Tierquälerei

Katzenbabys die Ohren abgeschnitten

Eine Tierärztin schildert die Qualen der Katzenbabys. Ein Salzwedeler (27) muss sich wegen Tierquälerei vor Gericht verantworten.

Von Alexander Rekow 18.03.2021, 00:01

Salzwedel l Mit vor Scham gesenkten Kopf hört ein 27-Jähriger am Mittwoch (17. März), was die Vertreterin der Staatsanwaltschaft ihm vorwirft. So soll der verschuldete Arbeitslose im Oktober 2019 seine zwei Katzenwelpen massiv verstümmelt haben. Nur durch das gemeinsame Handeln von Veterinäramt und Tierärztin konnte das Leben der noch jungen Tiere gerettet werden.

Um das Ausmaß der Verstümmelung zu verdeutlichen, reicht Richter Klaus Hüttermann zum Auftakt der Verhandlung am Schöffengericht Fotos der malträtierten Katzenwelpen durch den Saal. Betroffene Stille, als die grausamen Bilder von Staatsanwaltschaft, Sachverständigen und Schöffen begutachtet werden. Nur der Angeklagte will das lieber nicht. „Ich möchte es nicht nochmal sehen.“ Vielmehr lässt er von seinem Verteidiger ausrichten, dass es ihm sehr Leid täte, er zum Tatzeitpunkt alkoholisiert gewesen sei und sich ohnehin im Detail nicht mehr erinnern könne. „Ich weiß auch nicht, ob sie noch leben“, so der 27-Jährige.

Viel hat der Angeklagte in der Verhandlung nicht zur Aufklärung des Tathergangs beigetragen, weshalb der Richter Informationen bei der seinerzeit zuständigen Veterinärmedizinerin als Zeugin sucht.

Es sei eine Anzeige beim Veterinäramt eingegangen, beginnt die Frau zu erzählen. Zwei Mal sei sie deshalb vor Ort gewesen, doch nie sei der Angeklagte dagewesen.  „Die Jalousien waren immer unten.“ Das war am 30. September und 1. Oktober 2019.

Eine Woche später sei schließlich die Mutter ins Veterinäramt  gekommen. In der Hand Transportboxen mit den Tieren. „Die Mutter sagte, sie wurden gequält.“ Beim Blick auf die Welpen wurde der Amtstierärztin das Ausmaß klar. „Sie wurden verbrüht, Ohren abgetrennt und stanken nach Urin.“ Die verwahrlosten Tiere, eine Katze und ein Kater, seien damals nur etwa drei Monate alt gewesen. Große Bereiche seien stark entzündet und die Wunden verkrustet gewesen. „Bei der Katze fehlte auch noch ein Stück der Lippe.“ Daher seien die Samtpfötchen im Anschluss direkt zu einer Salzwedeler Tierärztin zur Notfallbehandlung gebracht worden.

Die Augen des Angeklagten bleiben weiterhin auf den eigenen Schoß gerichtet, als der Richter wissen will, wie und wann genau es dazu kommen konnte. „Ich habe zu viel getrunken und Gedanken im Kopf gehabt“, flüstert er in Richtung Klaus Hüttermann. Doch dem Richter reicht das nicht. „Ein Ausraster erklärt nicht die starken Verletzungen bei zwei Katzen. Haben Sie kein Mitgefühl entwickelt?“ Auf eine Antwort warten die Prozessbeteiligten vergebens.

Und so ist es die behandelnde Tierärztin, die als weitere Zeugin für mehr Klarheit sorgen soll. Sie erinnert sich noch gut, als ihr die Katzenwelpen vom Veterinäramt in den laufenden Praxisbetrieb gebracht worden sind. „Die Tiere hatten ein gestörtes Allgemeinbefinden.“ So seien die Ohrmuscheln um ein Drittel gekürzt worden. Ein Tier mit hochgradiger Haarlosigkeit, zurückzuführen auf Verbrennungen. Die oberste Hautschicht am Brustbereich sei weggewesen. Überall Vernarbungen. „Solch schwere Verletzungen können sich Katzen nicht selbst zufügen.“ Aufgrund der starken Schmerzen und um die Welpen überhaupt behandeln zu können, habe sie beide sofort in Narkose gelegt. Eine Woche später wären sie wohl verendet.

Die Fassungslosigkeit über die Tat ist der Medizinerin anzumerken. Denn neben den Wunden seien die Tiere auch unterernährt gewesen. „Der Zustand war erschreckend, sie haben extrem gelitten.“ Wie die Katzen nun schlussendlich verbrüht wurden, konnte nicht geklärt werden. Dass die Ohren bewusst gekürzt wurden, steht zumindest für die Tierärztin fest. Da noch weitere Zeugen gehört werden sollen, ist ein zweiter Verhandlungstag angesetzt worden.