Salzwedel l „Keep out“, frei übersetzt „Kein Zutritt“, ist schon ein etwas fragwürdiger Titel für eine Sammlung von Kunstobjekten, die im Normalfall von Besuchern lebt. Davon ließen sich die mehr als 100 Gäste aber nicht abhalten, bei der Ausstellungseröffnung dabei zu sein. Letztlich hatte es der Künstler Ulli Bomans auch nicht so gemeint, denn diese Warnung galt mehr ihm. Denn er hatte sich bei seiner Suche nach Exponaten in städtische Bereiche begeben, die besser gemieden werden sollten. Es sind die großen Metropolen dieser Welt, die ihn anziehen. Urbane Ballungsgebiete mit all ihren Sonnen- und Schattenseiten. Städte wie Mexico City, Los Angeles, New York, Belgrad oder Detroit.

Nicht, dass er für die Natur nichts übrig habe, schränkte Bomans nach dem offiziellen Teil in einem Gespräch seine Leidenschaft ein. Aber während für ihn die Natur Faszination bedeute, gäben die großen Städte ihm die Inspiration für seine Werke. Und diese wurden gefertigt aus Objekten, die sich in den Straßen der Städte finden ließen. Objekte, die sich für einen Großteil der Menschen auf vier Buchstaben reduzieren lassen, nämlich auf Müll. Nicht so in den Augen des Künstlers. Jedes Fundstück besaß einmal einen Wert, der sich in Dollar, Peso oder Dinar beziffern ließ, erläuterte er. Nachdem sie auf der Straße gelandet waren, ging dieser auf Null. Erst als der Künstler Bomans sie dem Straßenstaub entriss, gab er ihnen nicht nur eine neue Bestimmung, sondern verhalf ihnen auch zu einem Wertzuwachs.

Mutig und experimentell

Stiftungsvorstand Achim Dehne bewertete die Sammlung in seinem Grußwort als mutig, experimentell, politisch, aber auch provokant. Ein Wagnis? Mitnichten. Dabei bezog er sich auf einen Artikel der Volksstimme: „Die Verantwortlichen des Kunsthauses sind immer für eine Überraschung gut und für Premieren.“ Worte, die Dehne aus dem Herzen sprachen, denn auch für die Organisatoren war es eine Überraschung, zugleich die nunmehr neunte Ausstellung und eine Bereicherung für das Kunsthaus.

Bilder

Achim Dehne verwies auf eine Werbung aus den 1980er Jahren, als Tennisspielerin Ulrike Jokiel behauptete, sogar nachts für ein Stückchen des Schokoladenriegels aufzustehen. Auch Dehne gefalle die Ausstellung so gut, dass er sogar morgens vor der Arbeit, während sich die Ausstellung noch im Ausbau befand, durch die Räume wandelte, um sie sich anzuschauen. Für ihn habe die Redewendung: „Gute Kunst berührt den Betrachter“ eine neue Bedeutung erlangt.

Neue Energie

Als bekennender New-York-Fan beurteilt er die Charakterisierung dieser Metropole in Bomans Collage als äußerst gelungen. „Zerreißprobe“ hatte Bomans seine Darstellung des Dauerthemas Kim Jong-un und Donald Trump genannt und diesem durch die Umsetzung zusätzliche Tiefe gegeben.

Kunsthaus-Mitarbeiterin Anne Buch hat die Ausstellung von Anfang an begleitet. Sie kennt den Künstler aus dem wendländischen Neutramm, wo er bei der Kulturellen Landpartie ebenfalls mit einer Ausstellung präsent war. Die Ausstellung bringe neue Energie und Dynamik in das Kunsthaus, so ihre Empfindung. Ein Kurzfilm, in dem der Künstler über seine Werke sprach, machte zusätzlich neugierig auf die Werke und eröffnete den Countdown auf die offizielle Begehung der Ausstellungsräume.

Musiker mit Salzwedeler Wurzeln

Für die Vernissage habe man lange überlegt, welche Art von Musik diese besonders gut rahmen könnte. Und bei der Suche seien die Organisatoren auf zwei Musiker mit Salzwedeler Wurzeln gestoßen. Erie Weisselt am Piano und Lars Düseler am Contrabass, seit Jahren in Berlin lebend, ließen den Swing der 1920er Jahre noch einmal aufleben. Ein gelungener Abend, der viele Sinnesorgane berührte