Salzwedel l Er hat sich oft nicht im Griff: „Wenn was Falsches passiert, kann es schon vorkommen, dass ich aggressiv werde“, gibt der Angeklagte vor wenigen Tagen im Salzwedeler Amtsgericht zu. Wie dort sein Verhalten beurteilt wird, zeigt die Besetzung am Richtertisch. Neben Strafrichter Klaus Hüttermann haben auch zwei Laienrichter Platz genommen. Es könnte also auch eine Gefängnisstrafe im Raum stehen. Warum, das ist spätestens klar, als die Vertreterin der Staatsanwaltschaft ihre Anklageschrift verliest. Allein das dauert rund 20 Minuten.

So ging sein Temperament mit ihm durch, als die Polizeibeamten im Sommer vergangenen Jahres in unmittelbarer Nähe der Wohnung des Angeklagten einen gesuchten Straftäter festnehmen. Auf dem Weg zum Auto fällt ihnen eine Frau an einem Fenster auf: „Sie erweckte den Eindruck, als würde sie springen wollen“, beschreibt einer der Beamten im Zeugenstand. Noch als sie sich nach ihrem Zustand erkundigen, beginnt jemand im Hintergrund des Zimmers zu schreien und die Polizisten wüst zu beschimpfen. Daraufhin kehren diese zur Wohnung des Beschuldigten zurück. Schwer zu finden sei die Wohnungstür im Haus nicht gewesen, weil das Geschrei deutlich durch die Tür zu hören war, versichern die Beamten.

Angeklagter droht Polizisten

Die Frau habe sie dann auch hereingelassen, was dem Angeklagten offenbar missfiel: „Wenn ich euch mal ohne Uniform sehe, mache ich euch kalt“, soll seine Drohung gelautet haben.

Erklärungsversuche des Beschuldigten: „Ich bin verbal eskaliert, weil die Polizeibeamten mich als bekannten Frauenschläger bezeichnet haben.“ Seit gut einem halben Jahr sei er arbeitslos, was ihm sehr zu schaffen mache: „Ich trinke seitdem Alkohol wie Wasser. Manchmal fang ich schon früh am Morgen damit an.“

Die Wirkung ist offenbar fatal. Denn schon bald ruft ein besorgter Bürger die Polizei wieder zur bekannten Wohnung: Eine Frau stehe verletzt am Fenster, heißt es. Die Wohnung und die Beteiligten kennen die Beamten schon: Die Tür sei bereits offen und die Frau ganz aufgelöst gewesen, berichten sie. In der Wohnung habe ein regelrechtes Chaos geherrscht, viele Möbel kaputt, Glas auf dem Boden. „Die Frau war komplett blutüberströmt mit Platzwunden am Auge und Hinterkopf.“ Ihre Erklärung, sie sei hingefallen, während ihr Mann einkaufen war, ist für die Beamten indes völlig unglaubwürdig. Zumal der Angeklagte sich lautstark darüber beschwert, dass sie die Beamten in die Wohnung gelassen hatte.

Mit Messer die Beamten bedroht

„Die Polizei wollte meine Frau dazu bringen, zu behaupten, ich hätte sie geschlagen“, sagt er gegenüber dem Gericht.Nicht erklären kann er, warum er ein etwa 25 Zentimeter langes Messer von der Wand im Flur nimmt und den Beamten droht, sie abzustechen. Seiner Frau, die sich mittlerweile in ein Zimmer eingesperrt hat, soll er zugerufen haben: „Soll ich wieder in den Knast? Dann mach ich alles, was dafür nötig ist.“

Weil ein Beamter, der ihn mehrfach aufgefordert hatte, das Messer fallen zu lassen, seine Dienstwaffe entsichert, aber nicht zieht, ruft der Angeklagte ihm zu: „Schieß doch, na komm, schieß!“

Sanitäter beleidigt

Er habe nur verhindern wollen, dass die Polizisten seiner Frau näher kommen, versucht der 46-Jährige im Gericht zu erklären. Erst nachdem seine Frau aus dem verschlossenen Zimmer gekommen sei und ihren Mann darum gebeten habe, die Waffe wegzulegen, habe er das auch getan, berichten die Polizisten, die ihn schließlich fixieren und festnehmen.

Ebenso wie wenige Tage später gleich noch einmal: Als der Zieh-Vater des Angeklagten mit Verdacht auf Schlaganfall ins Krankenhaus gebracht werden soll, beleidigt der Beschuldigte noch vor dem Haus die Sanitäter. „Wir sind ihm wohl zu langsam gewesen“, mutmaßt einer der Retter, der als Zeuge geladen ist.

Verhandlung wird fortgesetzt

Obwohl er dort bereits Hausverbot hat, sei der Angeklagte dann kurz darauf ins Krankenhaus gekommen, um seinen Vater zu sehen. Dort habe er die Sanitäter mit den Worten bedroht: „Wenn mein Vater stirbt, bring ich euch auch um.“ Einer von ihnen wird vom Angeklagten sogar so heftig geschlagen, dass seine Brille wegfliegt.

Noch sind nicht alle Zeugen gehört. Die Verhandlung wird im Dezember fortgesetzt. Möglicherweise wird dann auch seine Ehefrau noch einmal vorgeladen. Zur jüngsten Verhandlung war sie gar nicht erst erschienen.