicht mit „High-Tech“ ausgestattet und Bargeld würde dort auch kaum aufbewahrt. So fanden die Täter, die am Wochenende auch in die Villa Zwergenland an der Gardelegener Straße einstiegen nur Bargeld im zweistelligen Euro-Bereich. Größer ist der Sachschaden an beiden Tagesstätten, dieser liegt nach Angaben der Polizei im vierstelligen Euro-Bereich.

Gensch berichtete, das vom Eigenbetrieb versucht werde, das Risiko für Einbrüche zu minimieren. So seien an den Einrichtungen Bewegungsmelder angebracht, damit zumindest die Eingangsbereiche beleuchtet werden.

Polizeisprecher Frank Semisch erklärte auf Nachfrage, dass während der laufenden Ermittlungen zu beiden Taten „natürlich Zusammenhänge geprüft werden“. Einbrüche in Kindertagesstätten „passieren immer mal wieder“, sagte Semisch, es sei aber kein Schwerpunkt im Bereich des Revieres. Meist seien es Gelegenheitstäter oder Taten im Jugendbereich. In beiden Fällen seien Tatverdächtige aber nur schwer zu ermitteln.

Im Spatzennest war am Dienstag, dank der Fürsorge der Erzieherinnen, wieder Alltag eingekehrt. Die Kinder tobten durch die Räume.