Salzwedel l Die Ereignisse des zurückliegenden Wochenendes zeigen, dass sich das Konfliktpotential zwischen linken und rechten Gruppierungen in Salzwedel erhöht hat, schätzt Sebastian Heutig, Leiter des Polizeireviers, ein. Gewaltschwellen würden zunehmend überschritten.

Das Bekämpfen von Extremismus jeglicher Art sieht er als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Verstärkte offensive Präsenz, mehr Personen- und Fahrzeugkontrollen im Stadtgebiet seien der Beitrag, den die Polizei dazu leisten könne. „Das Hauptaugenmerk wird dabei auf der Altperverstraße liegen“, erklärt der Polizeichef. Mit dem erhöhten Kontrolldruck im Stadtgebiet soll sich das Entdeckungsrisiko für die Täter deutlich vergrößern. Die Ermittlungen zu weiteren Tatverdächtigen des Angriffs von Freitagnacht würden mit Hochdruck weitergeführt und dauern an.

Zudem arbeiteten die Beamten intensiv daran, weitere Straftäter aus den politisch motivierten Strafverfahren namentlich bekannt zu machen. „Dazu sichten wir auch Videos“, erklärt der Polizeichef.

Gewaltbereitaschaft

Insgesamt schätzt er zu den jüngsten Ereignissen ein, dass sie die herrschende Gewaltbereitschaft „sowohl links als auch rechts zeigen“. Die absoluten Fallzahlen der politisch motivierten Gewaltkriminalität seien laut Polizeistatistik insgesamt nicht gestiegen.

Auch wenn es sich beim Prügel-Vorfall vor dem Hanseat nach ersten Erkenntnissen der Polizei nicht um einen gezielten Überfall auf das soziokulturelle Zentrum handelte, passe der Vorfall zu den üblichen Mustern rechter Gewalt in der Stadt, urteilt Martin Burgdorf, Mitarbeiter beim Regionalen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus des Vereins Miteinander.

Zumal der Club schon in der Vergangenheit von Mitgliedern der rechten Szene angefeindet worden sei. Davon einmal abgesehen, sei es ein Hinweis, dass sich die Gewaltspirale in der Hansestadt immer weiter drehe. „Aus Bedrohungen wurden Angriffe. Es folgten Verfolgungsjagden. Die Brutalisierung hat zugenommen“, schlussfolgert Martin Burgdorf.

Eskalation verhindern

Dabei sei es dringend an der Zeit, eine weitere Eskalation zu verhindern. „Es bräuchte ein klares gesellschaftliches Signal, dass diese Gewalttaten nicht geduldet werden“, so der Miteinander-Mitarbeiter. Dies müsse von Polizei und Politik gleichermaßen kommen. „Natürlich sind Polizei und Justiz gefragt. Ohne Repression geht es nicht“, schätzt Burgdorf ein.