Salzwedel l Ein Leben ohne Tiere? Für Ina Fegebank unvorstellbar. Seit 22 Jahren sorgt sie als tiermedizinische Fachangestellte dafür, dass Hund, Katze und Co. wieder genesen und damit auch dafür, dass es den Besitzern der Vierbeiner wieder besser geht. „Das ist mein absoluter Wunschberuf“, erzählt die 45-Jährige.

In der Tierarztpraxis hat sie übrigens auch Alfons getroffen. Es sei Liebe auf den ersten Blick zwischen ihr und dem Mops-Welpen gewesen, blickt sie zurück. Die täglich Runde mit dem inzwischen dreijährigen Hund ist für sie Ausgleich und Fitnesstraining zugleich. „Einen besseren Personaltrainer gibt es nicht“, schwärmt Ina Fegebank. Den Ausspruch von Loriot „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“ könne sie daher voll unterstützen.

Schlimmer Ort

Da damals ihre Katze die Mutterrolle bei dem heranwachsenden Hund übernommen hatte, habe Alfons von dieser so einiges abgeguckt. „Er leckt sich beispielsweise die Pfoten wie eine Katze“, erzählt Ina Fegebank.

Doch in der Tierarztpraxis freuen sich nicht alle Vierbeiner auf die Begegnung mit Ina Fegebank und ihren Kolleginnen. „Sie wissen eben genau, dass wir der schlimme Ort sind, an dem es auch mal weh tut.“ Ina Fegebank hat im Laufe der Jahre spezielle „Techniken“ verinnerlicht, um die tierischen Patienten zur Untersuchung zu bewegen, angefangen mit einem strengen, aber nicht bedrohlichen Blick bis hin zur „Bestechung“ mit einem kleinen Leckerli. Doch so ganz ungefährlich sei der Job nicht. Die Möglichkeit, dass die Tiere auch mal zubeißen, bestehe eben. Ina Fegebank lässt sich alle fünf Jahre gegen Tetanus impfen.

Besitzersorgen

Häufig sind jedoch nicht nur die vierbeinigen oder gefiederten Patienten behandlungsbedürftig. Auch die Besitzer wollen ihre Sorgen loswerden, zögern mitunter, ihren Liebling auf den Behandlungstisch zu setzen, wollen ihn beschützen und am liebsten gar nicht loslassen. „Man muss sich auf Gespräche einlassen, denn die Tiere sind für viele Menschen ihr Baby, ein richtiger Familienangehöriger, den man nur schweren Herzens hergibt. Da ist Vertrauen ganz wichtig.“

Wenn einem Tier nicht mehr zu helfen sei und es eingeschläfert werden müsse, „das geht mir immer sehr nahe. Das bewegt uns alle hier“, berichtet sie weiter. Jüngere Leute legen sich dann häufig wieder ein neues Haustier zu. „Wenn man ihnen begegnet, dann heißt es oft: Wir können einfach nicht ohne Hund.“ Entschließen sich dagegen ältere verwaiste Haustierbesitzer zu einem neuen tierischen Mitbewohner, sei dieser oft ebenfalls nicht mehr der Jüngste und komme häufig aus dem Tierheim, hat Ina Fegebank festgestellt.

Bettler

Herz-Kreislauf-Probleme, Arthrose oder der sogenannte Katzenschnupfen sind die häufigsten Krankheiten, um die sich Ina Fegebank mit ihren Kolleginnen sowie der Chefin Karla Lorenz-Schubert kümmern. Des Öfteren leiden Tiere auch an Adipositas, weil ihre Besitzer oft den bettelnden Blicken nicht widerstehen können und zu viele Leckerlis verabreichen.

In ihrem beruflichen Alltag bekommt es Ina Fegebank mit Kleintieren verschiedenster Art zu tun, nicht nur Hunde oder Katzen, sondern auch Hamster, Ziervögel, Mäuse und Ratten oder auch Ziervögel, kurz „eben alles, was auf dem Markt ist“. Der ungewöhnlichste Einsatz führte Ina Fegebank jedoch in den Löwenkäfig. „Dass muss 1997 gewesen sein. Ein Zirkus gastierte in Salzwedel, und zwei der Tiere, Kim und Simba, litten an Durchfall. Das waren damals Jungtiere, etwa 16 bis 17 Wochen alt.“ Nein, Angst habe sie damals nicht gehabt, obwohl Löwen in diesem Alter schon ordentlich fauchen können.

Verantwortung

Ihre gesammelten Erfahrungen gibt sie gern weiter. Wer sich beruflich mit Tieren beschäftigen will, sollte idealerweise schon mit Vierbeinern aufgewachsen sein und „wissen, wie sie ticken“, empfiehlt Ina Fegebank.

Und wer darüber nachdenkt, sich ein Haustier zuzulegen, der sollte sich bewusst sein, dass ein Tier Verantwortung und Zuwendung bedeutet.