Salzwedel l Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometer pro Stunde fegte Tief „Bennet“ am Montag über Sachsen-Anhalt. In der Altmark waren es laut dem Deutschen Wetterdienst 70 bis 85 Kilometer pro Stunde. Diese reichten aus, um in Hohenböddenstedt eine Scheune komplett zum Einsturz zu bringen. Im Stadtteil Perver in Salzwedel riss der Sturm ein Dach von einer Lagerhalle und zog mehrere Häuser in Mitleidenschaft.

„Man muss das einmal erlebt haben.“ Heinz Laule nahm es mit Humor und einem erschöpften Lächeln, dass seine Scheune von einem heran gewehten Blechdach demoliert wurde. Er und seine Frau Hannelore hatten Glück im Unglück. Kurz zuvor hatte Heinz Laule sein Auto aus der Scheune gefahren. „Wir wollten gerade zum Arzt“, erklärte seine Frau, „und auf einmal kam das Dach an“, ergänzte ihr Mann. Gegen 10.30 Uhr fegte der Sturm über Salzwedel. Eine Stunde später war der Schwiegersohn der beiden schon dabei, erste Schäden in der Scheune auszubessern. Auf beiden Seiten des Daches klafften große Löcher, wo die Dachziegel dem Sturm nachgegeben hatten. Die Dachteile flogen mehr als 100 Meter weit.

Blechdach gehörte zu einer Lagerhalle

Ein weiteres Haus in der Sankt-Georg-Straße, schräg gegenüber der Laules, hat es ebenfalls erwischt. „Meine Schwester ist gerade reingekommen, da hat es schon geknallt“, erinnerte sich Hausbesitzer Ralf Binde. Dachdecker hat er bereits gerufen.

Bilder

Ursprünglich gehörte das Blechdach zu einer kleinen Lagerhalle auf dem Gelände der ehemaligen Kohlebrandstoffhandlung Paitz. In der Halle stehen heute Landmaschinen. Kathrin Paitz kam mit ihrem Mann extra von Magdeburg nach Salzwedel gefahren, um den Schaden zu begutachten. „Das muss sofort gesichert werden“, sorgte sie sich um die Stabilität des alten Gebäudes.

Am Montag gingen bis 13.45 Uhr 20 gemeldete Unwettereinsätze beim Altmarkkreis Salzwedel ein. Meist wegen gestürzter Bäume, die Land- und Bundesstraßen blockierten. In den Nachbarregionen gab es dadurch zahlreiche Feuerwehreinsätze.

Den Anfang machte Engersen, wo die Brandbekämpfer um 10.30 Uhr in Richtung B 71 ausrückten, weil ein Baum auf der Straße lag. Zehn Minuten später machte sich die Feuerwehr Brunau in Richtung Plathe auf, weil auch dort ein Gehölz quer lag. Gegen 10.50 Uhr wurde dann die Feuerwehr Kakerbeck alarmiert, weil es auf der B 71 in Richtung Wiepke einen Sturmschaden zu beseitigen galt. Nur drei Minuten später ging auch in Packebusch die Sirene, wo die Brandbekämpfer einen Baum von der L 12 in Richtung Lohne räumen mussten.

Storchennest hängt neben Burggiebel

Einige Zeit später, um 11.46 Uhr, traf es noch einmal die Feuerwehr Brunau. Sie musste eine Ölspur auf der Dolchauer Straße beseitigen, die sich wegen des Regens auf bis zu zwei Meter verbreitert hatte.

In Kalbe selbst gab es kaum Schäden – abgesehen vom Storchennest auf der Burg, das jetzt neben dem Giebel hängt, statt darauf zu thronen. Auch dort besteht nun Arbeitsbedarf.

Rund um Arendsee sind die Feuerwehren ebenfalls mehrmals ausgerückt. Bei Friedrichsmilde-Vorwerk mussten gestern gegen 11.45 Uhr die Feuerwehrmänner eine im Sturm umgestürzte Birke von der Straße räumen. Zuvor hatte die Einsatzleitstelle Altmark kurz vor 11 Uhr Sirenenalarm ausgelöst, weil an der Seehäuser Straße in Arendsee ein großer Ast auf die Fahrbahn gekracht war. Dort musste anschließend noch eine Ölspur beseitigt werden.

In Klötze ertönte die Sirene erstmals um 10.33 Uhr. In Richtung Schwiesau lag ein Baum auf der Straße. Eine weitere Alarmierung gab es um 14.04 Uhr, dieses Mal ging es für die Brandbekämpfer in Richtung Nesenitz, wie Stefan Lange, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei der Klötzer Feuerwehr, mitteilte. Außerdem, so hieß es vom Altmarkkreis Salzwedel, lagen mittags bei Trippigleben mehrere Bäume auf der Fahrbahn. Und um 15.04 ertönte die Sirene in Klötze ein drittes Mal.

Stromkabel und Baum auf Dorfplatz

In der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf wurde die L 7, auf Höhe der Kreuzung Markau, kurz nach 10 Uhr von einem Baum blockiert. In Hohenböddenstedt überstand eine alte Scheune den gestrigen Vormittag nicht. Das riesige Gebäude krachte unter der Wucht des Sturms zusammen. In Schieben bei Kuhfelde lagen Stromkabel und ein Baum auf dem Dorfplatz, wie der Altmarkkreis mitteilte.

In Salzwedel gab es neben den bereits erwähnten Schäden im Perver einen umgestürzten Baum auf der B 248 (Lange Straße) im Stadtteil Sienau.