Salzwedel/Zichtau/Gartow l Fünf Welpen hat die Wölfin in der Colbitz-Letzlinger Heide geworfen – in dem Gebiet, in dem sich die Tiere auch schon in den vorangegangenen Jahren reproduziert hatten. Ob es sich um das Elternpaar handelt, dass nachweislich seit 2013 erfolgreich Jungtiere aufgezogen hat, lasse sich nicht hundertprozentig sagen. „Es kann auch sein, dass ein Wechsel stattgefunden hat“, sagt der Wolfsbeauftragte des Bundesforstamtes und Revierförster Horst Schulze. Mindestens ein Jahr lang, meist bis zum nächsten Wurf der Fähe, werden die heranwachsenden Jungwölfe bei ihren Eltern bleiben. Dann ziehen sie aus dem elterlichen Territorium ab, um, wenn sie mit etwa zwei Jahren geschlechtsreif sind, einen Partner zu finden und in einem eigenen Revier eine Familie zu gründen. Weibliche Tiere werden auch länger im Rudel geduldet. „Sie beteiligen sich im sozialen Gefüge ihres Familienverbandes an der Aufzucht der Welpen“, berichtet Horst Schulze.

Territoriales Paar

Nachdem sich seit etwa 2014/2015 ein sogenanntes territoriales Paar im Zichtauer und Klötzer Forst angesiedelt hat, ist dort zum ersten Mal Nachwuchs gesichtet worden. Die Biologin Antje Weber, die sich am Wolfsmonitoring in der Region beteiligt, hat mindestens drei Welpen gesehen und sie zum Teil per Fotofalle im Bild festgehalten.

Laut dem Wolfsmonitoringbericht 2014/2015 des Landesamtes für Naturschutz Sachsen-Anhalt gibt es im Bundesland sieben Rudel, eins kommt jetzt in den Hellbergen bei Zichtau hinzu. Im Durchschnitt wurden im Berichtszeitraum 3,7 Welpen pro Wolfspaar aufgezogen. Insgesamt wird landesweit von 64 Wölfen ausgegangen, die gesichert nachgewiesen werden konnten.

Bereits im vergangenen Jahr ist in der wendländischen Göhrde, dem größten zusammenhängenden Waldgebiet Niedersachsens, ein Wolfspaar heimisch geworden. Nun wurden dort sechs Welpen per Fotofalle entdeckt. Somit gibt es in Niedersachsen neun Wolfsrudel mit insgesamt 80 Tieren.

Erste Hinweise auf Wolfsvorkommen gab es im Raum Göhrde schon 2013. Erst im Mai 2014 wurde ein Wolfsrüde durch eine Kot- offiziell Losungsanalyse nachgewiesen. Kurze Zeit später folgte ein Fotofallenbild und im Sommer 2014 noch ein Filmnachweis. Im Mai 2015 konnten zwei andere Individuen durch Genanalysen bestätigt werden. Dabei handelte es sich um einen Rüden aus dem Rudel Gartow und eine Fähe aus dem Rudel Munster. Die Landesjägerschaft teilt mit, dass „diese zwei Tiere im Laufe des Jahres immer wieder genetisch erfasst wurden“, was bestätigte, dass sich im Raum Göhrde ein territoriales Paar etabliert hatte. Im Juli 2016 konnte das erste Mal Nachwuchs bestätigt werden.

Ein neuer Wurf ist auch beim Wolfsrudel auf dem Truppenübungsplatz Munster belegt worden: in die Fotofalle liefen dort fünf Welpen. Beim Wolfsrudel im Raum Gartow gibt es mindestens zwei Jungtiere. Auch in Niedersachsen wird die Ausbreitung der Wölfe wissenschaftlich dokumentiert. Das niedersächsische Umweltministerium hat mit dem Wolfsmonitoring die Landesjägerschaft beauftragt, die diese Aufgabe wahrnimmt.