Salzwedel l „Das ist hier unser Gemeindehaus. Hier ist ständig etwas los“, beschreibt Pfarrer Matthias Friske mit zwei kurzen Sätzen, wie wichtig die Alte Lateinschule nahe der Katharinenkirche für das Leben in seiner Gemeinde ist. Während er die Worte ausspricht, steht der Geistliche neben einer von zwei unansehnlichen Stützen in der ersten Etage des Hauses, während sich im Stockwerk unter ihm eine Gruppe zum Gemeindefrühstück trifft. Das historische Gebäude und Denkmal ist nun akut einsturzgefährdet.

Frieder Oßwald, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates, berichtet im Gespräch mit der Volksstimme, dass gerade erst ein abschließendes Gutachten von Statikern und Architekten eingegangen sei. Fazit: Die Alte Lateinschule muss aufwändig saniert werden, damit das Gebäude standfest bleibt und weiter genutzt werden kann. „Ich bin sehr froh, dass wir nicht auch hier ein Schild mit der Aufschrift ‚Wegen Einsturzgefahr gesperrt‘ anbringen mussten wie beim Hohen Chor in der Katharinenkirche“, sagt Oßwald.

Stützen oder Stahlträger

Bereits im Herbst 2017 wurde ein langer Riss im tragenden Längsbalken zwischen der ersten und zweiten Etage entdeckt. Dieser wuchs unaufhaltsam. Statiker wurden hinzugezogen, sodass vor etwa zwei Monaten zwei unansehnliche Stützen in den Saal eingebaut werden mussten, denn der Balken droht durchzubrechen.

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Das nun vorliegende statische Gutachten schlägt zur Stabilisierung des mittelalterlichen Gebäudes aus dem Jahr 1550 zwei Lösungen vor. Die erste Variante wurde in einfacher Ausführung schon umgesetzt. „Es könnten aber auch dauerhafte Stützen eingebaut werden“, erklärt Frieder Oßwald und ergänzt, dass dieses Abstützen auch in den weiteren Etagen des Hauses erfolgen müsse.

Eine zweite Variante sieht den aufwändigen Einbau eines Stahlträgers vor. Dieser würde ebenfalls längs auf das Mauerwerk gelegt. Der darunter liegende brüchige Balken würde quasi daran angehängt. „Das wäre natürlich mit großer Bautätigkeit verbunden“, weiß Oßwald und weist auch darauf hin, dass damit die oberen Räume beeinträchtigt würden. Der Boden müsste zum Beispiel angehoben werden.

„Eine Entscheidung für eine der Varianten ist noch nicht getroffen. Das ist natürlich auch eine Kostenfrage“, berichtet der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. So seien enge Abstimmungen mit dem Kirchenkreis sowie möglichen weiteren Fördermittelgebern notwendig. Matthias Friske und Frieder Oßwald haben die Hoffnung, dass noch in diesem Jahr mit den Bauarbeiten begonnen werden könne.

Bekannter Architekt im Einsatz

Von der baulichen Seite her fühlen sich die Verantwortlichen bei Architekt Jan Bodenstein gut aufgehoben. „Er begleitete schon die Sanierungsarbeiten an der Katharinenkirche“, berichtet Frieder Oßwald. Über Bodenstein laufen auch die Abstimmungen mit dem Denkmalschutz.

„Was mich motiviert, ist die Tatsache, dass viele Generationen dieses Gebäude am Leben erhalten haben. Das ist für uns auch eine Verpflichtung“, betont Frieder Oßwald. Wer sich finanziell für den Erhalt der Alten Lateinschule einsetzen will, kann dies mit einer Spende auf das Konto der Gemeinde. Ansprechpartner sind Pfarrer Matthias Friske und die Mitglieder des Gemeindekirchenrates.