Altmarkkreis l Ein kleiner Piks und schon ist es erledigt. Viele Westaltmärker lassen sich seit Jahren vor der kalten Jahreszeit gegen Grippe impfen. Doch in diesem Jahr kommt mit der Corona-Pandemie ein Unsicherheitsfaktor hinzu, der vermehrt Leute zur Impfung veranlasst. Aber wie ist es derzeit in den Praxen der Region darum bestellt?

„Wir haben genügend Impfstoff“, versichert Allgemeinmedizinerin Edita Pociute-Kurvlaviciene, Nachfolgerin von Karin Willert in Salzwedel. Doch kurzzeitig habe die Hausarztpraxis im Altmark-Center einen Engpass gehabt. Anfang September sei für eine Woche kein Impfstoff mehr vorhanden gewesen. „Das lag an der großen Nachfrage und die hängt mit Covid-19 zusammen“, so die Ärztin. Die Bereitschaft zur Grippe-Schutzimpfung sei merklich gestiegen, „man muss gar nicht nachfragen, der Wunsch kommt von allein“. Nachschub sei auch längst wieder da. „Wir haben nochmal nachbestellt.“ Keiner ihrer Patienten müsse fürchten, nicht geimpft werden zu können. Grundsätzlich rate sie zur Impfung vom Kind bis zum Senior. „Ich habe meine Kinder auch schon geimpft“, so die Ärztin.

Ärztin befürchtet Engpässe

Impfstoff-Knappheit befürchtet hingegen die Salzwedeler Hausärztin Anika Leonhardt. Auch sie verzeichnet aufgrund der Corona-Pandemie eine erhöhte Nachfrage. Sie habe nur das Kontingent, dass ihr Vorgänger Dr. Wulf Wiechmann im März bestellt hatte. Inzwischen seien Lieferengpässe zu verzeichnen. „Es wird knapp“, schätzt sie ein. Dass sich die Patienten in diesem Jahr verstärkt impfen lassen, ist aus ihrer Sicht vernünftig. Vor allem Risiko-Patienten könnten sich so vor schweren Infekten durch das Grippe-Virus schützen.

Nahezu eine Verdoppelung der verabreichten Impfdosen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat Dr. Ilja Karl in seiner Praxis in Arendsee verzeichnet. „Bisher gibt es keine Engpässe in der Impfstoffversorgung, das lässt sich abschließend erst nach Ende der Impfsaison beurteilen“, erklärt er. Mit Blick auf die Begrenztheit der Ressourcen seien politische Vorgaben, möglichst alle Menschen einzubeziehen, wenig hilfreich. Er plädiert dafür, nur jene zu impfen, denen bei einer Infektion mit Influenza der größte Schaden droht: Alte und chronisch Kranke. Gegebenenfalls sollten Kinder geimpft werden. Dr. Karl: „Allerdings nicht, weil sie so schwer erkranken, sondern weil sie bei wenig Beschwerden die Infektion übertragen“.

Verzicht auf fragwürdige Empfehlungen

Zudem hadert er mit der Politik: „Hilfreich wäre ein Verzicht von Herrn Spahn auf fragwürdige Empfehlungen“ (Bundes-Gesundheitsminister, Anm. d. Red.). Zentrale Instanz dafür sei die Ständige Impfkommission. Alle anderen, nicht wissenschaftsbasierten Aussagen bescherten nur vermehrten Erläuterungsbedarf in der Praxis. „Ob die Grippe-Impfung tatsächlich den Corona-Verlauf beeinflusst, wissen wir nicht“, betont er. Sie könne aber möglicherweise helfen, die Kliniken und Praxen vor Überlastung zu schützen.

Zur Grippeschutz-Impfung rät Ivonne Bolle vom Altmark-Klinikum. „Es wird befürchtet, dass bei einer Infektion mit Influenza und Corona die Situation für den einzelnen Patienten schlechter werden könnte.“ Gerade jene Risikogruppen, denen die Impfung vom Robert-Koch-Institut (RKI) empfohlen wird, sollten dem nachkommen. Heißt: Personen ab 60 Jahren, Schwangere, chronisch Kranke, Bewohner in Pflegeheimen, wer mit Risikopersonen in einem Haushalt lebt und Berufsgruppen, die mit vielen Menschen zu tun haben.

Dass im Zweifel, wenn das Corona- auf das Influenzavirus trifft, genügend Kapazitäten im Salzwedeler Krankenhaus vorhanden sind, kann Ivonne Bolle nicht bejahen. „Weil es zum jetzigen Zeitpunkt offen ist, wie viele stationär behandlungspflichtige Fälle auf das Altmark-Klinikum zukommen, wäre es unlauter anzugeben, dass die Kapazitäten ausreichend sind.“ Was sie aber mit Sicherheit sagen kann, ist, dass im Notfall alles getan werde, um eine adäquate medizinische Versorgung zu gewährleisten. „Zu diesem Thema steht das Altmark-Klinikum mit anderen Krankenhäusern des Landes Sachsen-Anhalt in enger Abstimmung.“

Weniger Probleme zu erwarten

Fest steht: „Je mehr Menschen geimpft werden, desto weniger Probleme sind durch das Zusammentreffen von Influenza und Corona zu erwarten“, so Bolle.

Beim Impftermin im Gesundheitsamt des Altmarkkreises in der vergangenen Woche gab des ebenfalls größeren Andrang, als in den Vorjahren. Deshalb gibt es am Donnerstag, 29. Oktober, von 8.30 bis 11.30 Uhr einen Nachfolgetermin. Impfstoff dafür sei noch vorhanden, informiert Kreissprecherin Birgit Eurich..