Salzwedel l In einem waren sich die Mitglieder der Regionalversammlung einig: Die Bahnstrecken von Oebisfelde über Salzwedel, Arendsee, Geestgotberg und letztendlich bis Wittenberge sollen ein raumordnerisches Ziel für die Altmark bleiben. Im ursprünglichen Entwurf der Fortschreibung des Regionalen Entwicklungsplans waren sie nicht mehr enthalten. Das Papier wird an den Landesentwicklungsplan angepasst, und da auf beiden Strecken schon lange kein turnusmäßiger Schienenverkehr mehr stattfindet, wurden sie aus der Raumordnungsplanung gestrichen. Dieser Schritt ist am Mittwochnachmittag per Beschluss rückgängig gemacht worden. Die Schieneninfrastruktur soll damit – zumindest auf dem Papier – erhalten bleiben. Denn eines stellt Salzwedels Landrat Michael Ziche klar: „Wir reden hier heute nicht über die Wiederinbetriebnahme.“ Dieses Vorhaben ist aus seiner Sicht „problembehaftet.“ Allein wegen der Bahnübergänge gebe es erheblichen Handlungsbedarf.

Das verneint Gerhard Curth von der Deutschen Regionaleisenbahn (DRE) nicht. Die Gesellschaft hat die Strecken von der Deutschen Bahn gepachtet und hält sie in einem befahrbaren Zustand, beziehungsweise versucht, diesen wieder herzustellen. Aber der Geschäftsführer setzt darauf, dass sich, allein aufgrund klimapolitischer Ziele, wieder mehr Güter- und Personenverkehr auf die Schiene verlagern wird.

Hoffnung auf Zuschüsse

Die DRE als „Selbsthilfebahn“ könne die Infrastruktur nur schrittweise wieder in Instand setzen. Denn sie erhalte keine Zuschüsse von Bund und Land, erklärt Curth. Er hofft, dass sich das ändert, um dem „Zukunftsbündnis Schiene“ gerecht zu werden. Es gebe einen Interessenten für den Güterverkehr auf der Arendseebahn und Richtung Oebisfelde/Wolfsburg will der Deutsche Bahnkundenverband in den kommenden Jahren Personenverkehr etablieren. Beide Strecken seien zudem für eine touristische Nutzung geeignet. Curth: „Wobei kein Wettbewerb zum ausgezeichneten Busverkehr des Altmarkkreises entstehen soll.“

Beim „Schienengipfel“ mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sei deutlich geworden, dass beide Strecken als sogenannte Umfahrungs- und Nebenabfuhrlinien dienen könnten. Beispielsweise für die Hauptstrecke Hamburg-Wittenberge-Berlin, wo es ab 2021 einen 30-Minuten-Takt für den ICE-Verkehr geben soll. Sollte es dazu kommen, werde die DRE in die Lage versetzt, die angesprochenen Bahnübergänge instand zu setzen und technisch auszustatten.

Zu wenige Fahrgäste

Peter Panitz von der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA) sah das anders. Die Strecken seien nicht umsonst 2002 aufgegeben worden. Zu wenige Fahrgäste, zu langsam, nicht konkurrenzfähig und wenig attraktiv lautete das vernichtende Urteil. Und auch das Pilotprojekt bis 2004, Züge nur am Wochenende zwischen Salzwedel und Arendsee fahren zu lassen, „war von bescheidenem Erfolg gekrönt“, so Panitz.

Trotzdem entschieden die Mitglieder der Planungsgemeinschaft einstimmig, die raumordnerische Zielstellung zu unterstützen. Denn Mobilität sei gerade in der Altmark wichtig.