Salzwedel l Seit Wochen, ja Monaten, machen sich Kulturinteressierte Gedanken darüber, wie es mit dem Kulturangebot in der Hansestadt Salzwedel weitergehen wird. Denn seit Langem ist bekannt, dass der bisherige Leiter des Kulturamts, Joachim Mikolajczyk, in den Ruhestand gehen wird. Nicht nur Stadträte befürchten einen Rückgang der bislang gebotenen Qualität. Nun steht auch der Termin fest: Am 31. März ist für Mikolajczyk Schluss. Das heißt, dass bis dahin Bürgermeisterin Sabine Blümel die Nachfolge geregelt haben muss. So eine Situation wird auch mit Zeitdruck umschrieben.

Bislang ist es der Verwaltung gelungen, das Thema nicht öffentlich unter Verschluss zu halten. Doch irgendwann sickerte die Absicht durch, das Kulturamt künftig nicht mehr als volle Amtsleiterstelle zu führen, sondern in einen Halbtagsarbeitsplatz umzuwandeln. „Doch wie soll das gehen?“, fragten und fragen sich nicht wenige, die sich in der Kulturszene auskennen. Schließlich hat sich Salzwedel als Kulturstätte in den vergangenen Jahren einen klangvollen Namen in der Region gemacht.

Dazu haben unzählige Veranstaltungen im Kulturhaus, aber auch in der Mönchskirche, die als Kunst- und Konzerthalle genutzt wird, sowie der Stadt- und Kreisbibliothek beigetragen. Sei es durch Gastspiele bekannter Musiker (etwa Hannes Wader, Konstantin Wecker, Tony Christie, Karat), Literaten (unter anderem Wladimir Kaminer, Friedrich Schorlemmer oder Hellmut Karasek), Aufführungen des Theaters der Altmark (Faust. Der Tragödie erster Teil oder Cabaret), Ausstellungen (Eispferde, Rauminstallation von Angelika Flaig) oder Auftritte vielfach preisgekrönter Stand-up-Comedians wie beispielsweise des Salzwedelers Ingmar Stadelmann oder Rüdiger Hoffmann und Olaf Schubert.

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Keine Kunst der Marke 08/15

Die Beispiele zeigen, dass sich Salzwedel nicht nur der großen Veranstaltungen annimmt. Bislang legte die Hansestadt auch Wert auf das etwas Andere, weniger Publikumswirksame. Dass hier nicht 08/15-Kunst zu sehen ist, hatte sich bereits über die Landesgrenzen hinaus herumgesprochen.

Und doch: Der Eigenbetrieb KulTour wurde zum 31. Dezember 2016 aufgelöst und ebenso wie dessen Mitarbeiter zum 1. Januar 2017 in den neu geschaffenen Bereich „Amt für Kultur und Tourismus“ übertragen. Das Stadtarchiv, das bis dahin unter dem Dach des Eigenbetriebs angesiedelt war, kam zum Hauptamt.

Bereits im August 2016 wollte Grüne-Stadtrat Martin Schulz von Bürgermeisterin Sabine Blümel wissen, ob es einen Plan gibt, wer die Veranstaltungen organisiert, wenn der jetzige Betriebsleiter Joachim Mikolajczyk in den Ruhestand geht. „Ich möchte für die Zukunft ein Konzept haben“, forderte Schulz damals.

Nun sieht es so aus, dass Cornelia Wiechmann als Geschäftsführerin der Freizeit- und Service GmbH und Amtsleiterin – jeweils halbtags – die Nachfolge Mikolajczyks zum 1. April antritt. Darüber wird Bürgermeisterin Sabine Blümel nach Informationen der Volksstimme die Mitarbeiter heute in einer Personalversammlung informieren. Eine öffentliche Ausschreibung der Stelle hat es im Übrigen nicht gegeben.

1. April besonderes Datum

Der 1. April scheint für Wiechmann, eine anerkannte Fachfrau auf ihrem Gebiet, ein besonderes Datum zu sein. Mit der Auflösung der Jeetze-Landschaftssanierung im Sommer 2016 – die Muttergesellschaft des Märchenparks – erhielt die damalige Prokuristin ihre Kündigung zum Jahresende. Daraufhin orientierte sich die „Mutter des Märchenparks“ neu und sollte eine neue Stelle bei der Arbeitsförderungs-, Beschäftigungs- und Strukturentwicklungsgesellschaft (ABS) Drömling antreten.

Doch dann kam alles anders. Wiechmann kehrte zum 1. April 2017 mit einer halben Stelle in den Märchenpark zurück, zuständig für Planung und Finanzen der Einrichtung. Die andere halbe Stelle war in der Kämmerei der Stadtverwaltung angesiedelt. Dort ist sie bislang für die Bilanzen des Märchenparks zuständig.

Ob es im Zusammenhang des Personalwechsels zu Veränderungen in den Zuständigkeiten des „Amts für Kultur und Tourismus“ kommen wird, dazu machte Bürgermeisterin Sabine Blümel gegenüber der Volksstimme keine Angaben. Offen ließ sie auch die Frage, welche Gründe letztlich dafür gesprochen haben, die bislang volle Amtsleiterstelle in Salzwedel künftig nur noch zu 50 Prozent (also halbtags) zu besetzen.