Salzwedel l Bunte Plakate mit Willkommensbotschaften und aufgemalten Herzen begrüßten am Dienstag die Kinder und Eltern an den Eingängen zu den Kitas. Dann hieß es erst einmal diszipliniert zu sein und zu warten. Denn einfach reinmarschieren in die Häuser, wie vor der Corona-Krise, ist in den städtischen Einrichtungen nicht möglich. Dort haben die Leitung des Eigenbetriebs und die Mitarbeiter ein Schleusensystem etabliert. Sie nehmen die Jungen und Mädchen in Empfang und bringen sie in ihre Gruppen. Zuvor heißt es noch Schreibkram erledigen. Name, Gesundheitsstatus und Aufenthaltsdauer werden erfasst. Dann gab es am Dienstag aber kein Halten mehr. Nach fast drei Monaten sahen die Kinder ihre Freunde und ihre vertrauten Erzieher wieder.

99 Kinder werden aktuell in der Kronsberg-Kita betreut. Davon 7 in der Krippe. Erfahrungen haben die Mitarbeiterinnen bereits in der Notbetreuung sammeln können. Allerdings war da nur ein Drittel der „üblichen Kinderschar“ anwesend.

„Wir sind den Eltern sehr dankbar. Sie haben ihre Kinder gut auf die veränderte Situation vorbereitet“, sagt Christine Blank, Leiterin am Kronsberg. Deren breite Auffahrt bietet ausreichend Platz zu warten. Auf den Beton sind als Hilfe kreative Abstandshalter aufgezeichnet. Am Nachmittag funktioniert es ähnlich. Wer seinen Sprössling abholen will, klingelt. Dann kommen die „Schleusenmädels“, wie Christine Blank mit einem Schmunzeln erzählt. Das sind sie und ihre Stellvertreterin Kerstin Schawe-Adler. Sie holen die Kinder aus den Stammgruppen und übergeben sie an die Eltern oder die jeweilige Betreuungsperson. Alle seien bisher geduldig und verständnisvoll, wenn Wartezeiten entstehen, lobt die Kita-Leiterin. Viele gingen humorvoll mit der ungewohnten Situation um.

Eingeschränkter Betrieb

Die Chefin weist noch einmal darauf hin, dass es sich um einen eingeschränkten Regelbetrieb handelt. Und das bedeutet Einschnitte im Kindergartenalltag. So gibt es für jede Gruppe ein zugewiesenes Areal auf dem Spielplatz. Allerdings wird im Laufe des Tages getauscht, so dass die Kinder ihr Lieblingsspielgerät nicht vermissen müssen. Außerdem ist eine Gruppe immer außerhalb der Einrichtung unterwegs. „Wir haben ja nebenan gleich den Park, da können sie laufen und dort den Spielplatz nutzen“, betont Christine Blank.

Durchs ganze Haus laufen und gemeinsames Spielen oder Projekte über die eigene Stammgruppe hinaus sind aktuell nicht möglich. Was alles zu beachten ist, haben die Erzieher mit den Kindern besprochen und spielerisch geübt. Vieles wussten die älteren Jungen und Mädchen schon. „Sie haben ja zu Hause schon viel mitbekommen“, erzählt Kerstin Schawe-Adler. Nachdem sie die große Mehrheit ihrer Schützlinge seit dem 16. März nicht mehr gesehen hatten, sind die Erzieher über den Entwicklungsschub, den einige Kinder gemacht haben, erstaunt. Die lange Zeit zu Hause habe vielen gut getan. Aber nun sei es Zeit, wieder mit Freunden und Erziehern Spaß zu haben und zu lernen.

52 von 55 Kindern werden wieder in der bilingualen Kita „Kinderhouse Salzwedel“ betreut, wie die stellvertretende Leiterin, Mandy Pollehn, weiß. Und dies stellt die Einrichtung durchaus vor Herausforderungen, wie sie sagt. Denn derzeit sei das Personal etwas knapp. Daher habe die Einrichtung einen Antrag gestellt, in den Randgruppen, sprich morgens und abends, die Kinder auf zwei Gruppen aufzuteilen. Tagsüber würden es drei Gruppen sein. „Je nach Alter sind maximal 27 Kinder in einer Gruppe“, erzählt Mandy Pollehn. Außerdem seien die Öffnungszeiten dem derzeitigen Zustand angepasst worden. Denn hatte die Einrichtung sonst von Montag bis Donnerstag von 6.45 bis 17 Uhr und freitags bis 16 Uhr geöffnet, würden nun täglich 16 Uhr die Türen geschlossen.

In Kleinstgruppen ins Bad

Beim Thema Hygiene werde nun besonders acht gegeben. „Wir schauen, dass die Kinder nur in Kleinstgruppen in die Bäder gehen.“ Das funktioniere aber gut, da das Kinderhouse über mehrere Bäder verfüge. Schwieriger hingegen gestalte sich der Kontakt zwischen den Kindern. Umarmungen oder Knuddeln seien unumgänglich für die Kleinen. „Wir müssen ja auch mal trösten.“

Eine Änderung gibt es auch beim gemeinsamen Essen. Denn konnten die Kinder zuvor selbst in die Töpfe greifen und sich etwas auf den Teller tun, übernehmen diese Aufgabe nun die Erzieher.

Die Resonanz der Eltern auf die Abstandsregeln und weitere Änderungen sei mitunter verhalten ausgefallen. „Wenn sie morgens geballt kommen, ist das mit wenigen Erziehern schwierig“, berichtet die stellvertretende Leiterin. Einige Eltern würden verständnisvoll reagieren, andere hingegen schimpfen. Doch unterm Strich würde alles funktionieren. Zumindest besser als der Informationsfluss zuvor. „Die Eltern wussten oft aus den Medien mehr als wir.“ Die Erzieher aber hätten diese dann darauf vertrösten müssen, dass erst auf ein offizielles Schreiben gewartet werden müsste.

Deutlichere Ansage

In der integrativen Kindertagesstätte „Am Goethepark“ und den anderen Einrichtungen der Lebenshilfe Altmark West ist die Betreuung wieder angefahren worden, wie deren Leiter Christian Mehlicke berichtet. Aufgrund des erforderlichen Hygienekonzeptes mit großen personellen Herausforderungen. Aus seiner Sicht hätte die Politik viel deutlicher sagen müssen, dass es sich um einen eingeschränkten Regelbetrieb handelt. Nun seien viele Eltern enttäuscht, wie wenig Spielraum den Einrichtungen aufgrund der 6. Eindämmungsverordnung bleibe. Das gelte auch für die Betreuungszeiten, die nicht mehr in vollem Umfang gewährt werden könnten. Und kurzfristig Hilfspersonal einzustellen, sei quasi unmöglich, weil gar keine Kräfte zur Verfügung stünden, die dann auch noch zu befristeten Verträgen arbeiten müssten.