Salzwedel l Eigentlich hat der Chef der Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Salzwedel (Wobau), Christian Märtens, das Bestreben, jedes Grundstück mit zahlenden Mietern zu belegen. Eigentlich. An der Sonnenstraße 13 bis 17 ist es nun anders. Das dort im Jahr 2011 durch den Abriss einer Platte frei gewordene Grundstück von etwa 2100 Quadratmeter, stellt er für lau zur Verfügung – und das hat einen guten Grund.

„Es fehlt ein Treffpunkt im Viertel im Freien“, sagt MGH-Leiter Sebastian Dobras. Das sei beim Stadtteilgespräch mit Stadträten im Mehrgenerationenhaus im vergangenen Jahr unter anderem klar geworden. Diesem Wunsch wolle man nachkommen und habe mit der Wobau einen gewichtigen Partner gefunden. Denn Märtens stellt kostenfrei das Grundstück für diesen Zweck.

Treffpunkt im Garten

In erster Linie können Salzwedeler dort Nutzpflanzen oder Blumen anpflanzen, so die Idee. Weiterhin soll es als Treffpunkt dienen. „Und wenn geerntet wird, können wir mit dem gewonnenen Gemüse entweder im Mehrgenertionenhaus oder auf dem Grundstück auf offenem Feuer gemeinsam etwas kochen“, blickt Sebastian Dobras voraus. Mit Sonet-Köchin Regina Holz hat man die Richtige dafür direkt vor Ort.

Damit das Ganze auch finanziert wird, hat Cathleen Hoffmann vom Sozialen Netzwerk für Weltoffenheit und Toleranz, kurz Sonet, Anna Stein von Demokratie Leben mit ins Boot geholt. „Über Anträge bei Demokratie Leben können wir Gartengeräte anschaffen“, stellt Cathleen Hoffmann in Aussicht, die auch für die Grünen im Stadtrat sitzt. Damit hat die Fraktion der Grünen Wort gehalten und setzt die Vorschläge der Anwohner aus dem Stadtteilgespräch im MGH direkt um.

Langfristig geplant

„Was, wenn das MGH geschlossen wird?“, will Norman Hundt von Aktion Musik wissen, der wie sein Chef, Michael „Elvis“ Schulze, ebenfalls am Gartenprojekt interessiert ist. Schließlich sei bekannt, dass das Gebäude sehr marode ist. Dem nahm Christian Märtens sofort den Wind aus den Segeln: „Das sind zwei paar Schuhe.“ Zum einen gehöre der Stadt das Gebäude, zum anderen sei das Gartenprojekt unabhängig davon zu betrachten. „Das Grundstück wird langfristig für diesen Zweck zu Verfügung stehen“, versprach der Wobau-Chef zur Freude aller.

„Und was, wenn man nicht aus dem Wohngebiet kommt?“, hakt Norman Hundt erneut nach. „Spielt keine Rolle“, antwortet der MGH-Leiter und machte obendrein gleich deutlich: „Das wird kein Partygarten.“ Mit lauter Musik und Saufgelage wolle man nicht glänzen, sondern mit schönen Beeten und Gemeinschaft. „Wie zu DDR-Zeiten, da zählte noch das Wir“, flüsterte eine Anwohnerin ihrer Sitznachbarin zu.

Wie es beim Thema Verantwortung aussieht, wollte Holle Huygen-Thurn wissen. Mit ihren Pfadfindern sammle sie Müll im Stadtgebiet und wisse, wie schnell der Unrat in allen Ecken liege. Und wenn es die Leuten etwas koste, sei es ihnen meist auch mehr Wert, weiß sie aus ihrer Erfahrung. Doch komplett umzäunt soll das Grundstück nicht werden, so Märtens, das halte Vandalen ohnehin nicht ab. Vielmehr sei es ein offenes Grundstück, bei dem man auf die Eigenverantwortung setze. „Es ist ein Pilotprojekt, wir müssen schauen, wie es sich entwickelt“, ergänzte Sebastian Dobras. Die Gartengeräte werden zumindest im MGH verschlossen. An Wochenenden, wenn die Einrichtung geschlossen ist, soll ein Verantwortlicher einen Schlüssel zum Geräteschuppen im MGH bekommen.

Brunnen fehlt noch

Während die Gruppe das Gelände beäugt, kommt Sebastian Dobras noch die nächste Idee: „Das Gemüse kann auch mit weiteren Salzwedelern getauscht werden.“ Gewissermaßen eine Gartentauschbörse. Nur beim Thema Bewässerung gibt es noch keine Klarheit. Mit Brunnenbaufirmen sei man aber schon im Austausch.

Wer sich für das Projekt interessiert, kann Ende März zu einem neuen Termin kommen. Dann soll das Projekt weiter konkretisiert werden. Ein Termin wird noch bekanntgegeben. Weitere Infos dazu gibt es im MGH unter der Rufnummer 03901/30 67 67.