Salzwedel l Ulla (16, Name von der Redaktion geändert) schaut sich oft unsicher um, wenn ein Auto in Salzwedel an ihr vorbeifährt. Die Jugendliche hat in diesen Momenten Angst, dass eine Gruppe Nazis in dem Wagen sitzen könnte und sie dann bedroht wird oder schlimmeres geschieht.

„Es ist total krass, was hier passiert“, erzählt die junge Frau im Gespräch mit der Volksstimme. Sie erzählt dabei auch, dass es beim jüngsten Nysmarkt wieder zu Vorfällen mit Rechtsextremen in der Salzwedeler Innenstadt gekommen sein soll. „Da wurde zum Beispiel der Hitlergruß gezeigt“, weiß Ulla und ergänzt, dass dabei auch Polizisten in der Nähe gewesen seien. Sie wisse aber nicht, ob die Beamten den verbotenen Gruß bemerkt hätten.

Nicht allein durch die Stadt

Ulla hat vorher auch schon körperliche Übergriffe in Salzwedel mitbekommen, ist nach eigenen Angaben aber selbst noch kein Opfer dieser Taten geworden. Häufig seien linksorientierte Jugendliche, erkennbar an ihrer Kleidung mit politischen Botschaften oder Aufnähern, das Ziel der Täter. „Es werden aber auch Leute angegriffen, die nicht links sind oder keinen Migrationshintergrund haben“, berichtet die Jugendliche.

„Ich kann nicht mehr alleine durch die Stadt gehen“, meint die 16-Jährige und bestätigt damit die Aussagen eines Familienvaters aus Salzwedel. Dieser hatte vor zwei Wochen gegenüber der Volksstimme erklärt, wie sich seine Kinder verhalten: „Man spricht sich ab und trifft sich in Gruppen, um nicht zum Ziel zu werden.“

Während des Nysmarktes kam es nach Angaben von Ulla zu einem weiteren gewaltsamen Übergriff. Dort habe eine Gruppe Jugendlicher zusammengestanden, „als zwei Nazis vorbeigingen und zu ihnen sagten, dass sie sich verpissen sollen“. Etwas später seien dann vier bis fünf Rechte aufgetaucht und hätten die jungen Leute weiter bedrängt und bedroht. „Und dann hat er auf die Fresse bekommen“, beschreibt Ulla, wie ein Jugendlicher einen Schlag mit der Faust ins Gesicht abbekommen habe.

Eskalation

Angezeigt wurde der Übergriff allerdings nicht, erzählt die Jugendliche. „Oftmals haben sie keine Beweise und wollen auch nicht mit der Polizei reden“, beschreibt Ulla mangelndes Vertrauen der Betroffenen in die Ermittlungsbehörden. „Wenn man aussagt, kann es passieren, dass man wieder bedroht wird und manchmal kommen Gegenanzeigen“, erklärt die Schülerin. „Ich finde im Moment eskaliert es sehr stark“, meint sie.

Auch an ihrer Schule sei im Unterricht bereits über die Lage in Salzwedel gesprochen worden. „Doch viele bekommen das gar nicht mit, was hier los ist“, sagt Ulla. Und dann würden auch Sätze fallen wie „die Linken sind doch genauso“.

Das Projekt „Mobile Beratung für Opfer rechter Gewalt“ des Vereins Miteinander hatte bereits vor zwei Wochen mitgeteilt, dass es in diesem Jahr schon 18 Fälle von rechts motivierter Gewalt in Salzwedel gegeben habe.