Salzwedel l Die Ansichten zum Thema Dienstpflicht gehen in politischen wie auch in gesellschaftlichen Kreisen auseinander. Doch welche Meinungen vertreten Zehntklässler der Ganztags-Gemeinschaftsschule Comenius und die sozialen Einrichtungen in Salzwedel?

Für den 17-jährigen Ben Furche sei die Dienstpflicht „eine gute Idee“. Er könne sich vorstellen, dieses Jahr bei der Bundeswehr zu absolvieren: „Dann lernt man seine Grenzen kennen und hätte etwas für den Übergang nach der Schule zur Ausbildung.“

Perspektive nach der Schule

Auch Schülerin Pia Marie Hennings sieht die Dienstpflicht positiv. „Wenn ich mir die Einrichtung aussuchen darf, finde ich es gut. Zudem haben einige nach der Schule keine Perspektive, aber so denken sie über ihre Stärken nach“, meint die 17-Jährige.

Auch der 16-jährige Jole Krüger kann dem Vorschlag etwas abgewinnen. „Ich finde es gut, so lange man selbst entscheiden darf, wohin. Zugeteilt werden, das ist Quatsch. So bekäme die Bundeswehr viele Leute. Sonst würde man da nicht hingehen.“

Projekt bietet neue Erfahrungen

Darius Marco Unrath ist der Idee auch nicht abgeneigt. „Nach meiner Kfz-Mechatroniker-Ausbildung will ich sowieso zur Bundeswehr. Auch, dass es Pflicht sein soll, finde ich nicht schlecht“, meint der 15-jährige Schüler.

Marvin Gedeon Stephan würde es begrüßen, wenn das Projekt Pflicht wäre, damit mehr Leute mitmachen. Der 15-jährige Realschüler gibt an: „Es macht bestimmt Spaß und bietet neue Erfahrungen.“

Marion Vongehr-Bülow, Geschäftsführerin des Seniorenzentrums Vita in Salzwedel, sieht das Programm für den Pflegebereich überwiegend positiv: „So entsteht Kontakt zu Schulabgängern, die sich für die Pflegeberufe interessieren würden. Außerdem könnte das Interesse für den Pflegebereich geweckt werden.“

Nancy Pohle, stellvertretende Pflegedienstleiterin der Sozialstation des Paritätischen Sozialwerks in Salzwedel, erklärt, dass sie die Idee im Grunde gut finde. Aktuell hat die Einrichtung weder einen Bundesfreiwilligendienstleistenden (Bufdi) noch FSJler (Freiwilliges soziales Jahr). „Falls das Programm Pflicht werden sollte, sehe ich das 50 zu 50. Es wäre für die Schulabgänger gut, die noch keinen Plan für die Zukunft haben. So können sie in unseren Beruf reinschnuppern.“ Pohle stellt sich aber die Frage, wer diese mögliche Stelle bezahlen soll: „Zahlt der Staat oder das Unternehmen die Arbeitskraft?“

Das Jahr soll keine Verpflichtung werden

Ivonne Bolle, Pressesprecherin des Altmark-Klinikums, sieht aktuell keine Notwendigkeit einer Verpflichtung im Gesundheitswesen. „Der Dienst am und für den Menschen sollte unserer Meinung nach freiwillig bleiben“, antwortete sie. Zudem gebe es im Klinikum die Möglichkeit, ein FSJ im Bereich der Pflege zu absolvieren. Das werde auch rege von den Schülern genutzt, um den medizinischen Bereich näher kennen zu lernen.

Ministerin Kramp-Karrenbauer begründet ihren Vorschlag zu einer einjährigen Dienstpflicht für Jungen und Mädchen nach dem Schulabschluss übrigens gegenüber der Funke-Mediengruppe so: „Für mich ist es auch ein zutiefst bürgerlicher Gedanke, seinem Land und der Gesellschaft etwas zurückgeben zu wollen.“ Diese Dienstpflicht könne bei der Bundeswehr oder auch bei sozialen oder kulturellen Einrichtungen geleistet werden.

Sie brachte schon im Sommer 2018 als CDU-Generalsekretärin bei ihrer „Zuhörtour“ das Thema auf den Tisch. Nun vertiefte sie im November in Berlin beim sogenannten Werkstattgespräch der CDU nochmals ihre Idee. Jedoch ließ sie offen, ob dieses Jahr verpflichtend oder freiwillig sein soll. Eine verpflichtende Dienstpflicht würde allerdings gegen das Grundgesetz verstoßen, merkte Christian Linder, FDP-Parteichef, an. Dieses müsse dann geändert werden.