Salzwedel l Diese Entscheidung der Landesregierung beendet 53 Tage voller Einsamkeit und Isolation. Seit dem 19. März waren die Menschen in den Zimmern der Salzwedeler Alten- und Pflegeheime von persönlichen Kontakten zu Kindern, Enkeln und Freunden abgeschnitten.

Dass sich die Öffnung zurückhaltend und unter Auflagen vollziehen werde, tue der Freude keinen Abbruch, ist Marion Vongehr-Bülow überzeugt. Sie ist Geschäftsführerin der Salzwedeler Vita Seniorenzentren. In deren Häusern leben 150 alte Menschen. Sie alle freuen sich darauf, ihrer Verwandten von Angesicht zu sehen, wenn auch nicht berühren zu können. Die jüngste Corona-Eindämmungsverordnung schreibt einen Mindestabstand von 150 Zentimetern zwischen Besuchern und Besuchten vor. Direkte Berührungen seien untersagt.

Achterbahn der Gefühle

„Das wird eine Achterbahn für die Gefühle aller Beteiligten“, sagt Doris Stranz. Die Leiterin des Seniorenzentrums Jeetzeblick fühlt mit den Bewohnern des Hauses, darunter Ehepaare, die seit Jahrzehnten verheiratet sind: „Was machen Menschen, die sich vor Corona jeden Tag besucht und gedrückt haben, um ihre Liebe und Verbundenheit auszudrücken?“, fragt die Einrichtungsleiterin. Zudem hatten nicht alle Senioren während der zurückliegenden Wochen die Möglichkeit, den Kontakt zu ihrer Familie über elektronische Medien zu halten. Stranz: „Es sei eine Menge, was nun ohne Worte gesagt werden muss.“

„Für uns war die Entscheidung, das Haus so kurzfristig für Besucher zu öffnen, zunächst ein Schreck“, sagt Jürgen Letzas. Wie in anderen Einrichtungen hatte auch der Geschäftsführer des Pflegeheims „Am Karlsturm“ große Mühe darauf verwendet, die Bewohner vor jeglichem Außenkontakt zu schützen. Die Mitarbeiter der Pflegedienste hätten in dieser Zeit großes Einfühlungsvermögen gezeigt, Geduld und menschliche Zuwendung aufgebracht.

Von Haus zu Haus gelten andere Regeln

Mit der Öffnung der Häuser stehen die Pflegerinnen und Pfleger nun vor einer neuen Herausforderung. Wenigstens bedeute die neue Regel nicht, dass man zu einem Besucherverkehr wie vor dem Ausbruch des Virus zurückkehre, sagte Letzas. Da sich die Umsetzung der Richtlinien an den Möglichkeiten der jeweiligen Einrichtungen orientiert, gibt es in den Salzwedeler Altenheimen keine Lösung von der Stange. Im Fall der Vita-Häuser ist das Zeitfenster für Besucher täglich von 14 bis 15.30 Uhr geöffnet. Jeder Bewohner dürfe nur einen Besucher am Tag empfangen. Es sei also nicht möglich, dass, etwa Geschwister, den Großvater gemeinsam besuchen.

Auch Besuche in Begleitung eines Kindes sind untersagt. „Wir rechnen nicht mit einem Ansturm“, sagt Marion Vongehr-Bülow. Zwar müssen Besucher eine beabsichtigte Visite nicht eigens anmelden. Unverzichtbar sei es aber, dass im Heim die Daten des Besuchers erfasst werden: Neben Namen, Adresse und Telefonnummer gelte es unter anderem, Fragen nach Anzeichen von Erkältung, Auslandsreisen und eventuellen Risikokontakten zu beantworten.

Angehörige angeschrieben

Der Jeetzeblick geht einen anderen Weg: Doris Stranz hatte die Angehörigen sämtlicher Einwohner angeschrieben. Neben einer Schilderung der üblichen Einschränkungen fordert das Schreiben auch dazu auf, Besuchswünsche bei der Heimleitung anzumelden. „Wir haben in unserem Speiseraum sechs Tische vorbereitet. Dort besteht die Möglichkeit, Bewohner, zweimal am Tag, von Montag bis Freitag, zu besuchen.“ Die Zeitfenster öffnen sich von 10 bis 11 Uhr und von 14 bis 16 Uhr. Jeder Gast werde von den leitenden Mitarbeiterinnen des Hauses persönlich in Empfang genommen und in den Speiseraum geführt. „Die Versorgung unserer Bewohner steht an erster Stelle“, sagt Stranz. Die vergangenen Wochen hätten die Pflegekräfte bis an die Grenzen belastet, und so hatte sich die Einrichtungsleiterin kurzerhand selbst für den Besucher-Begleitdienst verpflichtet.

Am Karlsturm gibt es Besuchszeiten von 10 bis 11 Uhr und von 14 bis 16 Uhr. Erlaubt ist der Zutritt für die nächsten Angehörigen in einem Alter ab 16 Jahren. Für Bewohner, die ihre Enkel und Urenkel sehen möchten, stehe der Garten der Einrichtung offen. Auch dort gelte aber ein Sicherheitsabstand von 200 Zentimetern.