Salzwedel l 36 Jahre lang arbeitete Marion Benkert in der Arbeitsvorbereitung der Salzwedeler Kerzenfabrik. „Ich war bis zum Schluss dort“, berichtete sie am Freitagnachmittag in der zweiten Etage des Salzwedeler Danneilmuseums im Gespräch mit der Volksstimme. Im Museum trafen sich auf Initiative des ehemaligen Versandleiters Klaus-Dieter Middelhoff rund 40 ehemalige Mitarbeiter des großen Werkes, das einmal Beschäftigung für mehr als 240 Altmärker bot. Mitte des vergangenen Jahres kam dann das schleichende Ende für die Produktion am Fuchsberg. Die letzten rund 40 Mitarbeiter verloren damals ihren Job.

„Das ist schon emotional“, sagt Ursula Burgdorf, ehemalige Laborleiterin des TKO (Technisches Kontrollorgan) über das Treffen mit ihren ehemaligen Kollegen. „Für mich war schon beim zweiten großen Schwund nach der Wende Schluss“, berichtete sie, dass sie bereits 1991 ihren Arbeitsplatz in der Kerzenfabrik verlor. Sie verschlug es nach einer Umschulung später beruflich nach Niedersachsen. „Wir waren fast ein reiner Frauenbetrieb“, erinnert sie sich an die Arbeit in der Kerze zurück.

Zu den beschäftigten Frauen im Großbetrieb am Salzwedeler Stadtrand gehörte auch Elfriede Schuppe, die 20 Jahre lang im Betriebsverkauf arbeitete. Sie kommt aus Buchwitz. „Wir hatten unsere Arbeit dichte bei“, berichtet die Seniorin, dass sie früher immer mit dem Rad zur Schicht fahren konnte.

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Ausstellung vorbereitet

Im Danneilmuseum hat dessen Leiter Ulrich Kalmbach in einem Raum eine kleine Ausstellung zur Kerzenfabrik vorbereitet. „Schau mal. Für die Teelichter“, nimmt Fred Schönfeld einen Streifen Blech in die Hand, aus dem die kleinen Dochthalter für Teelichter ausgestanzt wurden. Schönfeld arbeitete 16 Jahre als Anlagenfahrer in der Produktion am Fuchsberg. Er begann dort erst nach der Wende. Gemeinsam mit Marion Benkert streifte er am Freitag durch die Ausstellung der Produkte aus der Kerzenfabrik.

„Zehn Jahre wurde niemand eingestellt, dann wurde auf einmal wieder eingestellt“, sagte Benkert zur Zeit nach der Wende. Einige Preise für die Firma bezeugen in der Ausstellung die gute Qualität der Kerzen aus Salzwedel. Der Laden lief in dieser Zeit wieder. Allerdings nur bis 2018. Bereits im September 2017 verkündete der Mutterkonzern KCB Candle Company, dass die Produktion nach Polen verlagert werde. Ende Mai 2018 war dann endgültig Schluss. 41 Jahre lang waren bis dahin Kerzen in der Hansestadt produziert worden.

Fast alle Arbeit gefunden

„Das Gros ist untergekommen“, merkt Marion Benkert beim Blick in die Runde an, dass fast alle ehemaligen Kollegen wieder Arbeit gefunden haben. Dann geht es weiter durch die kleine Ausstellung. Fast alle haben leuchtende Augen, vertiefen sich ins Gespräch über die Erzeugnisse, die in großen Teilen exportiert wurden. Nach der Wende zählten dann auch Möbelriese Ikea und die Drogeriemarktkette Schlecker zu den Kunden. Doch das ist heute alles Geschichte.

Bei einem gemeinsamen Essen schwelgten die Ehemaligen weiter in Erinnerungen.