Eiscafé

Gastronomie auf dem Rathausturmplatz?

Die Idee ist bereits viele Jahre alt und bekommt nun neuen Aufwind: den Rathausturmplatz in Salzwedel für die Gastronomie zu nutzen.

Salzwedel l Es war das Jahr 2009, als der Rathausturmplatz im Herzen Salzwedels kontrovers diskutiert wurde. Schließlich sollte der damalige Schandfleck verschwinden. Gerade die jüngeren Einwohner haben sich seinerzeit auf dem Prestigeplatz ein Kaufhaus gewünscht, um nicht für die große Shopping-Tour nach Hamburg, Braunschweig oder Magdeburg fahren zu müssen. Ebenso viele wünschten sich einen markanten Platz mit Wasserspiel und Sitzplätzen zum Verweilen. Bekanntlich hat sich letzteres durchgesetzt.

Auch gab es 2010 den Gedanken, dass eine Salzwedeler Bäckerei den Platz für ihre Bestuhlung nutzt. Der Bereich, wo heute eine Litfaßsäule und ein Gedenkstein für das abgebrannte Rathaus stehen. So zumindest der Plan. Doch schlussendlich kam es nie dazu.

Nun ein neuer Anlauf. Aber nicht mehr für die besagte Bäckerei, sondern für eine italienische Eisdiele, wenige Meter neben dem Redaktionsgebäude der Salzwedeler Volksstimme. Damit stünde die Bestuhlung gegenüber des Eiscafés, auf der anderen Straßenseite auf der Grünfläche des Rathausturmplatzes. Eine mehr oder minder ungenutzte Fläche.

Öffentlich geworden sind diese Gedanken durch Stadtrat Marco Heide (Die Linke), der das Thema am Mittwoch im Bauausschuss aufs Tapet hob. Er bat darum, dass künftig bei baulichen Veränderungen wie dem Rathausturmplatz die Öffentlichkeit mitgenommen werde. Heißt: Themen wie diese im öffentlichen Teil der Gremien zu besprechen.

Bürgermeisterin Sabine Blümel bestätigte, dass die mögliche Bebauung ein Angebot des Eisdielen-Betreibers sei. Die Hansestadt würde, sofern sich die Stadträte dafür erwärmen können, einen langfristigen Nutzungsvertrag erstellen und vorlegen. Auch bekräftigte die Verwaltung an dieser Stelle, dass es (nur) um eine Teilnutzung des Rathausturmplatzes gehe, sprich die Grünfläche.

Wie in der Sitzung zu erfahren war, würde der Eisdielen-Betreiber ein Podest auf der Grünfläche installieren und darauf Tische und Stühle stellen. Zudem einen kleinen Unterstand, vermutlich für das Mobiliar nach Feierabend. Alles aus eigener Tasche finanziert.

„Ich nenne das Wirtschaftsförderung und Belebung der Innenstadt“, sagte Sabine Blümel: „Auf uns kommen keine Kosten zu.“ Außerdem hätte der Betreiber versichert, dass nicht nur seine Kunden die Plätze nutzen dürften, sondern auch jeder andere. „Das ist doch toll für die Stadt“, so Blümel.

Lothar Heiser (CDU) sieht, wenn es dazu kommt, gleich ein weiteres Problem gelöst: „Das ist eine ‚Hunde-Scheiß-Fläche.“ Und auf dem eigentlichen Pflaster des Platzes ließen sich für sein Empfinden ohnehin keine Tische und Stühle aufstellen: „Das kippt nur um.“

Wie im Nachgang der Sitzung zu erfahren war, sind nicht alle Stadträte mit dem Plan hinter verschlossenen Türen zufrieden. Denn dafür, dass es der Prestigeplatz der alten Hansestadt ist, kommen ihnen die Einnahmen dafür viel zu gering vor. So war die Rede davon, dass der Eisdielen-Betreiber wohl nur lediglich 100 Euro im Jahr für die Nutzung zahlen solle. „Das geht doch nicht“, raunte ein Stadtrat. Vielmehr wäre es eine Lösung, wenn die Stadt dem Betreiber das Podest zur Verfügung stellen und dafür dem Platz entsprechend eine monatliche Miete in die klamme Stadtkasse einfordern würde.

Das letzte Wort in der Causa Rathausturmplatz dürfte wohl noch nicht gesprochen sein.