Kricheldorf l „Ich wusste erst einmal nicht, wie es weiter geht“, blickt Holger Kreft zurück. Am 5. Februar 2018 stand seine Werkstatt in Kricheldorf und somit auch die Existenz des Bau- und Möbeltischlermeisters in Flammen. Rund zehn Monate sind seit der verheerenden Nacht vergangen.

Aus dem Schlaf gerissen

Es ist 2.30 Uhr in der Nacht von Sonntag auf Montag, als Holger Kreft von seiner Schwiegermutter aus dem Schlaf gerissen wird. „Ich habe gedacht es ist ein Albtraum“, erinnert sich Kreft an die Nacht. Doch es sollte keiner sein, als der 56-Jährige gemeinsam mit seiner Frau Jana Kreft ihre Haustür verließen, um nur wenige Meter weiter Werkstatt und den Dachstuhl des Hauses der Schwiegermutter in lichterlohen Flammen zu sehen. Nachbarn hatten kurz zuvor bereits die Feuerwehr alarmiert. Deren rasches Handeln konnte vermutlich das Familienhaus und die restlichen Gebäude auf dem Hof retten, denn als die Feuerwehr den Brandort erreichte, kam für Werkstatt und Wohnhaus bereits jede Rettung zu spät.

Holger Kreft stellt Fenster und Türen aus Kunststoff her. Die Werkstatt war in einer alten Scheune. Genügend brennbares Material, um ein Inferno auszulösen. Holger Schmidt, Stadtwehrleiter der Salzwedeler Feuerwehr, erinnert sich, die Flammen vom Ortseingang Salzwedels gesehen zu haben. Mit der Hilfe von Wehren aus Pretzier, Ritze, Gerstedt und Steinitz wurde der Brand bekämpft. Das Feuer der Scheune wurde mit einer Wassersperre aus Strahlrohren im Zaum gehalten. Beim Dachstuhl des Wohnhauses war es hingegen kniffliger. Mit Axt und Kettensäge betraten die Einsatzkräfte das Gebäude und zerlegten an einer festgelegten Grenze das Haus in seine Einzelteile, um den Sprung der Flammen auf ein direkt angrenzendes Gebäude zu verhindern, beschreibt Wehrleiter Schmidt den Ablauf der Brandbekämpfung. Von der Scheune und dem Wohnhaus der Schwiegermutter blieben nur Ruinen übrig. Die 83-Jährige musste zudem mit einer leichten Rauchvergiftung ins Altmark-Klinikum gebracht werden.

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Glück im Unglück

Am Tag darauf folgten beunruhigende Laufwege für Holger Kreft. Die Kriminalpolizei ermittelte nach der Brandursache. Polizeisprecher Frank Semisch sagt, dass der Grund mit hoher Wahrscheinlichkeit technisch war. Auf Brandstiftung gab es keine Hinweise.

Dann der Weg zur Versicherung und die beängstigende Frage, die sich der Tischlermeister stellte: Wird jemand für den Schaden aufkommen? Der Altmärker hatte Glück im Unglück – die Kosten des Schadens wurden übernommen.

Reparaturarbeiten

Doch der Arbeitsplatz existierte nicht mehr. Wie also weiter? Der Tischlermeister fuhr nach dem Feuer noch einmal auf Montage, da sein Transporter bereits am Vorabend abfahrbereit auf dem Hof stand. Danach hielt sich der Handwerker mit allem über Wasser, was nur einen Werkzeugkoffer benötigte. Das reichte für Reparaturen von Fenstergiebeln, bis zum Einbau von Türklinken.

Drei Monate später rückte wieder schweres Gerät an. Diesmal nicht die Feuerwehr, sondern Abrissmaschinen. Am 5. Mai begannen die Arbeiten an den Ruinen und der Neubau konnte beginnen. Heute ist fast alles fertig und die Werkstatt erstrahlt im neuen Glanz. Noch wenige Wochen soll es dauern, bis alle Bauarbeiten abgeschlossen sind.

Vor Weihnachten großer Bedarf

Seinen Betrieb hatte Holger Kreft 1987 als Bau- und Möbeltischlerei gegründet. Kunststofffenster und Türen sind sein Spezialgebiet. Diese stellt er seit 1994 in Kricheldorf her und beliefert Kunden im gesamten Altmarkkreis.

Seit Ende November fährt er wieder auf Montage. Vor dem Brand hatte er drei Mitarbeiter im Betrieb. Heute beschäftigt er einen Monteur, doch die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Er plant bereits neue Mitarbeiter für die Zukunft ein. Besonders vor Weihnachten ist der Bedarf groß, wie er sagt. Gerade im Hinblick auf den Winter sind Ausbesserungsarbeiten gefragt, die im warmen Sommer noch nicht dringend waren. Und trotz der langwierigen Abstinenz, halten Stammkunden zu Holger Kreft. Der Handwerker sagt, viele freuen sich, dass er endlich wieder an Bord sei.