Salzwedel l Ihre Rufe durchdringen allabendlich den Burggarten in Salzwedel. Wenn die Nacht den Tag verdrängt, schlägt ihre Stunde. Die Rede ist vom Bewohner des mehr als 1000 Jahre alten Burgturms: dem Uhu. Schon im vergangenen Jahr hat das Uhu-Pärchen Junge großgezogen. In diesem Jahr sind es vier.

Die Jungvögel sind etwa 35 bis 40 Tage alt, weiß Kreis-Naturschutzbeauftragter Michael Arens. In den ersten 30 Tagen würden die Uhus noch das Nest hüten. Nun aber sind sie bereits an anderen Stellen des Areals anzutreffen. Wie auf dem Foto, bei dem sie auf Mauerresten des einstigen Gotteshauses verweilen. Daher rät Michael Arens, Lärm im Burggarten dringend zu vermeiden. Hunde sollten ausschließlich angeleint durch die Parkanlage geführt werden, solange die Jungtiere noch aufgezogen werden.

Ebenfalls wichtig: Abstand halten. „Gerade zur Zeit, wo sie noch nicht fliegen können. Sie haben auch schon scharfe Krallen! Falls ein Jungvogel am Boden sitzt, nichts unternehmen“, rät der Kreis-Naturschutbeauftragte, der auch für den Naturschutzbund (Nabu) aktiv ist. Denn „in der Nacht rufen sich die Jungen und Alten wieder zusammen und es wird weiter gefüttert.“

Vielseitige Speisekarte

Auf der Speisekarte der Uhus stehen Ratten, Mäuse und Vögel aller Art. Zudem ist der Uhu in der Lage, Igel zu schlagen, weshalb es um den Burggarten herum nicht ungewöhnlich ist, auf eine leere Stachelhaut zu treffen. Selbst für kleine Vierbeiner wie Katzen oder Hunde kann der hungrige Uhu gefährlich werden, was noch einmal die Leinenpflicht unterstreicht.

Aber nicht nur in Salzwedel sind Uhus anzutreffen. Wie Michael Arens weiß, seien mindestens drei Brutpaare im Altkreis Salzwedel und zwei im Kreis Stendal bekannt – „bei Salzwedel, bei Arendsee und im Kalbeschen Werder.“

Burgturm als Heimstatt ausgesucht

Dass sich die Uhus im Burggarten wohlfühlen, kommt nicht von ungefähr. Sie bevorzugen als Brutplätze Felsen, Steilwände, alte Bäume, Gebäude wie Kirchen, Kiesgruben, Steinbrüche und eben auch Türme wie den im Burggarten. „Es gibt in Deutschland rund 2100 bis 2500 Brutpaare, das sind sieben bis elf Prozent am geschätzten europäischen Bestand. Mit Wiederansiedlungsprojekten in Niedersachsen bildete sich ein stabiler Bestand in der Lüneburger Heide“, sagt Arens: „Ich vermute, dass aus dieser Region die Tiere bis in unserer Altmark gelangen und hier diese Gebiete besetzen.“

In ganz Sachsen-Anhalt würden nach Auskunft des Kreis-Naturschutzbeauftragen 35 bis 50 Paare geben. Damit erholt sich der Bestand wieder. Die Tiere wurden vor Jahrzehnten noch intensiv bejagt.