Salzwedel l Sie sind bei den Salzwedelern ziemlich beliebt: das Uhu-Pärchen im Salzwedeler Burggarten. In ihrem Revier scheinen sich die Greifvögel auch ziemlich wohl zu fühlen, denn mindestens zum dritten Mal ziehen die beiden Altvögel ihren Nachwuchs in dem historischen Areal groß.

Seit einigen Wochen häufen sich die Anfragen bei der Volksstimme: „Sind unsere Uhus noch da?“ oder „Wurde eigentlich schon Nachwuchs gesichtet?“ Die Fragen lassen sich schnell beantworten. Zum einen waren die Alttiere nie weg, und zum anderen haben sich am vergangenen Wochenende erstmals die Jungtiere gezeigt. Wie in den Jahren zuvor, werden die kleinen Uhus wieder in einem Fenster des Burgturms großgezogen. Und genau dort sind sie auch heute. Und eigentlich müsste die Aufzucht der Vögel für die beiden „Alten“ ungestört funktionieren, da der Burggarten aufgrund der Corona-Pandemie für Besucher gesperrt ist. Doch Ruhe haben die Greifvögel trotzdem nicht.

Fällarbeiten stören die Tiere

Drei oder vier kräftige Flügelschläge, dann waren sie weg. Das Uhu-Pärchen hat am Vormittag des 27. Aprils die Flucht ergriffen. Grund dafür sind die derzeitigen Fällarbeiten des Wirtschaftshofes im Burggarten. Für die beiden Vögel offensichtlich zu viel Lärm: Sie machten sich in Richtung Park des Friedens aus dem Staub. Zurück aber blieben ihre Jungtiere, die noch nicht fliegen können. „Das ist eine echte Belastung für die Tiere“, sagt der Magdeburger Ornithologe Klaus-Jürgen Seelig (75). Er kennt die beiden Alttiere und hat im vorigen Jahr den Nachwuchs beringt. Der erfahrene Uhu-Experte geht nicht davon aus, dass die beiden Standvögel ihre Jungen nun zurücklassen würden. Trotzdem rät er der Stadtverwaltung, die Fällarbeiten noch einmal zu überdenken. Schließlich würden derzeit viele weitere Vogelarten ihren Nachwuchs ausbrüten und könnten das Gelege verlassen – falls dieses nicht schon den Fällungen zum Opfer gefallen ist.

Bilder

Derzeit hat das Uhu-Pärchen im Burggarten mindestens zwei Jungtiere, denn diese konnte die Volksstimme zusammen im Fenster des Turms sehen. Auch Anwohner am Burggarten konnten schon einen Blick erhaschen. Doch es könnten auch wieder vier Junge sein, wie im Vorjahr. „Es ist gut möglich, dass sich weitere im Hintergrund aufhalten“, so Seelig. Das liege daran, dass die Vögel oftmals in unterschiedlichem Entwicklungsstand seien. Heißt: Die Größeren trauen sich schon an die Fensteröffnung und überblicken das Revier, während die Kleinen sich noch zurückhalten. Fest aber steht: Alle werden noch mit Beute versorgt. Anfangs jage nur das Männchen und bringe das Futter zum Nistplatz. Das Weibchen wiederum verteile die Nahrung. In genau dieses Phase wäre es für die Jungen das Todesurteil, wenn die Mutter verstirbt oder aufgrund der extremen Nebengeräuschen, wie die einer Kettensäge, dauerhaft flüchten würde. Dann würde zwar das Männchen weiter jagen und Beute bringen, aber niemand würde die Jungen mehr füttern. „Die würden dann verhungern“, so der Ornithologe. Bei den Salzwedeler Jungtieren geht der Uhu-Experte aber davon aus, dass diese, aufgrund der Beschreibung, schon etwa vier Wochen alt sein könnten und mittlerweile alleine fressen. Das heißt, dass beide Alttiere auf Jagd gehen und Nahrung in den Turm bringen.

Reichlich Beute vorhanden

Bei der Beute handele es sich vorwiegend um Tauben, Igel oder Mäuse. Selbst geschwächte Katzen seien möglich. „Das Nahrungsangebot für sie ist in Salzwedel gut.“ So biete der Burggarten immer etwas auf ihrer Speisekarte. Aber nicht nur dort, auch der Umkreis gehört zum Revier, weiß der Ornithologe. Daher sei es wenig verwunderlich, wenn Fußgänger gerupfte Vögel oder Igelschale im Umkreis in Nischen oder auf Dächern finden würden. „Die Uhus haben Vorratsplätze zum Zerkleinern der Beute.“

Noch sehen die Jungtiere ziemlich puschelig aus und können ihre Brutstätte nicht verlassen. Erst im Mai werden sie ihren Nistplatz mit einem mutigen Sprung verlassen. Fortan suchen sie sich Verstecke, beispielsweise in Gebüschen, aber auch erhöhte Mauerplätze. „Uhus sind gute Kletterer.“ Klaus-Jürgen Seelig rät eindringlich davon ab, sich den Wildtieren zu nähern, diese mitzunehmen oder übermäßig zu stören. Auch im vergangenen Jahr wurde ein Jungtier aufgelesen, weil es am Boden saß. „Die sehen vielleicht etwas hilflos auf, sind es aber nicht.“ Erst recht sollte strikt darauf geachtet werden, dass Hunde angeleint werden, eine Begegnung könnte für beide Beteiligten tödlich enden – Stichwort Krallen und Schnäbel.

Uhu-Experte kommt nach Salzwedel

Schon in wenigen Wochen will der Uhu-Experte aus der Landeshauptstadt wieder nach Salzwedel gekommen. „Ich würde mich freuen, die Jungtiere wie im vergangenen Jahr wieder gemeinsam mit der Volksstimme zu beringen.“