Salzwedel l Kein Mindestlohn, ein Klima der Angst bei der Arbeit und unfaire Behandlung von Frauen, das beklagten Beschäftigte des Salzwedeler Stanzwerkes im Gespräch mit der Volksstimme Anfang Februar dieses Jahres. Danach habe sich einiges geändert und auch zum Guten gewendet, erzählt eine Mitarbeiterin, im Namen weiterer Kolleginnen (Name der Redaktion bekannt). Noch immer gibt es aber Unzulänglichkeiten im Arbeitsablauf, und bei der Bezahlung wünschen sich die Beschäftigten ein Lohnplus für den anstrengenden Job, der je nach Auftragslage mit Überstunden verbunden ist.

Immerhin habe, nachdem sie die Missstände öffentlich angesprochen hatten, ein Umdenken der Geschäftsleitung eingesetzt. „Wir waren anfangs regelrecht euphorisch“, sagte eine der beiden Frauen, die damals den Mut aufbrachten, ihre Sorgen und Nöte offen anzusprechen, nachdem sie in der Chefetage kein Gehör fanden.

Arbeitsaufteilung besser

Damals seien Frauen unfair behandelt worden, hätten weniger Lohn bekommen als männliche Kollegen, wurden „hin und her geschubst“, erzählten sie. „Die Arbeitsaufteilung der Frauen ist jetzt besser und gleichmäßiger geworden.“ Keine werde mehr bevorzugt oder benachteiligt. Das fänden die meisten gut. Sie seien zufriedener und gingen wieder ohne ungutes Gefühl oder gar Angst zur Arbeit, schätzt die Mitarbeiterin ein.

Ein Knackpunkt, der den Stein im Februar ins Rollen gebracht hatte, ist ebenfalls gelöst. Zu dem Zeitpunkt erhielten die Beschäftigten 8,35 Euro die Stunde, der Mindestlohn betrug aber da bereits 9,35 Euro, dazu gab es eine Prämie von 100 Euro im Monat. Sie war aber an gewisse Auflagen, wie eine ständige Anwesenheit und die Erfüllung von Normen gebunden. Im Krankheitsfall oder bei Urlaub sei sie beispielsweise gekürzt oder gar nicht gezahlt worden, womit der Mindestlohn nicht erreicht worden sei, wie die Frauen berichteten. Diese Praxis wurde abgestellt. „Wir bekommen jetzt 9,35 Euro, die Prämie aber nicht mehr, die hätten wir zusätzlich natürlich gern behalten“, sagt sie. Zuschläge gibt es für Akkord, aber das sei schwer bis gar nicht zu schaffen.

Höhe richtet sich nach Qualifikation

Zur Erbauung in Corona-Zeiten hat der Betrieb jedem Mitarbeiter zwei Kinokarten geschenkt. „Eine nette Geste“, meint sie. Doch gerade die Mitarbeiter, die nur den Mindestlohn erhalten, wünschten sich eine finanzielle Zulage in Form einer Gehaltserhöhung.

Das Fazit der Mitarbeiterinnen: Klima und Fairness unter den Kollegen seien besser geworden, aber sie wünschen sich ein Sprachrohr, dass die Belegschaft gegenüber der Geschäftsführung vertritt. Das wäre für sie ein Betriebsrat für die rund 120 Mitarbeiter.

Geschäftsführer regelmäßig vor Ort

Der Betrieb gehört zur Stanzwerk Wetter Sichelschmidt GmbH mit Hauptsitz in Wetter an der Ruhr in Nordrhein-Westfalen. Nachdem die öffentlichen Vorwürfe auch dort wahrgenommen wurden, sei der Geschäftsführer regelmäßig nach Salzwedel gekommen, damit seien auch die positiven Änderungen eingetreten.

Michael Huneck, Chef des Werks in Salzwedel, bestätigt, dass die Prämie inzwischen Bestandteil der Löhne ist. Deren Höhe richte sich nach Qualifikation und Arbeitsaufgabe und liege zum Teil über dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn. Dass es dabei immer Wünsche gebe, sei verständlich. Aber: „Es gibt bei uns regelmäßig Lohnerhöhungen“, so Huneck.

Offene Gesprächskultur

Zudem habe es in der Firma schon immer eine offene Gesprächskultur gegeben, daher könne er die Vorwürfe hinsichtlich eines „Klimas der Angst“ und der Benachteiligung von Frauen nicht nachvollziehen.

Der Geschäftsführer des Unternehmens sei inzwischen öfter vor Ort und lade die Mitarbeiter zu Sprechstunden ein, in denen sie ihre Probleme vortragen können. Außerdem gebe es Gruppensprecher, die Wünsche oder Sorgen der Kollegen an die Führungskräfte herantragen. Eine Kommunikation zwischen den einzelnen Ebenen sei ständig gegeben. „Wir haben immer ein offenes Ohr für die Belegschaft“, ist er sich sicher.