Salzwedel l Den Bismarckturm auf dem Schwarzen Berg kennen Generationen von Salzwedeler Familien als beliebtes Ausflugsziel. Viele Jahre stand das imposante Bauwerk vor dem Verfall. Den Aktiven des Preußenvereins Altmark ist es zu verdanken, dass heute ein sanierter Turm neu erstrahlt. Und für die Familie von Regina Giesdorf (67) nun auf ganz besondere Weise. Denn im Treppenaufgang versteckt sich ein Stück tragische Familiengeschichte.

Im Mittelpunkt steht dabei das Schicksal von Werner Lücht, dem Onkel von Regina Giesdorf. Der junge Mann kämpfte als Soldat im Zweiten Weltkrieg an vielen Fronten. Nach einer schweren Verwundung kam der 23-jährige Salzwedeler im Frühjahr 1944 ins Lazarett in Bad Colberg (Thüringen). Anschließend durfte der junge Mann zum Genesungsurlaub in seine Heimatstadt reisen.

An der Ostfront vermisst

Wann genau Werner Lücht zwischen März und Mai 1944 dann den Bismarckturm besuchte, ist nicht mehr bekannt. Aber der Soldat hinterließ dort eine bleibende Erinnerung. Er ritzte seinen Namen mit Jahreszahl in einen Stein. Wenig später musste Lücht zurück in den Krieg. Er kam an die Ostfront. Seit Juli 1944 gilt er in Rumänien als vermisst.

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„Wegen diesem einen Stein kommen wir immer wieder hier her“, erzählt Regina Giesdorf im Beisein ihrer Tochter Heike. „Ich habe schon gefragt, ob man das denn dürfe, also einfach seinen Namen reinkratzen“, wendet sie sich an Gerald Herr vom Preußenverein. „In diesem Fall machen wir einmal eine Ausnahme“, sagt Herr verständnisvoll. In Absprache mit der Familie wurde nun eine kleine Tafel an der Wand im Turm angebracht, die an Werner Lücht erinnert.

„Meine Großmutter hat viel von ihrem Werner erzählt“, sagt Regina Giesdorf. Der junge Mann hatte gerade seine Bäckerlehre absolviert, als der Krieg begann. „Das war bei meinem Vater auch so“, erinnert sich die 67-Jährige an Gespräche mit ihrer Oma. Doch Heinz Lücht kam nach drei Jahren in englischer Gefangenschaft zurück in die Heimat. Werner nicht. „Für meine Großmutter eine ganz schlimme Zeit“, weiß Regina Giesdorf.

Ein Ort der Mahnung

Deshalb wurde der eingeritzte Name ein wichtiger Erinnerungsort für die Familie. Ein Grab gab es ja nicht. „Wir haben viele Radtouren zum Bismarckturm unternommen, haben oft hier gesessen und Grießbrei gegessen“, schwelgt Regina Giesdorf in Erinnerungen an viele Ausflüge zum Schwarzen Berg unweit der Warthe. Durch Zufall kam sie im vergangenen Jahr an einem Öffnungstag am Bismarckturm mit Gerald Herr vom Preußenverein ins Gespräch. So reifte die Idee für die Erinnerungstafel.

Für Gerald Herr sowie Regina und Heike Giesdorf ist diese Tafel nun auch ein Ort der Mahnung. „Dieses Beispiel zeigt, wie ein junger Mensch damals verheizt worden ist“, wird Gerald Herr deutlich. Heike Giesdorf ergänzt im Gespräch: „Es ist aktueller denn je in der heutigen Zeit. Jeder kann sich nun seine Gedanken dazu machen.“