Salzwedel l Sachsen-Anhalt mache deutliche Fortschritte bei der Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt. So schätzt es die Staatssekretärin im Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration, Susi Möbbeck, ein. Der Chef des Jobcenters, Arnold Schulze, sieht das für den Altmarkkreis differenzierter. „Noch läuft es eher schleppend“, beurteilt er die Situation.

Die Gründe dafür liegen aus seiner Sicht auf der Hand. 90 Prozent der Flüchtlinge, die vom Jobcenter betreut werden, haben keine Berufsausbildung, bei den unter 25-Jährigen sind es 95 Prozent. Und: „Die Sprache ist ein riesen Problem“, sagt er.

Sprache wichtig für Integration

Die Integration in Jobs sei nur möglich, wenn ein gewisses Sprachniveau erreicht wird. In den Integrationskursen schaffen es nur 50 Prozent der Teilnehmer, die geforderte Kategorie zu erreichen. Alle anderen bleiben darunter oder müssen den Kurs wiederholen. Viele hätten auch mit der Schrift Schwierigkeiten. Aber das sei ganz normal. Schließlich sei nicht jeder ein Sprachtalent. Erfahrungen aus anderen Bundesländern zeigten, das der Integrationsprozess bis zu fünf Jahre dauere.

Ohne ausreichende Sprachkenntnisse sei die Vermittlung in Jobs oder Ausbildung nicht möglich, schätzt Schulze ein. Eine mangelnde berufliche Qualifikation sei für die meisten Arbeitgeber kein Hindernis. Sich dahingehend zu engagieren, seien die Firmen bereit.

Gute Chancen für Migranten

Immerhin haben zwölf Prozent der sogenannten erwerbsfähigen Leistungsberechtigten aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Damit liegt der Kreis minimal über dem Bundestrend. „Wir sind zufrieden, aber mehr auch nicht“, sagt der Leiter des Jobcenters.

Dabei stehen die Chancen für Migranten auf Arbeitsplätze nicht schlecht. „Insgesamt besteht auch in der Region Altmark eine hohe Nachfrage an Fachkräften, insbesondere im Hotel- und Gaststättenbereich, im Handwerk, in der Pflege und in der Baubranche“, erklärt Marion Emmer, Geschäftsführerin Operativ der Agentur für Arbeit Stendal.

Hilfen nach SGB II

Die Agentur betreut 20 der mit Stand Mai 301 gemeldete erwerbsfähigen Flüchtlinge im Altmarkkreis. Das sind sogenannte Geduldete, die einen Asylantrag gestellt haben, über den aber noch nicht entschieden wurde. Dem überwiegenden Teil stehen Hilfen nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) II zu. Für sie ist das Jobcenter zuständig. 61 Männer und Frauen haben erfolgreich einen Integrationskurs beendet, 147 nehmen noch daran teil. 41 besuchen die Schule, und 52 Anträge für angehende Kursteilnehmer befinden sich noch in der Bearbeitung, nennt Iris Fuchs vom Jobcenter die nackten Zahlen.

Im Rahmen des Landesprogrammes – RÜMSA – wird derzeit eine Berufsorientierungsmaßnahme für etwa 40 jugendliche Geflüchtete in Salzwedel und Gardelegen umgesetzt. „Darüber hinaus gibt es enge Kontakte und eine intensive Zusammenarbeit mit den verschiedensten Netzwerkpartnern“, erklärt Marion Emmer. Als Beispiel nennt sie das Integrationsnetzwerk des Altmarkkreises, das sich an Veranstaltungen für die jungen Migranten beteiligt.

Konkrete Pläne

Zudem gebe es bereits konkrete Pläne für die Aufnahme einer Ausbildung für einige Flüchtlinge. In Vorbereitung darauf habe sich zum Beispiel eine Einstiegsqualifizierung mit Sprachvermittlung bewährt – in diesen Maßnahmen befinden sich derzeit etwa 15 Jugendliche im Altmarkkreis.

Am Sonnabend beginnt in der Volkshochschule um 9 Uhr die Job- und Ausbildungsmesse für Zugewanderte. Bis etwa 14 Uhr gibt es unter anderem Impulsreferate zu Berufsfeldern und Gesprächsmöglichkeiten.