Salzwedel l Erleichterung bei Salzwedels Einzelhändlern: „Wir begrüßen ausdrücklich, dass die Geschäfte wieder öffnen dürfen“, sagt Jost Fischer, Chef der Salzwedeler Werbegemeinschaft. Er hoffe inständig, dass sich die Verkäufer und die Kunden an die Auflagen halten, damit alles so bleibt und es keine weiteren Einschränkungen gibt. Die zurückliegenden Wochen seien ein „Totalausfall“ bei den Umsätzen gewesen. Auch wenn einige Geschäfte versucht haben über das Internet oder Lieferservice noch ein paar Einnahmen zu generieren, sei es eine schwere Zeit gewesen. Deshalb setzt die Werbegemeinschaft auch das Einziehen der Beiträge aus. Zunächst bis Oktober. „Damit wollen wir die Mitglieder unterstützen, es ist schon schwer genug für alle“, betont Fischer.

Er lobt das Agieren des Landkreises in der Krise, wodurch der Altmarkkreis im Vergleich zu anderen Gegenden vom Infektionsgeschehen weitgehend verschont geblieben sei. Gerade auch deshalb sei es wichtig, beim Sicherheitsabstand und den anderen Maßnahmen nicht nachzulassen.

Hinweis aufgehängt

Zwölf Kunden dürfen in das Schuhgeschäft von Wolfgang Behrens an der Neuperverstraße. Er hat einen Zettel mit einem Hinweis ausgehängt. Die meisten halten sich auch so an die Abstandsregeln. Das seien sie ja inzwischen von den Lebensmittel- und Baumärkten, gewohnt, sagt der Ladeninhaber. Dennoch achten er und seine Mitarbeiter darauf, dass sich die Leute nicht zu nahe kommen. Schon am Vormittag nutzen viele Passanten das Angebot zum Einkaufsbummel.

Bilder

„Ich bin sehr froh, dass die Regeln gelockert wurden und wir wieder öffnen konnten“, sagt der Geschäftsmann erleichtert. „Die Zeit, in der seine beiden Geschäfte geschlossen waren, sei nicht einfach gewesen. „Nein, es war schlimm“, wird er deutlicher. In seiner Branche sei es schwer, Rücklagen zu bilden. Er hoffe daher sehr, dass es bei den Lockerungen bleibe und alles wieder in halbwegs normalen Bahnen laufe.

Verhandlungen mit dem Landkreis

Die Türen des Kaufhauses der PUG-Kauf eG in Salzwedel bleiben noch verschlossen. „Wir verhandeln gerade mit dem Landkreis, ob wir eine Lösung finden“, erklärt Helga Schulz vom Vorstand. Das Kaufhaus liegt mit der Größe seiner Verkaufsfläche über der 800-Quadratmeter-Grenze. Aber noch sei es nicht endgültig, dass es geschlossen bleiben muss. Das PUG-Geschäft in Gardelegen konnte am Montag wieder geöffnet werden.

„Das war eine Schockstarre“, sagt Delia Weiland. Dass sie ihr Modegeschäft im Stadtzentrum aufgrund der Pandemie schließen musste, war für sie ein harter Schritt. Doch den Kopf in den Sand stecken, ist nicht ihre Natur. Sie habe die Zeit genutzt, um den Laden aufzuräumen oder auch Fotos für den Internetauftritt ihres Geschäfts zu machen. „Es hat ja einiges im Laden geschlummert, was ich meinen Kunden zeigen wollte.“

Einzelhandel als Bauernopfer

Belastend sei die Corona-Zwangspause aber trotzdem gewesen. Auch und gerade mit Blick auf ihre Lieferanten. Denn hätten diese zu Anfang noch positiv reagiert, sei der Konsens über Lieferungen und Zahlungen schwieriger geworden. Daher habe sie sich auch häufig bei anderen Händlern informiert, wie sie unbeschadet aus der Krise kommt. „Viele sagen während der Epidemie, wie sitzen alle in einem Boot“, erzählt Weiland: „Aber manche sitzen in einem Luxusdampfer und wir im Schlauchboot.“ Das habe ihr eine Kollegin aus Hildesheim gesagt und Delia Weiland kann dieses Zitat nur unterstreichen. Eine Kundin, die gerade in ihrem Laden eine Bluse anschaut, stimmt dem zu. Sie arbeite im Einzelhandel und fühle sich als Bauernopfer.

Doch nun gehe der Blick wieder nach vorn. Den März, der sonst einer ihrer Wonnemonate sei und nun keinen Umsatz brachte, will sie hinter sich lassen. „Mir bleibt auch nichts anderes übrig – es gibt keine Alternative.“

Keine Einnahmen

„Wir hatten trotz Social Media keine Einnahmen“, sagt Wenke Wirth, Inhaberin vom Holzwurm, dem Modegeschäft Hautnah und Der Buchladen. Auch die dringend benötigte Investitionshilfe sei noch nicht da. Daher seien einige Bestellungen und offene Rechnungen erstmal auf Eis gelegt. Auch sie will nicht in Pessimismus verfallen.

Was Wirth aus der Corona-Zeit gelernt habe, ist, ihren Onlineverkauf voranzutreiben. „Der Onlineshop des Buchladens dümpelte immer vor sich hin.“ Doch nun habe sie verstärkte Zugriffe gehabt. Mit dem Holzwurm will sie nachziehen.

Ihre Mitarbeiter, die in Kurzarbeit waren, seien nun wieder in den Läden. Kündigungen seien nie Kern ihrer Überlegungen gewesen. Nun aber gehe es wieder los. „Ich hoffe, dass die Salzwedeler nun auch in ihrer Stadt einkaufen und die Händler unterstützen.“ Am Montagvormittag habe Wenke Wirth zumindest bemerkt, dass viele Menschen durch die Innenstadt flanieren und in die Geschäfte gehen. „Ich hoffe, das bleibt so.“