Salzwedel l Hundegebell begrüßt Besucher, die am Außentor des Tierheimes klingeln. Vier Hunde, die von der Vorsitzenden des Tierschutzvereins Salzwedel und Umgebung, Antje Gebert, und Susann Hasani persönlich betreut werden, begleiten die beiden, wenn sie dort tätig sind. Die Stimmung ist dennoch alles andere als gut. Die derzeitige Situation zerrt an den Nerven. Seit dem Verhängen eines Aufnahmestopps ist es deutlich ruhiger geworden auf dem Gelände. Das Veterinäramt des Kreises hatte ihn Anfang Juni verhängt. Hintergrund war, dass es an qualifiziertem Personal gemangelt hatte. „Inzwischen haben drei Mitarbeiterinnen die geforderten Seminare absolviert und den Sachkundenachweis nach Paragraf 11 bestanden“, sagt Antje Gebert. Die erforderlichen Schriftstücke seien beim Veterinäramt eingereicht worden. Das müsste nun aus Sicht der Vorsitzenden dem Verein die Erlaubnis zum Betreiben des Tierheims wieder erteilen.

Inventar ausgeräumt

Doch das ist es nicht allein, die Stadt hatte daraufhin die Zusammenarbeit gekündigt und den Verein aufgefordert, das Gelände zu verlassen. Inzwischen haben die Mitarbeiter das bewegliche Inventar weitgehend ausgeräumt und gesichert, wie die beiden Frauen berichten.

Ein weiterer Tiefschlag für den Vorstand ist der Vorschlag von Bürgermeisterin Sabine Blümel, das Gelände, das der Stadt gehört, an den Allgemeinen Tierhilfsdienst zu verkaufen. Der Verein betreibt unter anderem das Tierheim in Ahlum. Als Summe stehen 85.000 Euro im Raum.

Werteausgleich

„Dann werden wir einen Wertausgleich für die Investitionen einfordern“, stellt Gebert klar. Sie seien bereits zum 20-jährigen Bestehen mit rund 200.000 Euro beziffert worden. Inzwischen sei einiges dazugekommen, wie ein neues Katzengehege und der begonnene Bau einer Quarantänestation für Hunde. Die Vorsitzende schätzt den Wert der Gebäude und Anlagen, die der Salzwedeler Verein in den 28 Jahren seines Bestehens errichtet hat, auf rund 250.000 Euro.

Zudem sollte die Stadt überlegen, wenn sie das Tierheim an den Verein in Ahlum vergibt, dass der Tierhilfsdienst das Monopol im gesamten Westen des Kreises hätte. „Dann bestimmen die die Preise“, schätzt Gebert ein.

Kritik aus den eigenen Reihen

Sie räumt ein, dass die internen Streitigkeiten ein schlechtes Licht auf den Verein geworfen und zur jetzigen Lage mit beigetragen hätten. Noch immer sind gegenseitige Gerichtsverfahren mit einstigen Mitarbeitern anhängig. Kritik kam auch aus den Reihen der Mitglieder. Unter anderem dazu, dass es keine Versammlungen gegeben habe. „Wir haben zweimal eingeladen, und zwar alle, aber es ist niemand gekommen“, rechtfertigt sich die Vorsitzende. Schon im Frühjahr sei eine Einladung erfolgt, nach dem Aufnahmestopp noch eine, versichert sie. Ein einziges Mitglied habe Interesse gezeigt. Einen Brief der langjährigen Tierschützerin Astrid Lingner dazu habe sie schriftlich beantwortet. Weitere Fragen von Mitgliedern ebenfalls. Es sei auch ihr Ziel, alle an einen Tisch zu holen und sich auszusprechen, versichert die Vorsitzende. Zudem könne jeder jederzeit persönlich mit ihr sprechen und sich informieren.

Auf die Politik sei sie ebenfalls zugegangen. Einige Stadtratsfraktionen hätten dem Tierheim einen Besuch abgestattet und sich vor Ort über die Lage aufklären lassen. Sie und ihre Vorstandsmitglieder hoffen, dass es ein Einlenken gibt und der Verein weiter das Tierheim betreiben kann.

Konzept erstellt

„Der Vorteil ist, wir könnten sofort weitermachen“, betont Gebert. Sofern das Veterinäramt zustimme, könnten wieder Tiere aufgenommen und betreut werden. Auch einige Ehrenamtliche, die mit den Hunden Gassi gehen, hätten bekundet, weiterzumachen. Dazu und zu weiteren Maßnahmen, die kurz oder auch längerfristig umsetzbar wären, ist ein Konzept erstellt worden. Dies haben einige Stadträte für eine Entscheidung darüber, wer künftig das Tierheim betreibt, eingefordert.

Tiervermittlung mit Präsenz im Internet und sozialen Netzwerken, die Koordination von Helfern aus verschiedensten Bereichen, Beratungen von Tierbesitzern und die Betreuung von Futterstellen für verwilderte Katzen wären unter anderem umgehend möglich.

Der Bau mehrerer Kleintiergehege für Kaninchen und Meerschweinchen, vermehrte Spendenakquise für Kastrationsprogramme und weitere Punkte werden als kurzfristig umsetzbar eingestuft.

Längerfristig sind unter anderem bauliche Maßnahmen wie das Einrichten einer Tierklappe, Renovierungsarbeiten, und verstärkte Öffentlichkeitsarbeit angeführt.