Diesdorf l Der Dreschtag hat schon seit vielen Jahren auf dem historischen Areal in Diesdorf Tradition. Die Heimatverbundenen der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß 54 Dähre schlüpfen gern in die Kleidung der Vorfahren, um zu präsentieren, wie diese die Körner aus dem Getreide gewonnen haben.

Bei Älteren wecken sie Erinnerungen. Bei Jüngeren sorgt das Gezeigte für Erstaunen. Denn mit den modernen Mähdreschern heutzutage ist die Arbeit recht zügig erledigt.

Vor etwa 100 Jahren bedeutete das noch recht viel Handarbeit, schildert Torsten Barthel, der erstmals die Moderation übernommen hat. Er erklärt die Arbeit mit den Dreschflegeln, die „älteste Form des Dreschens“. Dabei musste synchron gearbeitet werden. „Morgens ab 4 Uhr bis gegen 7 wurde gedroschen. Dann gab es eine Suppe. Das Vieh wurde versorgt. Anschließend ging es mit dem Dreschen weiter“, erzählt er über die sehr kraftraubende Tätigkeit. Kein Wunder, dass oft vom „Hunger wie ein Scheunendrescher“ berichtet werde.

Einheitstag im Freilichtmuseum Diesdorf

Diesdorf (ap) l Dreschtag, ökumenischer Gottesdienst mit Wiedereröffnung der Klein Chüdener Kirche und Festakt zum Tag der deutschen Einheit sowie Verleihung des Bürgerpreises: Im Freilichtmuseum Diesdorf gab es am 3. Oktober ein volles Programm.

  • Volksstimme-Redakteur Henning Lehmann überraschte Siegbert Klaffer mit einem von Doppel-Olympiasieger Waldemar Cierpinski signierten Buch. Foto: Gesine Biermann

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  • Mit einem ökumenischen Gottesdienst wurde die ins Freilichtmuseum Diesdorf umgesetzte Klein Chüdener Kirche wiedereröffnet. Foto: Anke Pelczarski

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  • Mit einem ökumenischen Gottesdienst wurde die ins Freilichtmuseum Diesdorf umgesetzte Klein Chüdener Kirche wiedereröffnet. Foto: Anke Pelczarski

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  • Gisela Krohn (von links), Monika Mathies und Petrau Taubert vom Verein Textilhandwerk Wolmirstedt spannen und strickten. Foto: Anke Pelczarski

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  • Die Heimatverbundenen der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß 54 Dähre führten das Dreschen des Getreides  wie zu Urgroßvaters Zeiten vor. Foto: Anke Pelczarski

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  • Kathrin Kratschke-Lyga ließ sich beim Flechten zusehen. Foto: Anke Pelczarski

    Kathrin Kratschke-Lyga ließ sich beim Flechten zusehen. Foto: Anke Pelczarski

  • Die Osterburger Blasmusikanten musizierten am Einheitstag im Freilichtmuseum Diesdorf. Foto: Anke Pelczarski

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  • Die Heimatverbundenen der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß 54 Dähre führten das Dreschen des Getreides  wie zu Urgroßvaters Zeiten vor. Foto: Anke Pelczarski

    Die Heimatverbundenen der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß 54 Dähre führten das Dres...

  • Die Heimatverbundenen der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß 54 Dähre führten das Dreschen des Getreides  wie zu Urgroßvaters Zeiten vor. Foto: Anke Pelczarski

    Die Heimatverbundenen der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß 54 Dähre führten das Dres...

  • Die Heimatverbundenen der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß 54 Dähre führten das Dreschen des Getreides  wie zu Urgroßvaters Zeiten vor. Foto: Anke Pelczarski

    Die Heimatverbundenen der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß 54 Dähre führten das Dres...

  • Die Heimatverbundenen der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß 54 Dähre führten das Dreschen des Getreides  wie zu Urgroßvaters Zeiten vor. Foto: Anke Pelczarski

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  • Sechs Nominierte gab es in der Kategorie Lebenswerk. Die meisten Stimmen erhielt Siegbert Klaffer (sitzend). Foto: Henning Lehmann

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  • Die Heimatverbundenen der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß 54 Dähre führten das Dreschen des Getreides  wie zu Urgroßvaters Zeiten vor. Foto: Anke Pelczarski

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  • Die Heimatverbundenen der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß 54 Dähre führten das Dreschen des Getreides  wie zu Urgroßvaters Zeiten vor. Foto: Anke Pelczarski

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  • Die geladenen Gäste, die Zahl war aufgrund der Corona-Pandemie begrenzt, verfolgten interessiert die Preisverleihung. Foto: Henning Lehmann

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  • Acht Nominierte gab es in der Kategorie Alltagsheld. Gewinner war Nils Leitloff (vorn rechts). Foto: Anke Pelczarski

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  • In der Kategorie Junges Ehrenamt waren Lukas Kösterke (links), der den Pokal gewann, und Clemens Beckmann nominiert. Foto: Anke Pelczarski

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  • Michael und Sebastian Krüger alias

    Michael und Sebastian Krüger alias "Hopfen, Holz und Heu" sorgten für die passende Musi...

  • Als Schirmherren des Bürgerpreises sprachen Hans-Jürgen Behr, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Altmark West (von links), Landrat Michael Ziche und Thomas Frommhagen, Regionalverlagsleiter der Volksstimme. Foto: Anke Pelczarski

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  • Charlotte Knappstein moderierte die Feierstunde zur Übergabe der Bürgerpreise. Foto: Anke Pelczarski

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  • Mit einem ökumenischen Gottesdienst wurde die ins Freilichtmuseum Diesdorf umgesetzte Klein Chüdener Kirche wiedereröffnet. Foto: Anke Pelczarski

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Durchatmen bei Blasmusik

Aber auch die Funktionsweise von Breitdrescher, Dreschmaschine und Windfege erklärt Torsten Barthel genau. Die Besucher bleiben gern stehen, kommen mit den Machern ins Gespräch. „Was das Diesdorfer Museum bietet, ist unübertroffen“, schwärmt Werner Seitschek aus Uelzen, der erstmals das Dreschfest miterlebt. Interessiert schaut er zudem Kathrin Kratschke-Lyga beim Korbflechten zu. Alles, was mit der Hand gemacht werde, sei Gehirnnahrung, fügt der Senior hinzu.

Eine Pause können die Besucher an der Hilmsener Scheune einlegen und den Melodien lauschen, die die Osterburger Blasmusikanten mit ihren Sängern Jutta Völzke und Reiner Barrey darbieten. Mitglieder des Vereins Textilhandwerk Wolmirstedt zeigen, wie Flachs und Wolle gesponnen sowie das Produkt anschließend „verstrickt“ wird.

Unterm Zeltdach nahe der Klein Chüdener Kirche finden sich geladene Gäste zum ökumenischen Gottesdienst ein. Auf der Wiese sind Bänke für Interessenten aufgestellt.

Besondere Andacht

Die Andacht sei etwas Besonderes, sagt Superintendent Matthias Heinrich. Denn sie vereine mehrere Ereignisse: 30 Jahre deutsche Einheit, die Wiedereröffnung der Kirche, das Erntedankfest sowie einen länder- und konfessionsübergreifenden Gottesdienst – und das alles in Corona-Zeiten miteinzigartigen Ansprüchen. Der Posaunenchor Salzwedel unter Leitung von Roland Dyck umrahmt die Feierstunde.

Michael Ziche, Landrat des Altmarkkreises Salzwedel, verweist darauf, dass Diesdorf vor gut 30 Jahren nur knapp außerhalb der Sperrzone gelegen habe. „Heute befindet sich der Ort in der nördlichen Mitte Deutschlands“, beschreibt er den positiven Effekt durch die Wiedervereinigung. Unterbrochene Beziehungen zu Niedersachsen hätten neu belebt werden können. „Vor drei Jahrzehnten am 3. Oktober hat es einen Besucheransturm bei freiem Eintritt im Museum gegeben, Kaffee und Kuchen im Wohnzimmer des damaligen Museumsleiters“, erinnert er. Heute sei dieser Tag nichts besonderes mehr. „Die Alltäglichkeit darf nicht dazu führen, die Anstrengungen für die deutsche Einheit als gering zu erachten“, sagt Michael Ziche. Er verwies darauf, dass es überall im Land gute Lebensbedingungen gebe. Und dass der Rentenangleich zwischen Ost und West im Jahr 2024 vollzogen werden solle. „Wir sollten stolz Rückschau halten und mit Zuversicht nach vorn blicken“, erklärt der Landrat. Im März, mit Beginn der Corona-Pandemie, sei noch nicht absehbar gewesen, den 30. Einheitstag überhaupt feiern zu dürfen. Die Beschränkungen durch das Virus hätten deutlich gemacht, wie bedeutsam Freiheit sei.

Die Glocke geläutet

Michael Ziche erinnert an 130 Kilometer eisernen Vorhang, die durch den heutigen Altmarkkreis verliefen. 14 Menschen seien in diesem Bereich an der einstigen Grenze ums Leben gekommen. Nicht vergessen werden dürften auch die mehr als 200 Menschen, die bei der „Aktion Ungeziefer“ im Jahr 1952 in der Region aus grenznahen Orten umgesiedelt worden seien. Die Glocke aus dem geschliffenen Ort Jahrsau, die an der umgesetzten Klein Chüdener Kirche angebracht sei, sei ein Symbol für das Geschehene. Museumsleiter Jochen Hofmann bringt sie zum Klingen.