Salzwedel l Es ist eine Wohltat für Augen und Ohren: Auf der Bühne des Clubs Hanseat in Salzwedel wird endlich wieder musiziert. Aktuell wird dort der Landessieger des Musikwettbewerbs „Local heroes“ ermittelt. Nur leider ohne Publikum – es ist alles anders als sonst.

Für gewöhnlich qualifizieren sich die Musiker über Vorausscheide für das Landesfinale. Dort wiederum wird eigentlich vor Gästen ein kleines Konzert gespielt und wer von Jury und Publikum die meisten Stimmen bekommt, zieht in das große Bundesfinale und vertritt Sachsen-Anhalt. Aufgrund der Corona-Pandemie ist das in diesem Jahr nicht möglich. Deshalb hat sich das Local-heroes-Team etwas anderes einfallen lassen. „Die Bands bekommen in diesem Jahr ein professionelles Coaching und wir zeichnen ein Musikvideo mit ihnen auf“, erklärt Local-heroes-Chefin Julia Wartmann. Das fertige Video wird in etwa zwei Wochen einer Fachjury aus Musikredakteuren, Veranstaltern und Musikern präsentiert. „Wenn sie es gesehen haben, werden sie in einer Live-Videokonferenz den Sieger ermitteln“, erläutert Wartmann weiter. Das wiederum ist die Eintrittskarte für das Bundesfinale 2020.

Mehr als 50 Bewerber

„Wir hatten in diesem Jahr mehr als 50 Bewerber“, freut sich Julia Wartmann. Unterm Strich blieben fünf Bands, die sich im Landesfinale messen können. „Eine Band musste kurzfristig absagen, der Bassist hat sich einen Finger gebrochen.“ Somit bleiben noch vier Bands. Eine davon: Deepest Fish aus Magdeburg. Die reine Instrumentalband, die sich beim Vorausscheid in Salzwedel für das aktuelle Landesfinale qualifizierte, hatte am 12. August ihren Videodreh im Hanseat. „Endlich mal mit einem richtigen Tontechniker arbeiten“, feixten die Bandmitglieder auf der Bühne mit Blick auf den Salzwedeler und Aktion-Musik-Leiter Michael „Elvis“ Schulze, der den Ton wie gewohnt auf den Punkt durch die Boxen schickte.

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X-Factor-Sieger

Für das Coaching hat „Local heroes“ unter anderem David Pfeffer gewinnen können. Der Musiker erlangte überregionale Bekanntheit, als er die Musik-Castingshow „X-Factor“ beim TV-Sender VOX für sich entscheiden konnte. Er steht den Nachwuchskünstlern für alle Fragen rund um das Musikbusiness zur Verfügung. „Beim Coaching wird den jungen Musikern erklärt, was es mit Gema auf sich hat, wie eine GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) gegründet wird oder ob man ein Band-Bankkonto braucht“, erzählt die Local-heroes-Chefin. Vieles sei für die Nachwuchsmusiker noch absolutes Neuland. Michael Schulze hingegen steht als Mentor in Sachsen Sound zur Seite.

„Der Bedarf für solche Schulungen ist da“, sagt Julia Wartmann. Sie habe bisher nur positive Rückmeldungen der Musiker bekommen. Daher könne es 2021 möglich sein, dass „Local heores“ zweigleisig fahre. Sprich: Es gibt sowohl den gewohnten Wettbewerb auf der Bühne, als auch den Coaching-Tag mit Videodreh. „Mit den Videos können sie später auf ihren eigenen Kanälen für sich werben.“ Nicht jede junge Band könne von sich behaupten, ein professionelles Musikvideo zu haben. Dafür ist übrigens Paul Hiersche von Aktion Musik zuständig. Er sitzt während des Drehs vor großen Bildschirmen und schneidet hinterher das Video.

Bundesfinale in Magdeburg

Offen bleibt aber: Was wird aus dem Bundesfinale? Dieses fand bisher immer am ersten November-Wochenende in Salzwedel, dem Gründungsort von „Local heroes“, statt. Doch ob Corona dies zulässt, steht in den Sternen. Julia Wartmann zumindest hat daher zwei Pläne in der Tasche. Zum einen das reguläre Bundesfinale im Kulturhaus. Doch bis Ende Oktober sind Großveranstaltungen noch untersagt. Ob sich dann noch kurzfristig ein Bundesfinale stemmen lässt, darf mindestens bezweifelt werden.

Daher noch Plan B. Dieser sieht vor, dass das Local-heroes-Team zum Club „Insel der Jugend“ in Magdeburg ausweicht. „Wir haben einen Vorausscheid und auch das Landesfinale in Salzwedel ausgetragen, daher können wir dann mal zum Finale in die Landeshauptstadt“, heißt es vonseiten des Teams. Noch aber ist nichts in trockenen Tüchern.