Einwegplastikverbot

In Salzwedel gibt es Eis weiter im Plastikbecher

Seit fast einem Jahr gilt in Deutschland ein Verbot von Einwegplastik und Styroporverpackungen. Dennoch ist in Salzwedel beides täglich in großen Mengen im Einsatz.

Von Beate Achilles 14.05.2022, 06:00
Eine Frau isst Eis aus einer Wegwerfschale  aus Kunststoff. Um die Vermüllung der Weltmeere mit Plastik einzudämmen, gilt seit fast einem Jahr EU-weit ein Verbot, Einwegplastik zu produzieren und in Verkehr zu bringen. Dennoch sind diese Produkte noch immer sehr stark im Einsatz – auch in Salzwedel.
Eine Frau isst Eis aus einer Wegwerfschale aus Kunststoff. Um die Vermüllung der Weltmeere mit Plastik einzudämmen, gilt seit fast einem Jahr EU-weit ein Verbot, Einwegplastik zu produzieren und in Verkehr zu bringen. Dennoch sind diese Produkte noch immer sehr stark im Einsatz – auch in Salzwedel. Symbolfoto: dpa

Salzwedel - Fröhlich bestellen zwei junge Frauen am Montag Eisbecher im Salzwedeler Eiscafé Guzzo. Einmal Kiwi, einmal Erdbeer. Lecker sehen die Eisspezialitäten aus – mit frischen Früchten, Sahne und einer Waffel oben drauf. Das kann man durch das transparente Plastik der Eisschale gut erkennen, in der das Eis serviert wird.

Plastikmüll auf die Stadt abgewälzt

Über die Plastikeisschalen ärgert sich Volksstimme-Leser Peter Ritzrau: „Andere italienische Eisdielen servieren das Eis in Glas- oder Porzellanschalen. Bei Guzzo bekommt der Kunde sein Eis in Wegwerfbehältern.“ Deren Entsorgung werde einfach der Stadt zugeschoben. Die angebliche Kompostierbarkeit der Behälter sei wegen der langen Verrottungsdauer nichts als Augenwischerei, meint Ritzrau.

Auch wenn es optisch die Eiskreation gut zur Geltung bringt und dem Eisdielen-Betreiber Aufwand erspart – seit dem 3. Juli 2021 ist Einwegplastik in Deutschland und der EU verboten. Zuviel davon gelangt in die Umwelt und die Meere, lässt Tiere sterben und landet auch im Essen für Menschen.

Wie ist es dann möglich, dass es immer noch im Verkehr ist? „Die Weiterverwendung von Styroporverpackungen, Einwegbesteck und Einweggeschirr aus Plastik wurde seitens der Lebensmittelüberwachung des Altmarkkreises Salzwedel im Gastronomiebereich nicht untersagt“, erklärt dazu die Pressestelle der Kreisverwaltung. Und verdeutlicht mit ihrer Antwort, dass der Teufel beim Einwegplastik-Verbot wie immer im Detail liegt.

Gesetz lässt Unternehmen Schlupflöcher

Denn lediglich die „Produktion“ von Einwegplastik sei in der EU verboten, nicht jedoch der Abverkauf, so die Kreispressestelle. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hingegen schreibt auf seiner Homepage, das Einwegplastikverbot untersage es, die Produkte „erstmals in der EU auf den Markt zu bringen“. Produkte, die bereits auf dem Markt sind, dürfen auf jeden Fall noch abverkauft und ausgegeben werden, da sind sich die Kreisverwaltung, der Nabu und die Bundesregierung (bundesregierung.de) einig.

Doch wie ist es zu erklären, dass ein Abverkauf von Restbeständen, nun bald ein ganzes Jahr andauert? „Die Hersteller und Importeure (hatten vor dem 3. Juli 2021) bereits zwei Jahre Zeit..., sich auf das Verbot vorzubereiten. Es gibt keine Frist, bis wann abverkauft oder ausgegeben werden muss“, schreibt der Nabu dazu auf seiner Internetseite.

Mehrere Salzwedeler Gastronomen antworten auf Anfrage der Volksstimme diese Woche, dass sie ihre Styropor- und Einwegplastikbehälter weiterhin in der Metro einkaufen. Sie verlassen sich darauf, dass die Ware legal ist, wenn sie bei diesem Großhändler erhältlich ist.

Welche Rolle spielt die Metro?

Hat also die Metro noch riesige „Restbestände“? Klaus Wiedmann, Pressesprecher der Metro Deutschland versichert gegenüber der Volksstimme, im Metro-Markt in Salzwedel würden keine Verpackungen aus Polystyrol (Styropor) oder Einwegplastik für die Gastronomie mehr verkauft. Ein Besuch in der Filiale am gestrigen Tag zeigt allerdings: Genau diese Produkte liegen dort meterweise in den Regalen und werden den Gastronomen zum Verkauf angeboten.

Bio-Kunststoff als Mogelpackung

Auf die Frage, warum er nach wie vor Eis in Wegwerf-Plastikbechern verkauft, antwortet Giovanny Sirio, Guzzo-Filialleiter in Salzwedel, es handle sich bei seinen Plastikeisschalen nur noch um Restbestände. Ab 2023 werde es bei Guzzo nur noch durchsichtige Becher aus Bioplastik geben. Das Wörtchen „Bio“ prangt schon jetzt auf einer Sorte von transparenten Plastikeisbechern bei Guzzo. Inwiefern dieses Plastik „Bio“ sei, kann Sirio nicht beantworten.

„Wegwerfteller, -becher oder -besteck aus biologisch abbaubaren Kunststoffen (...) sind ebenfalls verboten“, schreibt indes Kreispressesprecherin Birgit Eurich zu diesem Thema. Der Grund dafür ist der Internetseite des Bundesforschungsministeriums (BMBF) zu entnehmen: „Anders als oft vermutet, bedeutet Biokunststoff (...) nicht (...), dass Materialien in der Umwelt problemlos abbaubar sind.“ Einige würde etwa sehr hohe Temperaturen dafür benötigen. „Dies bedeutet, dass auch Biokunststoffe nicht einfach in der Umwelt entsorgt werden sollten“, so das BMBF.

Eisdiele zeigt, wie es anders geht

Dass Eis auch ohne Plastikbecher schmecken kann, zeigt das Beispiel der Eisdiele Lerche in Salzwedel. Dort werden Eiskreationen in essbaren Schalen aus Waffelteig serviert, im Übrigen geht das Eis in Pappbechern oder Waffel-Eistüten über die Ladentheke. „Bei uns gibt es so gut wie kein Plastik“, sagt eine Mitarbeiterin. Der Grund: „Unsere Chefs wollen das nicht.“