Konrad Fuchs konkretisiert seine Einsparvorstellungen

"Kreis zahlt für ein Stadtmuseum"

Von Uta Elste

Konrad Fuchs (SPD) bat während der Sitzung des Kreisausschusses am Montag die Mitglieder des Gremiums, in den Fraktionen die Museumslandschaft des Altmarkkreises auf Einsparpotenziale zu überprüfen (die Volksstimme berichtete gestern). Besonders im Blickfeld des Gardelegener Bürgermeisters: das Johann-Friedrich-Danneil-Museum in Salzwedel sowie die Personalstärke im Freilichtmuseum Diesdorf.

Salzwedel. Er wollte seine Darlegungen als grundsätzliche Überlegungen verstanden wissen, begann Konrad Fuchs während der Sitzung des Kreisausschusses seine Erläuterungen. Er erinnerte an die flächendeckend desolate Lage in den kommunalen Haushalten der westlichen Altmark. Daraus resultiere die Frage, was man sich an freiwilligen Aufgaben noch leisten könne. Diese Frage stelle sich eben auch für die Museumslandschaft.

Das Land nicht als Allheilmittel sehen

Für das Freilichtmseum Diesdorf ist im Haushalt des Altmarkkreises ein Zuschuss von knapp 368800 Euro veranschlagt. Eine Besucherzahl von 22000 wird angepeilt, davon die Hälfte Gäste, die vor allem von angebotenen Veranstaltungen nach Diesdorf gelockt werden. Die Kosten pro Besucher liegen laut Etat bei 24 Euro, der Kostendeckungsgrad bei 10 Prozent. Im vergangenen Jahr blieb die Besucherzahl jedoch hinter den Erwartungen zurück: Rechnete man 2010 mit etwa 21000 Besuchern, waren es in der Endabrechnung etwa 17000. Mit Blick auf die Personalkosten von 283000 Euro wirft Fuchs die Frage auf: "Müssen im Freilichtmuseum fünf Leute arbeiten?" Allerdings sollen die Personalkosten in den kommenden drei Jahren um etwa 68000 Euro sinken und 2014 bei etwa 214000 Euro liegen

Eine "absolut richtige Variante" ist aus Sicht von Konrad Fuchs die Unterstützung durch einen Förderverein. Es gebe genügend Leute mit entsprechendem Verdienst, die in die Verantwortung mit einbezogen werden müssten, "Dinge, die uns lieb und wertvoll sind" zu erhalten.

Gardelegen habe selbst sein Stadtmuseum schließen müssen, erinnerte Fuchs. Nunmehr werde jedoch nach Wegen für eine Wiederbelebung gesucht, "und da ist einfach der Geist der Stadt gefragt". Er selber würde sich nach seiner Amtszeit dort aktiv ehrenamtlich einbringen wollen.

Auf Hilfe des Landes solle man besser nicht hoffen, so Fuchs. Eineinhalb Stunden habe er während des Sachsen-Anhalt-Tages Gelegenheit gehabt, sich mit Finanzminister Jens Bullerjahn zu unterhalten. Fazit: Das Land werde wohl etliches an Fördermitteln reduzieren. "Wir müssen uns abgewöhnen, das Land als Allheilmittel anzusehen." Vielmehr werde es wohl bei Fördermitteln zurückrudern.

Auf keinen Fall solle das Freilichtmuseum Diesdorf geschlossen werden, stellt Fuchs jedoch ebenfalls klar. Schließlich ist Sachsen-Anhalts einziges Freilichtmuseum auch ein Alleinstellungsmerkmal für die Region.

Das Stichwort Alleinstellungsmerkmal treffe ebenso auf die Langobardenwerkstatt in Zethlingen zu. Und dafür gebe es einen sehr rührigen Förderverein, erinnert der Gardelegener Bürgermeister. Sicherlich sei für dieses besondere Museum auf dem Zethlinger Mühlenberg in touristischer Hinsicht noch einiges möglich.

Mit einer gewissen Skepsis betrachtet Konrad Fuchs jedoch die gemeinsame Darstellung der Langobardenwerkstatt mit dem Salzwedeler Danneilmuseum im Etat des Altmarkkreises. Letzteres ist aus seiner Sicht ein typisches Stadtmuseum. Im Heimatmuseum in Letzlingen und auch in der Heimatstube in Jävenitz leisten Vereinsmitglieder bemerkenswerte Arbeit, "und in Salzwedel zahlt der Landkreis für ein Stadtmuseum", vergleicht Konrad Fuchs.

Für das Danneilmuseum und die Langobardenwerkstatt werden 2011 7500 Besucher erwartet, ebensoviele wie 2010. Mit 7449 wurde die angepeilte Zahl auch nahezu erreicht. Für beide Einrichtungen zusammen werden die Kosten pro Besucher auf 58 Euro veranschlagt, Tendenz in den kommenden Jahren wohl leicht sinkend. Der Kostendeckungsgrad liegt bei drei Prozent, als Zuschussbedarf sind für 2011 knapp 312000 Euro eingeplant worden, die bis 2014 auf etwa 306000 Euro sinken sollen.

Bildung wird nie kostendeckend sein

Eine etwaige Übernahme des Danneilmuseums in Trägerschaft der Stadt Salzwedel müsse der Stadtrat beschließen, so Hauptamtsleiter Matthias Holz auf Volksstimme-Anfrage. So, wie die Trägerschaft derzeit organisiert sei, mache das Modell durchaus Sinn. "Außerdem ist es problematisch, in Zeiten der Haushaltskonsolidierung eine weitere freiwillige Aufgabe zu übernehmen", gab der Hauptamtsleiter zu bedenken.

"Bildung wird nie kostendeckend sein", erwiderte Gabriele Gruner, Fraktionschefin der Linken, auf den Vorstoß von Konrad Fuchs während der Kreisausschusssitzung. "Wenn erstmal etwas kaputt gemacht wurde, ist es schwer, es wieder aufzubauen", warnte sie.

Landrat Michael Ziche sprach sich für eine Diskussion der Frage im Ausschuss für Sport und Kultur vor dem Hintergrund aus, dass das Konsolidierungskonzept des Altmarkkreises immer wieder überprüft werden müsse.

Allerdings sei es schwer, den Zuschussbedarf mit anderen Kommunen zu vergleichen, gab er zu bedenken. Denn im doppischen Haushalt des Altmarkkreises müssen auch die Aufwendungen für Abschreibungen mit berücksichtigt werden, was in Kommunen mit kameralistischem Haushalt noch keine Rolle spiele.

Jürgen Barth, Vorsitzender der SPD-Fraktion, erklärte auf Volksstimme-Nachfrage, das Konrad Fuchs im Kreisausschuss seine persönliche Meinung dargelegt hatte. "Sicher darf es während der Diskus- sion um den Haushalt keine heiligen Kühe geben." Aber man müsse eben auch genau hinsehen, wo der Schnitt angesetzt werde.