Erneuerbare Energien

Frust beim Wasserverband Salzwedel: Pläne für Solarausbau fehlgeschlagen

Trotz mehrerer Anläufe konnte der Wasserverband Salzwedel (VKWA) die Fotovoltaik-Anlagen auf seinem Betriebsgelände nicht erweitern. Auf Ausschreibungen erhielt er keine Angebote.

Von Beate Achilles 21.07.2021, 10:30
Kahl statt mit Fotovoltaik-Solarzellen bestückt blieben die geraden Mauern hinter dem runden Klärbecken in Salzwedel.
Kahl statt mit Fotovoltaik-Solarzellen bestückt blieben die geraden Mauern hinter dem runden Klärbecken in Salzwedel. Foto: Beate Achilles

Salzwedel - Nicht immer scheitert der Ausbau der erneuerbaren Energien an mangelndem Willen oder Geld. Das Beispiel des Salzwedeler Wasserverbandes zeigt, wie auch Bürokratie den Klimaschutz behindern kann.

Die Arbeit des VKWA verbraucht eine Menge Energie, denn es müssen große Mengen Wasser mit leistungsfähigen Pumpen bewegt werden. Um das Klima zu schonen und unabhängiger vom Strommarkt zu werden, wollte Geschäftsführer Jens Schütte bereits 2017 die bestehende Fotovoltaikanlage an der Kläranlage Salzwedel erweitern und auf dem Dach der Lkw-Garage am Schäferstegel neue Solarstrom-Module installieren lassen.

Ziel: Mehr Unabhängigkeit

„Das Ziel war, für den Eigenbedarf der Abwasserbehandlung auf der Kläranlage und für den Betriebshof im Schäferstegel den Anteil des selbst erzeugten Stroms zu erhöhen“, so Schütte. Aktuell liefere die vorhandene Solaranlage auf dem Kläranlagen-Areal etwa 30 000 Kilowattstunden pro Jahr. Vorschriftsmäßig schrieb der VKWA den Auftrag nach den geltenden Regeln für öffentliche Auftraggeber aus. Doch es gingen keine Angebote ein. 2018 versuchte Schütte es erneut - wieder fand sich kein Anbieter. 2020 nahm der VKWA-Geschäftsführer einen dritten Anlauf – doch auch dieser schlug fehl. „Selbst eine direkte Ansprache möglicher Auftragnehmer hat uns nicht weiter gebracht“, ist Schütte frustriert. Jetzt habe er „die Nase voll“.

Hoher Aufwand und Risiken

Die Firma SCM Energy aus Pretzier war eines der angesprochenen Unternehmen. „Diese öffentlichen Ausschreibungen haben einen Umfang von 80 bis 100 Seiten“, erklärt Geschäftsführer Stefan Korneck, warum er sich damit eher ungern befasst. Zudem seien die Fristen für die Abgabe von Angeboten häufig viel zu kurz ebenso wie diejenigen für die Fertigstellung von Projekten. Hinzu kämen Vertragsstrafen für nicht eingehaltene Fristen und es würden Bürgschaften gefordert. „Darauf habe ich keine Lust“, sagt Korneck. „Man investiert viel Zeit im Vorfeld, die man nicht abrechnen kann. Diese Zeit hat man nicht.“ Fast noch schwerer wiegt für den Unternehmer, dass öffentliche Solarprojekte hinsichtlich der technischen Dimensionierung und strategisch häufig falsch angegangen würden. „Dort fehlen Fachkräfte in der Planung, die mit der dynamischen Entwicklung auf dem Markt der erneuerbaren Energien Schritt halten können“, meint der Solarfachmann.

Derweil ist bei ihm erneut eine Ausschreibung eingegangen, diesmal von der Stadt Salzwedel, die auf dem Dach der Lessing-Grundschule eine Fotovoltaikanlage errichten will. „Das ist auch schon die zweite Runde“, kommentiert Stefan Korneck. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis Mitte August.