Salzwedel l Es war vor gut zwei Wochen. Als Hans und Iris Marciniak beim Abendbrot saßen, hörten sie plötzlich einen ohrenbetäubenden Knall in unmittelbarer Nähe ihres Hauses an der Bocksbrücke 5. „Auch die Nachbarn in weitem Umkreis haben es mitbekommen“, erzählt Hans Marciniak. Er sei sofort losgelaufen, um zu sehen, was passiert ist, und bekam einen riesen Schreck. Fast der gesamte Anbau des Nachbarhauses ist zusammengestürzt. Mehrere Decken sind gebrochen und heruntergefallen, genau wie die Wände. Von der Terrasse aus haben die Marciniaks nun einen Blick direkt auf die Ruine und in die Räume, die seit Langem nicht mehr bewohnt sind.

Amt informiert

Nur unweit wohnt Stadt-Kämmerer Olaf Meining. Er versprach, den Fall dem zuständigen Kreis-Bauordnungsamt zu melden. Tatsächlich gab es kurze Zeit später einen Anruf und Mitarbeiter der Behörde erschienen, um sich die Situation anzuschauen. „Aber seitdem ist nichts mehr passiert“, sagt Hans Marciniak. Obwohl, das stimmt nicht ganz. Am vergangenen Freitag gab es erneut einen Rumms und weitere Teile des Gebäudes stürzten in sich zusammen.

Das Flachdach des Anbaus sei ebenfalls stark mitgenommen. Die Dachpappe ist kaputt und weist Dellen auf. Es sei zu befürchten, dass die große terrestrische Antenne, die sich bereits gefährlich geneigt hat, auf das Nachbargrundstück stürzt.

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Hausfront zur Straße ebenfalls instabil

Das ist aber noch nicht alles. Die Hausfront zur Straße ist ebenfalls instabil. Ein Balken wölbt sich nach außen. Er sei sehr beunruhigt, dass er nachgibt und die Hauswand auf Gehweg und Straße fällt. Er habe noch einmal im Kreis-Bauamt nachgehakt und zur Antwort bekommen, dass die Lage bekannt sei und der Eigentümer angeschrieben wurde, berichtet der Salzwedeler.

Der ehemalige Besitzer sei gestorben, der Erbe habe bislang lediglich zur Straße die Fenster mit Platten vernagelt. Den bereits mit Bäumen und anderem Grün zugewachsenen Innenhof habe eine Nachbarin aus Sorge um die Grundmauern ihres Hauses auf eigene Kosten beräumen lassen.

Das Objekt sei dem Bauordnungsamt bereits seit längerer Zeit bekannt, erklärt Kreissprecherin Birgit Eurich auf Anfrage der Volksstimme. Nachdem der Zusammenbruch der Außenwand des Anbaus bekannt geworden sei, habe es die Ortsbesichtigung gegeben. „Dabei wurde auch die Vorderfront des Gebäudes angeschaut und mit Fotos aus den Vorjahren verglichen“, erklärt Eurich. Eine akute Einsturzgefahr bestehe nach Auffassung der Mitarbeiter nicht. Trotzdem wurde der ermittelte Eigentümer aufgefordert, einen Standsicherheitsnachweis zu erbringen. Dafür wurde ihm eine Frist eingeräumt, die noch nicht verstrichen ist. „Diese bleibt vorerst abzuwarten“, erklärt Eurich.

Hoffen auf Einsicht des Eigentümers

Ein Fakt, den die Familie Marciniak erst einmal hinnehmen muss. „Ich bin kein Fachmann“, sagt der Anwohner des einsturzgefährdeten Hauses. Die Sorge um das eigene Grundstück sei damit nicht ausgeräumt. Zudem bleibt die Frustration, dass sich der Eigentümer des ursprünglich einmal schönen alten Innenstadtgebäudes bislang so gar nicht um seinen Besitz kümmert. Es bleibt die Hoffnung, dass die Aufforderung der Behörde Wirkung zeigt.