Kakerbeck l Sie waren immer ein Hingucker, die Schäfer, die in ihrer traditionellen Kleidung ihre Tiere verschiedener Rassen präsentierten. Nun muss die altmärkische Tierschau, die am 16. und 17. Juni in Kakerbeck stattfindet, ohne sie auskommen. Hintergrund ist ein Zwist mit dem Veterinäramt des Altmarkkreises, das einen Nachweis der Brucellose-Freiheit der Schautiere fordert.

„Die uns auferlegten Bedingungen entbehren einfach jeder Notwendigkeit“, begründet der Vereinsvorsitzende Andreas Schmidt die Entscheidung der Mitglieder, die am 15. Mai per Beschluss gefallen ist. Und das, obwohl der Verein Mitglied der Arbeitsgruppe für die Vorbereitung der Schau und somit Mitveranstalter ist.

Widerspruch

Die Schafzüchter hatten gegen die auferlegten blutserologischen Untersuchungen der Tiere auf die Infektionskrankheit Widerspruch eingelegt. Da Deutschland amtlich anerkannt als brucellosefrei gilt, empfinden sie den Aufwand sowohl finanziell als auch zeitlich als zu hoch. „Sie müssten nur für die Schau mit einem Tierarzt umherfahren und die teilweise bis zu 30 Kilometer auseinanderliegenden Weiden besuchen, um Blutproben zu nehmen. Das ist für die Halter von kleinen Beständen nicht bezahlbar“, sagt der Vorsitzende. Deutschlandweit forderten nur die altmärkischen Landkreise Brucellose-Untersuchungen. „Das kann doch nicht sein“, sagte Schmidt.

Der Schafzüchterverein will deshalb, die Untersuchungen gänzlich aus den Veterinärbedingungen für die Schau herauszunehmen. „Die Präsentation der Zuchttiere ist das Herzstück der Veranstaltung“, so Schmidt. Die Züchter hofften auf ein Einlenken des Amtes. Diese aus Sicht der Schäfer übertriebenen Auflagen seien für die Region ein empfindlicher Standortnachteil.

Auf Menschen übertragbar

Das Salzwedeler Veterinäramt sieht das anders, wie Kreissprecherin Birgit Eurich auf Anfrage mitteilt. Brucellose ist eine Zoonose, das heißt eine auf Menschen übertragbare Krankheit. Ziel der Bestimmungen sei zudem, alle Tierarten, die auf der Schau gezeigt werden, vor Infektionskrankheiten zu schützen. Weil Deutschland als brucellosefrei gelte, müssten im Kreis von 636 registrierten Schafbeständen nur 6 an jährlichen Stichprobenuntersuchung teilnehmen. Daher könne es sein, dass Schäfer zu der Schau kommen wollen, die in den vergangenen fünf Jahren oder länger noch nie ihre Tiere auf Brucellose testen mussten. Es werde für die Veranstaltung keine generelle Untersuchung aller ausgestellten Schafe gefordert. Es sei lediglich nachzuweisen, dass in den vergangenen vier Jahren in den Beständen ein Brucellosetest erfolgt ist. Nur wenn Züchter teilnehmen wollen, bei denen das nicht der Fall ist, müssten die einzelnen Schautiere untersucht werden.

Dies habe der zuständige Tierarzt des Veterinäramtes, Ramón Rulff, den Schafzüchtern während einer Mitgliederversammlung dargelegt. Zu einer Einigung sei es aber nicht gekommen, erklärt Eurich.

Keine Landesschafschau

Aufgrund dieser Umstände sei der in Halle ansässige Landesschafzuchtverband Sachsen-Anhalt von seinem Vorhaben abgerückt, die Landesschafschau in diesem Jahr in Kakerbeck zu veranstalten. „Wir sind über die Bedingungen informiert worden, die aus unserer Sicht diskriminierend sind“, teilte Verbandsgeschäftsführer Hans-Jörg Rösler mit. Die Landesschau wird nun am 24. Juni während des Harzer Landwirtschaftsfestes in Reinstedt stattfinden, wo der zuständige Landkreis keine Brucelloseuntersuchungen einfordere, informiert der Kreisvorsitzende Schmidt.

Annegret Jacobs, Geschäftsführerin des Kreis-Bauernverbandes Salzwedel, die in der Arbeitsgruppe für die Tier- und Gewerbeschau mitarbeitet, bedauert die Entscheidung der Schafzüchter. „Es ist wirklich sehr schade, dass kein Kompromiss gefunden wurde“, sagt sie. Der gebotene Rahmen für die Schäfer, sich, ihre Tiere, ihre Arbeit und auch ihre Sorgen einem breiten Publikum darzustellen, rücke in den Hintergrund und sei nun ganz vertan.

Verpflichtungen

Das sieht der Vorsitzende des Kreis-Rinderzuchtvereins Salzwedel und Chef der Vorbereitungsgruppe, Jürgen Kersten, genauso. „Ich finde es traurig, dass die Schäfer nicht dabei sind. Prinzipiell schaden sie sich mit ihrer Absage selbst“, sagt er. Und was die Untersuchungen anbelange, seien die anderen Aussteller ebenso dazu verpflichtet. „Wir mussten unseren Rindern auch Blutproben entnehmen und untersuchen lassen“, ergänzt er.